Wenn Florian Jungclaus (kleines Foto) an das Pfingstwochenende denkt, fallen ihm nicht zuerst die Wettbewerbe ein. Nicht die Pokale. Nicht die Siegerehrungen. Sondern 24.000 Scheiben Aufschnitt. „Und die mussten ja alle irgendwie aufs Brot“, sagt der Gemeindewehrführer und lacht. Dazu kamen täglich rund 2000 Brötchen, 1500 Joghurts, vier Kilometer Stromleitungen, 500 Meter Wasserleitungen und fast 1000 Menschen, die versorgt werden wollten. Was rund um die Klaus-Groth-Schule in Tornesch entstand, war weit mehr als ein gewöhnliches Zeltlager. Für vier Tage entstand eine kleine Stadt auf Zeit.

Mit rund 860 Jugendlichen, 140 Betreuern sowie mehr als 100 Helfern wurde das Pfingstzeltlager „Fireland 2026“ zu einem der größten Feuerwehr-Nachwuchstreffen Norddeutschlands. Gleichzeitig feierte die Jugendfeuerwehr Tornesch ihr 25-jähriges Bestehen und durfte das Großereignis nach 2011 bereits zum zweiten Mal ausrichten.
„Viele sehen die Wettbewerbe und die Spiele“, sagt Jungclaus. „Aber dahinter steckt eine riesige logistische Leistung.“ 18 Monate lang wurde geplant. Zwölf Organisationsteams kümmerten sich um alles, was nötig war, damit das Lager überhaupt funktionieren konnte. Familienangehörige, Freunde und Feuerwehrkameraden halfen mit. Wer an diesem Wochenende in Tornesch zwei freie Hände hatte, schien irgendwo mit anzupacken.
Besonders sichtbar wurde das bei der Verpflegung. Während morgens Tausende Brötchen geschmiert wurden, sorgten Helferteams zusätzlich für Obst, Gemüse und Getränke. Ein Caterer übernahm die warmen Mahlzeiten. Allein die Vorstellung, dass rund 1000 Menschen gleichzeitig essen möchten, lässt erahnen, welche Organisation dahintersteckt. Und trotzdem wirkte das Lager erstaunlich entspannt.
Während auf den Wettbewerbsflächen Geschicklichkeit, Teamarbeit und Feuerwehrwissen gefragt waren, herrschte auf dem restlichen Gelände eine Atmosphäre wie auf einem großen Festival. Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern begegneten sich, lernten sich kennen, knüpften neue Freundschaften und verbrachten gemeinsam vier Tage fern vom Alltag.
Das Wetter spielte den Organisatoren dabei in die Karten. Nachdem das Pfingstlager im vergangenen Jahr teilweise im Regen versunken war, herrschten diesmal beinahe hochsommerliche Temperaturen. Schnell entwickelte sich eine eigens aufgebaute Wasserwand zum beliebtesten Treffpunkt des Geländes. Wer noch trocken war, blieb es meist nicht lange. Manche liefen freiwillig hindurch, andere wurden von ihren Kameraden unter lautem Gelächter durch die Wasserfontänen getragen.


Doch bei aller Action beeindruckte Jungclaus vor allem etwas anderes. „Hier sitzen fast 1000 Menschen zusammen – und es funktioniert.“ Genau das sei der eigentliche Wert solcher Veranstaltungen. Jugendliche unterschiedlichster Herkunft verbringen mehrere Tage gemeinsam, übernehmen Verantwortung, helfen einander und erleben Gemeinschaft. Werte, die später auch im Einsatzdienst zählen. Natürlich wurden am Ende Pokale vergeben, Sieger geehrt und Wettbewerbe entschieden. Doch die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, neue Freundschaften und vier außergewöhnliche Tage dürften für viele wichtiger sein als jede Platzierung.
„Jeder, der hier sitzt, ist die Feuerwehr von morgen“, sagt Jungclaus. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Hunderte Ehrenamtliche monatelang planen, organisieren und ein ganzes Wochenende durcharbeiten. Damit aus Jugendlichen Kameradinnen und Kameraden werden. Und aus einem Pfingstwochenende Erinnerungen, die oft ein Leben lang bleiben.
Die Sieger vom Pfingstzeltlager „Fireland 2026“
Young Firefighter's Cup
1. Borstel-Hohenraden 2
2. Seestermühe
3. Prisdorf 2
Next Generation Cup
1. Borstel-Hohenraden 2
2. Rellingen
3. Wedel
Brainhammer Cup (Nachtmarsch)
1. Klein Nordende
2. Heidgraben
3. Rantzau-West 1
Zeltbewertung Festival-Charakter
1. Wedel
2. Hasloh
3. Rantzau
Grisu-Pokal (jüngste Gruppe)
Jugendfeuerwehr Ellerbek
Dieter-Rossmann-Fairness-Pokal
Jugendfeuerwehr RantzauWest
Natascha Thölen