Monika Fildebrandt ist von der Agentur für Arbeit in Schleswig und „Berufsberaterin vor dem Erwerbsleben“. „Nicht jeder scheitert in seiner Ausbildung an mangelnder Motivation, viele scheitern an Hürden, die sich mit der richtigen Unterstützung abbauen lassen“, weiß die Berufsberaterin. Genau dort setzt die Assistierte Ausbildung (ASA flex) an. „Wir unterstützen Auszubildende und auch junge Menschen in einer Einstiegsqualifizierung, damit sie die Ausbildung durchlaufen und abschließen können“, erklärt Fildebrandt.
Das Angebot, organisiert über die Berufsberatung und umgesetzt durch einen Bildungsträger, besteht aus mehreren Bausteinen: Stütz- und Förderunterricht, pädagogische Begleitung, Ausbildungsbetreuung – und bei Bedarf auch Unterstützung für Betriebe, wenn Konflikte oder Krisen im Ausbildungsalltag entstehen.
Wie wichtig diese Begleitung sein kann, das weiß Hamidullah Ahmad, den alle nur Amid nennen. Der 24-Jährige, 2015 mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland geflohen, hatte eine Ausbildung im Einzelhandel begonnen und bald wieder abgebrochen. Amid wendet sich an einen Ansprechpartner aus dem Unterstützungsnetzwerk, bittet um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsbetrieb und landet nach einer Bewerbung im Hotel „Kreisbahnhof“ in Schleswig, wo er seit dem 1. August 2025 eine Ausbildung zum Restaurant- und Veranstaltungsfachmann macht. Begleitet und unterrichtet wird er jetzt zwei Mal pro Woche von Standortleiter Jürgen Wenzel.
Jürgen Wenzel erklärt, dass Hamidullah Ahmadi bereits im ersten Ausbildungsverhältnis im System der ASA flex bekannt war: Die Unterstützung hatte schon dort angesetzt, mit Nachhilfe und Stabilisierung. Genau das sei auch ein Kernauftrag: Wenn ein Ausbildungsverhältnis wackelt oder endet, soll ASA flex helfen, den Anschluss nicht zu verlieren. „ASA flex ist für alles da, was den Ausbildungsabschluss gefährdet“, sagt Monika Fildebrandt. Dabei geht es manchmal um fachlichen Förderbedarf, aber ebenso kann die Verbesserung schlechter Rahmenbedingungen, die junge Menschen aus der Bahn werfen können, angegangen werden.
Im Alltag bedeutet das vor allem: individuelle Begleitung. Die Auszubildenden kommen in der Regel ein- bis zweimal pro Woche, manchmal nach Feierabend, manchmal so, dass es mit Betrieb und Berufsschule vereinbar ist. Dann wird gelernt, geübt, sortiert und erklärt. Hamidullah Ahmadi kennt seine Baustellen: Im Betrieb selbst habe er kaum Schwierigkeiten, „ich bin ein Mensch, der gerne mit der Hand arbeitet“. Aber im schulischen Teil ist es schwer für den jungen Mann aus Afghanistan, vor allem der Sprache wegen.

AsA flex ersetzt zwar keine allgemeine Sprachförderung, aber sie darf fachsprachlich unterstützen – also genau dort helfen, wo Berufsschule und Prüfungen die richtigen Begriffe und Zusammenhänge verlangen. So entstehen Lernstunden, die so gar nicht nach „normaler Nachhilfe“ klingen, aber das abdecken, was Ausbildung heute ausmacht: Dreisatz, Fachrechnen, Berichtsheftführung oder auch Themen, die plötzlich dringlicher werden als jede Klassenarbeit: ein Brief vom Ausländeramt, ein Antrag, eine Nebenkostenabrechnung, eine Stromrechnung. „Dann versuchen wir, Lösungen zu suchen“, sagt Monika Fildebrandt. Zum Konzept gehört außerdem, dass AsA flex nicht nur beim Azubi ansetzt, sondern auch im Hintergrund vernetzt arbeitet: Telefonate mit Betrieb und Schule, gelegentlich Termine vor Ort, wenn es Konflikte gibt oder moderiert werden muss.
Wer bekommt diese Förderung? „Grundsätzlich steht es jedem offen“, so Monika Fildebrandt. Entschieden wird über die Berufsberatung anhand von Gesprächen, Zeugnissen, Rückmeldungen aus Schule und Betrieb. Die Unterstützung ist kostenfrei für Auszubildende. In der Region ist das Angebot zudem niedrigschwellig erreichbar: Im Bezirk der Agentur für Arbeit Flensburg gibt es von Westerland bis Schleswig mehrere Standorte. Hamidullah Ahmadi ist glücklich und dankbar für die Hilfe, die er bekommt. Sein Zeugnis sei früher „wirklich eine Katastrophe“ gewesen. Durch die Unterstützung habe er heute vorzeigbare Noten. Irgendwann, so sagt er, möchte er sich nach seiner Ausbildung mit einem eigenen Restaurant selbstständig machen.
Julia Voigt