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HomeResQ: Weil jede Minute zählt

Das Team hinter der Idee: Vincent Hock (von links), Leonard Mergel und James Wagner. Fotos: HomeResQ

Digitale Gebäudedaten für schnellere Rettungseinsätze – HomeResQ liefert Einsatzkräften wichtige Informationen und verbessert die Orientierung im Ernstfall

Ein Einfamilienhaus am Stadtrand brennt. Erst einmal heißt das für die alarmierten Rettungskräfte ruhig Blut behalten und für Orientierung sorgen. Um dann keine wertvolle Zeit zu verlieren, haben Vincent Hock und Leonard Mergel mit „HomeResQ“ eine Software entwickelt, die Feuerwehrleute im Ernstfall den Weg ebnen kann.

Wer einmal versucht, mit geschlossenen Augen durch die eigene Wohnung zu gehen, merkt schnell, wie schwer Orientierung selbst in vertrauter Umgebung ist. Für Feuerwehrleute, die sich im Ernstfall in unbekannten Gebäuden bewegen – häufig bei Rauch, Hitze, Stress und eingeschränkter Sicht – ist diese Herausforderung ungleich größer“, erklärt Vincent Hock den entscheidenden Gedanken hinter HomeResQ. Aus dieser Idee entwickelte sich das Konzept einer digitalen „Rettungskarte“, die wichtige Gebäudedaten bereits vor einem Einsatz verfügbar macht. Marktreif und aktiv ist die Lösung seit etwa zwei Jahren – aktuell wird sie als „HomeResQ 2.0“ weiterentwickelt.

Die Funktion der Anwendung setzt dort an, wo in der Realität häufig Minuten verloren gehen: bei der Informationsbeschaffung. Kommt ein Notruf über die 112 rein, nimmt die Leitstelle den Anruf entgegen, stellt die typischen W-Fragen und ermittelt vor allem eines so schnell wie möglich: den Ort des Geschehens. Aus dieser Ortsangabe werden Koordinaten für den Einsatzort erzeugt. Genau an diesem Punkt dockt HomeResQ an, als zusätzliche Informationsquelle, die im Ernstfall abrufbar ist. Konkret bedeutet das: Sobald die Leitstelle einen Einsatz auslöst, laufen die Koordinaten und Einsatzdaten in bestehende Alarmierungs-Apps beziehungsweise Software-Systeme, die wiederum die zuständigen Kräfte alarmieren. Über die geschaffenen Schnittstellen können diese Systeme verschlüsselt bei HomeResQ anfragen, ob zu den Einsatz-Koordinaten Gebäudedaten hinterlegt sind. 

Gibt es keine Daten, läuft der Einsatzablauf wie gewohnt weiter. Sind Daten vorhanden, werden sie verschlüsselt an die zuständige Wehr ausgespielt, typischerweise auf ein Tablet oder ein anderes dienstliches, internetfähiges Gerät. Damit soll die Mannschaft idealerweise schon vor dem Ausrücken, ein deutlich besseres Lagebild bekommen. Der Mehrwert zeigt sich in der Art der Informationen, die bereitgestellt werden können. Hinterlegt werden können Grundrisse und Raumaufteilungen, Angaben zu Zugängen und Rettungswegen – inklusive Details, die im Einsatz entscheidend sind, aber im Stress Zeit kosten. Auch Gefahrenquellen und relevante Infrastruktur lassen sich erfassen: von der Photovoltaik-Anlage über Wasserspeicher bis zu besonderen Risikoquellen im Gebäude. Hinzu kommen Bewohnerinformationen, die den Einsatzkräften helfen können. Wie viele Personen leben dort, gibt es ein Neugeborenes, eine bettlägerige Person oder andere Menschen, die sich nicht selbst retten können? Gibt es Haustiere? All das sind Hinweise, die im klassischen Ablauf oft erst vor Ort zusammengetragen werden können.

HomeResQ will eine erste Vororientierung liefern, was auch die Belastung für Einsatzkräfte reduziert, weil Unsicherheit und Suchzeiten im Objekt sinken. Alle Daten sind geschützt und für niemand, außer für die jeweiligen Einsatzkräfte einsehbar und das auch nur im konkreten Alarmfall. Die Abfragen laufen verschlüsselt, und die Leitstelle beziehungsweise der offizielle Einsatz gilt als Autorisierung: Erst wenn ein echter Einsatz vorliegt, werden die Informationen freigeschaltet. HomeResQ-Nutzer laden ihre Angaben selbst hoch und bestätigen damit, dass diese im Notfall genutzt werden dürfen. Die Zielgruppen reichen vom Privathaushalt über Mehrfamilienhäuser bis zu Kommunen und öffentlichen Gebäuden; ein besonderer Fokus liegt auf Firmen und sozialen Einrichtungen, also dort, wo Menschen sind, die sich im Notfall nur eingeschränkt äußern oder bewegen können. Parallel zur Anwendung im realen Einsatz kann HomeResQ auch in der Ausbildung ihren Einsatz finden.

Technisch wird die Lösung immer weiterentwickelt. Neu ist ein „Grundriss-Creator“, der das Erstellen von Gebäudeplänen vereinfacht: Ähnlich wie bei einem Baukasten können Räume per Mausklick zusammengestellt, Personen, Haustiere und Gefahrenquellen platziert und Informationen schnell aktualisiert werden. Hinter dem Projekt steht ein junges Team um Vincent Hock aus Flensburg und seinen Geschäftspartner Leonard Mergel aus Elmshorn, verstärkt wird das Team seit Kurzem durch den Entwickler James Wagner aus München. Gemeinsam arbeiten sie daran, die Hürde für das Anlegen und Pflegen der Daten so gering wie möglich zu halten – mit dem Ziel, dass Einsatzkräfte im Ernstfall nicht im Blindflug ins Gebäude müssen, sondern mit entscheidenden Informationen im Rücken ankommen. 

Julia Voigt

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