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Von wegen verstaubt – Karrierewege zwischen Zahlen und Recht

FOTOS: JULIA VOIGT; OMD (KI)/STOCK.ADOBE.COM

Steuerverwaltung – das klingt für die meisten eher trocken. Doch wer einmal einen Blick hinter die Kulissen wagt, stellt schnell fest: hier gibt es eine Menge spannende Berufe zu entdecken. Unsere Redakteurin Julia Voigt hat sich mit AnnaLena Knüppel vom Bildungszentrum der Steuerverwaltung und Leon Schürmann, Diplom-Finanzwirt in Malente getroffen.

„Mich interessiert besonders die Kombination aus rechtlichen Fragen, wirtschaftlichen Zusammenhängen und Zahlen“, sagt Leon Schürmann mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Er ist 25 Jahre alt, hat vor zwei Jahren sein duales Studium zum Diplom-Finanzwirt abgeschlossen und arbeitet seitdem im Finanzamt Kiel. Dort hat er auch seine Ausbildung beziehungsweise das Studium absolviert und wurde gleich übernommen. Nächstes Jahr geht es für Leon weiter zur Betriebsprüfung. „Ich finde es sehr spannend, komplexe Sachverhalte gründlich zu analysieren und Betriebe begleiten zu dürfen“, erklärt er seine Wahl. Auch der Sicherheitsaspekt eines Arbeitsplatzes in der Steuerverwaltung war für seine Berufswahl entscheidend. Aktuell ist er in der Körperschaftsteuerstelle eingeplant und bearbeitet dort Steuererklärungen von GmbHs. Ein Schwerpunkt liegt für ihn in der Prüfung der Buchführung: Während man ein Unternehmen von außen nur als Geschäft oder Dienstleister wahrnimmt, zeigen die Unterlagen, wie Geldflüsse, Kostenstrukturen und wirtschaftliche Situationen tatsächlich aussehen.

Unternehmen aus der Region

Während Leon Schürmann sich für ein Studium und somit für den höheren Dienst entschieden hat, werden im Bildungszentrum der Steuerverwaltung des Landes Schleswig-Holstein in Malente vor allem Anwärter des mittleren Dienstes ausgebildet. Für das Marketing zuständig ist dort Anna-Lena Knüppel. „Die Auszubildenden sind vor Ort untergebracht, werden verpflegt und werden im Haus unterrichtet“, erklärt sie. Gleichzeitig spielt das Bildungszentrum auch für den gehobenen Dienst eine Rolle. Im Rahmen des dualen Studiums kommen Studierende beispielsweise für Arbeitsgemeinschaften nach Malente, um praxisrelevante Theorieeinheiten zu vertiefen – auch mit Blick auf unterschiedliche Programme und Arbeitsweisen in den Dienststellen.

Darüber hinaus ist Malente ein zentraler Ort für Fortbildungen der Finanzverwaltung. Der überwiegende Teil der Fortbildungen wird hier geplant, koordiniert und durchgeführt. Seit April ist außerdem die landesweite Nachwuchskräftegewinnungskampagne am Bildungszentrum angesiedelt. Anna-Lena Knüppel leitet das Team. Ziel ist es, mehr junge Menschen auf die Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. „Es fehlt nicht am Interesse für die Berufe, vielmehr an Informationen darüber, dass die Steuerverwaltung ausbildet und welche Wege es überhaupt gibt“, so Anna-Lena Knüppel. Sie ist seit rund 25 Jahren in der Finanzverwaltung, startete mit Realschulabschluss im mittleren Dienst und war selbst zur Ausbildung in Malente. Später schloss sie noch ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz an. Während der Ausbildung und des dualen Studiums erhalten die Nachwuchskräfte eine attraktive Vergütung. Nach erfolgreichem Abschluss bestehen gute Chancen auf eine Übernahme. Darüber hinaus bietet die Steuerverwaltung Schleswig-Holstein verschiedene Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und zum Aufstieg. Dabei sind die möglichen Einsatz- und Ausbildungsorte über ganz Schleswig-Holstein in 16 Finanzämtern verteilt.

„Wir sind ganz und gar nicht verstaubt.“
ANNA-LENA KNÜPPEL

Für Anna-Lena Knüppel ist es vor allem die Vielfalt an Möglichkeiten, die die Steuerverwaltung mit sich bringt. Neben der Bearbeitung von Steuererklärungen gibt es Bereiche wie Erhebung und Vollstreckung, Vollziehung, Körperschaftsteuer, Personengesellschaften, Bußgeld- und Strafsachen, Steuerfahndung oder Einsatzmöglichkeiten im Finanzministerium. Auch Lehrtätigkeiten sind möglich.

„Wir sind ganz und gar nicht verstaubt“, so ihr Fazit. Die Steuerverwaltung zählt zu den am stärksten digitalisierten Bereichen der öffentlichen Verwaltung, die Ausstattung ist modern. Als wichtige persönliche Voraussetzungen nennt sie vor allem soziale Kompetenz und Empathie, weil hinter Fällen und Steuererklärungen immer Menschen stehen und Teamarbeit in vielen Bereichen zum Alltag gehört.
Julia Voigt


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