Ein medizinischer Notfall während einer Tanzveranstaltung direkt gegenüber der Feuerwache in Ellerhoop vor mehr als sieben Jahren entpuppte sich als Schlüsselmoment. „Ein Mann rannte von dort zu uns herüber und rief: Was sitzt ihr hier rum, ich hab euch doch alarmiert!“, erinnert sich Gruppenführer Eric Krützfeldt. Was der Mann offenbar nicht wusste: Zu medizinischen Notfällen rücken nicht Feuerwehrleute aus, sondern Notfallsanitäter im Rettungswagen.
Trotzdem seien einige Mitglieder der Jugendabteilung, die sich an dem Abend in der Feuerwache aufhielten, mit dem Erste-Hilfe-Koffer hinübergelaufen und hätten geholfen. Danach kam bei den Kameraden der Gedanke auf: Warum helfen wir eigentlich nicht viel öfter in solchen Fällen?
Seit 2019 verfügt die Freiwillige Feuerwehr Ellerhoop als eine von insgesamt 19 Feuerwehren im Kreis Pinneberg über eine sogenannte First-Responder-Einheit – und es werden immer mehr. Jeweils weitere Einheiten gibt es beim DRK, der DLRG und beim THW. Dabei handelt es sich um Freiwillige, die über eine spezielle Ausbildung für medizinische Notfälle verfügen und parallel zum Rettungswagen alarmiert werden. Ihre Aufgabe ist es, die Zeit bis zum Eintreffen der Notfallsanitäter zu überbrücken.
Hintergrund ist, dass die örtliche Feuerwehr häufig schneller am Einsatzort sein kann als Rettungswagen, die von weiter entfernt liegenden Rettungswachen anrücken. Im Kreis Pinneberg gibt es laut Christian Mandel, Pressesprecher der primär zuständigen Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKISH), sieben Festlandwachen sowie eine auf Helgoland. Sie verfügen über drei Notarzteinsatzfahrzeuge, 15 Rettungswagen und acht Krankentransportwagen.
Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Alarmierung und Eintreffen der Helfer am Einsatzort habe im Jahr 2025 bei 9 Minuten und 34 Sekunden gelegen, sagt Mandel. „Darunter fallen alle Notfalleinsätze vom gebrochenen Fuß bis zum Herzstillstand.“ Bei den speziell erfassten Reanimationseinsätzen sei die Eintreffzeit mit 7 Minuten und 18 Sekunden deutlich schneller gewesen.
Noch schneller sind in der Regel die Feuerwehren da, deren Mitglieder meist nur einige Straßen von einem Einsatz entfernt wohnen. Das gab auch bei der Feuerwehr Seeth-Ekholt den Anstoß, ebenfalls eine First-Responder-Einheit ins Leben zu rufen. 16 Kameraden seien gerade in die Ausbildung gegangen, sagt Wehrführer Karsten Sahlmann. Sie hätten sich freiwillig gemeldet, wobei einige von ihnen bereits hauptberuflich als Rettungssanitäter arbeiten, wie beispielsweise der stellvertretende Gruppenführer Christian Kowalewski.
Kein Ersatz für den Rettungsdienst
Er war es auch, der das Ganze initiierte und jetzt die Ausbildung leitet. Diese dreht sich rund um die Alarmierungsstichworte, bei denen eine First-Responder-Einheit überhaupt zum Einsatz kommt: Reanimation, Bewusstlosigkeit, Atemnot, Herzinfarkt, Schlaganfall und starke Blutung. „Die Leute lernen in der Ausbildung beispielsweise: Was passiert dann im Körper, was kann man dagegen tun?“, erklärt Kowalewski. Zentrales Utensil der ehrenamtlichen Helfer ist ein Notfallrucksack, der Sauerstoffeinheiten und einen automatisierten externen Defibrillator (AED) enthält. Diesen Rucksack werden sie erhalten, sobald die Ausbildung abgeschlossen ist.
Ein professionelles Miteinander
Und wie genau erfolgt die Abgrenzung der ehrenamtlichen First Responder zu den hauptberuflich tätigen Rettungssanitätern? Besteht nicht die Gefahr, dass den Ehrenamtlichen schleichend mehr Aufgaben übertragen werden? Und was ist, wenn die Feuerwehren am Ende häufiger mit medizinischen Notfällen zu tun haben als mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Löschen und Bergen bei Bränden und Unfällen? Ellerhoops Feuerwehrmann Eric Krützfeldt kann diese Bedenken nachvollziehen, sieht sie aber nicht als berechtigt an.

„Wir ersetzen keinen Rettungswagen, sondern überbrücken nur die Zeit, bis er kommt.“ Die Alarmierung erfolge immer parallel. Außerdem seien die Aufgaben der First Responder klar auf die speziellen Alarmierungsstichworte begrenzt. „Bei einem Beinbruch würden wir gar nicht gerufen werden“, sagt er. Was sie ebenfalls nicht machen dürfen: Spritzen geben, Blut abnehmen oder Medikamente verabreichen.
Die Zahl der First-Responder-Einsätze in Ellerhoop hat bisher rund ein Drittel der Gesamteinsatzzahlen ausgemacht, meist lag die Zahl laut Krützfeldt darunter: Im Jahr 2021 waren es 3 von 11 Einsätzen, 2022 7 von 39 Einsätzen, 2023 5 von 24 Einsätzen, 2024 11 von 31 Einsätzen und 2025 6 von 26 Einsätzen. Bei den Freiwilligen, das betont er ebenfalls, handele es sich ausschließlich um Feuerwehrleute, die Interesse an medizinischen Einsätzen haben.
Heißt übersetzt: Wenn sich niemand meldet, gibt es im Ort auch keine First-Responder-Einheit. Eine Verpflichtung besteht nicht.
Aus Sicht der Rettungsdienste ist die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren eine Erfolgsgeschichte. „Es ist ein sehr professionelles und wertschätzendes Miteinander, das von gegenseitiger Unterstützung und Hilfestellung geprägt ist“, sagt RKiSH-Sprecher Mandel.
Christiane Tauer