Früher war der Weg zum „Ingenieur“ auf den ersten Blick klarer: „Dipl.-Ing. Maschinenbau“ sagte sofort, worum es geht. Heute heißen Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen, Verfahrenstechnik oder Nachhaltige Energiesysteme und nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, dass auch dahinter ein klassisches Ingenieurstudium steckt. In Flensburg lässt sich das Angebot nach Fachbereichen und Themen sortieren. In einem technisch ausgerichteten Fachbereich gibt es maritim geprägte Studiengänge wie Schiffsbetriebstechnik oder Schiffsmaschinenbau, außerdem den Klassiker Maschinenbau (Bachelor und Master). Neu dazugekommen sind Wirtschaftsingenieurwesen, ebenso Green Engineering beziehungsweise Umweltverfahrenstechnik. Im zweiten Fachbereich spielen naturwissenschaftliche und energiebezogene Themen eine große Rolle: Bio- und Lebensmitteltechnologie etwa führt zu einem Bachelor of Science – ist aber trotzdem ein Ingenieurstudiengang, weil mehr als die Hälfte der Inhalte technologiebezogen sind. Das ist relevant, weil es in den deutschen Bundesländern Ingenieurgesetze gibt, die regeln wer die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ führen darf. Ein weiterer zentraler Studiengang ist Nachhaltige Energiesysteme, ebenfalls mit mehreren Vertiefungen.
Wichtig ist den beiden Dekanen dabei: Viele Studiengänge sind bewusst so aufgebaut, dass man sich nicht früh schon endgültig festlegen muss. Gerade am Anfang ähneln sich die Grundlagen. in vielen Ingenieurstudiengängen Mathematik, Physik, Mechanik, Elektrotechnik, Chemie. Im Maschinenbaustudium gibt es nach dem dritten Semester eine erste größere Weiche, an der Studierende sich zwischen zwei Studienrichtungen scheiden können: dem „klassischem“ Maschinenbau und der zukunftsorientierten Richtung Elektrische Antriebstechnik / E-Mobilität. Später folgen weitere Vertiefungsmöglichkeiten, etwa in Richtung Verfahrenstechnik, Konstruktion und Berechnung oder Produktion und Fertigung. Auch besteht die Möglichkeit, bereits einen Teil des Lehramtsstudiums für berufliche Schulen zu absolvieren. Und selbst wenn jemand im Laufe des Studiums merkt, dass ein anderer Studiengang besser passt, ist ein Wechsel innerhalb der Hochschule oft möglich, ohne komplett neu anzufangen: Was inhaltlich übereinstimmt, kann angerechnet werden – auch, weil teilweise dieselben Veranstaltungen besucht werden.


Bei den formalen Voraussetzungen ist die Botschaft klar: In den Ingenieurstudiengängen gibt es in der Regel keinen Numerus Clausus. Zugangsvoraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung – etwa Abitur. Aber auch andere Wege sind möglich, zum Beispiel über eine Meisterqualifikation.
Neben den „harten“ Zugangsvoraussetzungen sprechen Antje Labes und Frithjof Marten auch über die persönlichen Voraussetzungen. Ohne Mathematik gehe es in Ingenieurstudiengängen nicht, sagen beide, aber niemand müsse als fertiger Mathematiker starten. Entscheidend sei eher, keine Angst vor Mathe zu haben und die Bereitschaft mitzubringen, sich einzuarbeiten. Unterstützung gibt es: Die Hochschule bietet Vorkurse an, mit denen Studienanfänger ihre Mathekenntnisse vor Studienstart auffrischen können. Auch im Studium wird die Lehre durch Tutorien unterstützt.
In den Hörsälen sitzen meist Studierende zwischen 18 und 30 Jahren, aber es gibt auch Quereinsteiger etwa, wenn Unternehmen Mitarbeitende gezielt bis zum Masterabschluss weiterqualifizieren möchten. Im Maschinenbau liegt der Frauenanteil nach Angaben der beiden leider deutlich unter 20 Prozent; hier sei „viel Potenzial nach oben“. In maritimen Studiengängen sei der Anteil weiblicher Studierender höher, teils fast ausgeglichen. Und in Bio- und Lebensmitteltechnologie schreiben sich traditionell mehr Frauen ein. Es zeigt sich: Die Unterschiede hängen stark vom Fachprofil ab.
Ingenieurinnen und Ingenieure werden aus Sicht der Dekane dringender gebraucht denn je – etwa für den Klimaschutz, die Energiewende und für technische Innovationen. Künstliche Intelligenz sehen sie dabei nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug: Sie könne bei Programmierung und Auswertung unterstützen, aber die Kernaufgabe des Ingenieurberufs – ungelöste Probleme strukturiert und zugleich kreativ zu lösen, Lösungen zu entwickeln, zu testen und umzusetzen – werde KI auf absehbare Zeit nicht übernehmen.
Wer regional bleiben möchte, findet in Schleswig-Holstein auf dem Arbeitsmarkt einiges an Möglichkeiten – von größeren Unternehmen bis zu Ingenieurbüros.
jvo