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Von der Pferdespritze zur KI

Der erste Schlauchtransportwagen des Verbandes. Fotos: Archiv Kreisfeuerwehrverband Pinneberg

Mehr als Löschen: Kreisfeuerwehrverband Pinneberg als moderner Sicherheitsgarant

Ob bei schweren Herbststürmen an der Elbe, Großbränden oder im anspruchsvollen Alltag zwischen Elbmarsch und Geest – auf die Brandschützer im Kreis Pinneberg ist seit mehr als einem Jahrhundert Verlass. Was vor genau 134 Jahren begann, ist heute zu einer unverzichtbaren Sicherheitsinfrastruktur herangewachsen.

Unternehmen aus der Region

Unter dem Dach des Kreisfeuerwehrverbands Pinneberg stehen inzwischen stolze 50 freiwillige Feuerwehren, zwei Betriebsfeuerwehren, eine Werkfeuerwehr und derzeit 37 Jugendfeuerwehren Schulter an Schulter. Sie alle vereint ein Ehrenamt, das weit über das klassische Löschen hinausgeht und längst zu einer hochmodernen technischen Hilfsorganisation geworden ist.

Doch der Anfang bis zur Gründung des Kreisfeuerwehrverbandes am 6. November 1892 war alles andere als einfach. Knapp 20 Jahre vorher schon hatten sich in Schleswig-Holstein 16 Freiwillige Feuerwehren zum Provinzialfeuerwehrverband zusammengeschlossen. 1892 war die Zahl mit 345 angeschlossenen Wehren schon so groß, dass eine Gliederung notwendig wurde.

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So wurde schließlich der „Feuerwehrbezirk des Kreises Pinneberg“ gegründet. Dazu gehörten 31 Wehren des Kreisgebiets und drei Wehren des Stadtkreises Altona. Paragraf 3 des Statuts legte fest: „Der Zweck und die Aufgabe des Kreis-Feuerwehr-Bezirks ist: Die Förderung und Hebung des Feuerlöschwesens in dem Kreise Pinneberg und die möglichst einheitliche Gestaltung der freiwilligen Feuerwehren“.

Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Hauptmann Carl Roth aus Blankenese gewählt. Alljährlich, so ist überliefert, fand danach eine Kreisfeuerwehrversammlung statt, bei der die jeweilige Ortswehr eine aus „Schulübung und Manöver bestehende Übung“ vorzuführen hatte. Sie wurden – wie es in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Verbandes heißt – „zu wahren Höhepunkten des damaligen Feuerlöschwesens, weil häufig mit Pferd und Wagen und Ehefrauen angereist wurde und die ausrichtende Gemeinde oder Stadt sich im Festgewand mit viel Baumgrün und Blumen präsentierte“. Doch neben derartigen Feiern standen Feuerwehrthemen im Vordergrund. So wurde debattiert, inwieweit wohl die „Hülfe bei Haide Bränden“ und bei Wasser- und Sturmfluten gehen müsse oder wie ein Sprungtuch richtig gehalten werden muss.

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Heute nur noch schwer vorstellbar: Um die Jahrhundertwende gab es große Probleme, einen Brandort zu ermitteln, wenn in der Nachbarschaft Feuerschein oder Rauch zu beobachten war. Telefone – wenn überhaupt vorhanden – waren zum Beispiel bei schlechten Witterungsbedingungen wie Gewitter nicht zu benutzen, das Fernmeldeamt war nachts meist nicht besetzt.

Oft gab es auch in der Nähe der Brandstelle keine Telefonanschlüsse. Die Hilfe soll damals auf 7,5 Kilometer im Umkreis festgelegt gewesen sein.

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1907, 15 Jahre nach Gründung des Feuerwehrbezirks umfasste der Verband bereits 36 Freiwillige Feuerwehren mit 1342 Mitgliedern. Die Wehren verfügten über zwei Dampf- und Motorspritzen, 52 Saug- und Druckspritzen, vier Spritzen ohne Saugwerk und 15 Zubringer. Am 30. Mai 1908 – so beschreibt es die Chronik – beschloss der Provinzialverband mit den Vertretern der Königlichen Staatsregierung und der Provinzialverwaltung eine neue Mustersatzung für die Kreisverbände. Die Satzung wurde am 19. Juli 1908 in Haseldorf beraten und genehmigt. Seitdem gibt es den offiziellen Namen Kreisfeuerwehrverband Pinneberg. Mit der technischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung veränderten sich in den folgenden Jahrzehnten stets auch Aufgaben und Umfang in der Arbeit des Verbandes, überschattet durch den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Während anfangs die Brandbekämpfung im Vordergrund stand, ging und geht es immer mehr um technische Hilfeleistungen, Verkehrsunfälle und andere Hilfseinsätze.

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Spezialtechnik für den Ernstfall

Heute steht im Kreisgebiet eine hochspezialisierte Flotte an Sonderfahrzeugen und Logistikeinheiten bereit. Die einzelnen Feuerwehren sind nach Vorgaben von örtlich erstellten Feuerwehrbedarfsplänen mit Löschfahrzeugen, Drehleitern und anderen Sonderzeugen für den alltäglichen Brandschutz ausgestattet. An der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Tornesch-Ahrenlohe steht die Spezialtechnik für die überörtliche Hilfe. Das sind zum einen die Fahrzeuge des Löschzugs Gefahrgut und zum anderen die der Technischen Einsatzleitung. Beide Einheiten sind an der FTZ stationiert. Hinzu kommen vom Kreis Pinneberg beschaffte Abrollbehälter mit viel Schlauchmaterial oder Schaummittel, die der kommunalen Feuerwehrbereitschaft zugeordnet sind.


Die bisherigen Kreisbrandmeister beziehungsweise Vorsitzenden im Kreis Pinneberg

Das waren/sind die Kreisbrandmeister in der Geschichte des Feuerwehrverbands:

• Hauptmann Carl Roth, Blankenese (1892-1907),
• Hauptmann Friedrich Lienau, Elmshorn (1907-1924),
• Claus Hinrichsen, Uetersen (1924-1932),
• Paul Junge, Elmshorn (1932-1939),
• Heinrich Tonner, Elmshorn (1939-1958),
• Theodor Rathje, Pinneberg (1958-1966),
• Walter Michau, Rellingen (1967-1976),
• Curt Hamer, Quickborn (1977-1986),
• Gerhard Duwe, Quickborn (1988-2003),
• Bernd Affeldt, Borstel-Hohenraden (2003-2014),
• Frank Homrich, Wedel (2015-2024),
• Stefan Mohr (2024-).

Ehrenmitglieder sind:
• Bernd Affeldt, Borstel-Hohenraden,
• Frank Homrich, Wedel, Uwe Kuhlmann, Pinneberg,
• Hans Borbe, Klein-Nordende, Heinz-Joachim Glißmann, Heede,
• Jens-Peter Saathoff, Bönnigstedt,
• Rolf-Peter Gerlach, Pinneberg.


Die heutigen Aufgaben des Kreisfeuerwehrverbands

• Förderung des Feuerwehrwesens in der Bevölkerung
• Werbung für die Gründung von Jugendfeuerwehren
• Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung forcieren
• Aus- und Fortbildung der Feuerwehrkameraden
• Betreuung der Mitglieder in allen feuerwehrrelevanten Bereichen
• Logistische Unterstützung der Feuerwehren
• Stellung des ABC-Dienstes zur Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren
• Bildung der Technischen Einsatzleitung (TEL) für den Katastrophenfall oder bei Großschadenslagen
• Bildung einer Feuerwehrbereitschaft für überörtliche Hilfe

Wolfgang Duveneck


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