Wer in die Jugendfeuerwehr Tornesch möchte, sollte sich am besten direkt nach der Geburt anmelden. Ganz ernst gemeint ist dieser Rat von Ausbilder und Betreuer Malte Nissen zwar nicht. Ganz falsch aber auch nicht. Denn tatsächlich warten derzeit rund 80 Kinder und Jugendliche auf einen Platz bei der Jugendfeuerwehr Tornesch. Ein Problem, von dem viele Vereine nur träumen können.
Während die Jugendfeuerwehr Tornesch in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert und als Gastgeber das Pfingstzeltlager „Fireland 2026“ mit fast 1000 Teilnehmern ausrichtet, zeigt sich auch im Alltag, wie groß die Begeisterung für die Nachwuchsarbeit inzwischen ist. 30 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren gehören aktuell zur Jugendfeuerwehr. Acht Ausbilderinnen und Ausbilder begleiten sie auf ihrem Weg. Und der beginnt längst nicht nur mit Schläuchen, Feuerwehrfahrzeugen und Blaulicht.
„Viele denken zuerst an Feuerwehrtechnik“, sagt Malte Nissen. „Dabei machen feuerwehrtechnische Inhalte vielleicht 30 Prozent aus. Der viel größere Teil besteht aus Gemeinschaft, Verantwortung, Teamarbeit und Persönlichkeitsentwicklung.“

Zusammenhalt und Gemeinschaft
Wie wichtig genau das für die Jugendlichen ist, zeigen die Gespräche vor Ort. Für den 14-jährigen Tim-Ole Oetjen, der seit vier Jahren dabei ist, steht vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt. „Man hält zusammen und hat immer jemanden, mit dem man etwas machen kann“, sagt er. Während viele Jugendliche später in die aktive Feuerwehr wechseln möchten, hat TimOle sogar ein noch konkreteres Ziel: Er möchte Berufsfeuerwehrmann werden. Menschen in Not helfen, Verantwortung übernehmen und im Einsatz für andere da sein – das reizt ihn schon heute.
Auch der 13-jährige Bjarne Pummer nennt sofort den Zusammenhalt als wichtigsten Grund für seine Mitgliedschaft. Sein Vater ist ebenfalls bei der Feuerwehr aktiv. „Es macht einfach Spaß, mit der Gruppe zusammen zu sein“, sagt er. Besonders schön findet er, dass man bei Veranstaltungen wie dem Pfingstzeltlager immer wieder Jugendliche aus anderen Feuerwehren kennenlernt. Viele Freundschaften reichen inzwischen weit über die eigenen Ortsgrenzen hinaus. Ähnlich sieht es Fritz Lübbe. Der 13-Jährige gehört seit drei Jahren zur Jugendfeuerwehr und schätzt besonders die Mischung aus Lernen und Gemeinschaft. „Man lernt ständig etwas Neues und macht das zusammen mit anderen“, sagt er.



Für Imke Pingel geht die Zeit in der Jugendfeuerwehr dagegen langsam zu Ende. Die 17-Jährige ist seit acht Jahren dabei und wird im kommenden Jahr in die aktive Wehr wechseln. „Man lernt hier unglaublich viel fürs Leben“, sagt sie. Neben Feuerwehrwissen seien es vor allem die vielen Begegnungen, die sie geprägt hätten. „Man lernt ständig neue Menschen kennen und wächst als Gruppe zusammen.“ Genau dieses Miteinander zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gespräche. Ob groß oder klein, sportlich oder unsportlich, laut oder leise – in der Jugendfeuerwehr spiele das kaum eine Rolle. Wichtig sei vielmehr, füreinander einzustehen und gemeinsam etwas zu erleben. Vielleicht erklärt genau das auch die lange Warteliste. Denn wer mit den Jugendlichen spricht, hört erstaunlich selten etwas über Pokale oder Platzierungen. Viel häufiger fallen Worte wie Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen und Spaß. Oder wie es Tim-Ole ganz einfach formuliert: „Hier gehört jeder dazu.“
Natascha Thölen