Du schaffst das. Auch wenn Gegenwind weht, lass dich nicht verunsichern. Nimm nicht jeden dummen Spruch persönlich und gib den Männern die Chance, sich an die neue Situation zu gewöhnen.“ Wenn Gerlinde Langeloh heute auf die junge Frau zurückblickt, die vor vielen Jahren ihre ersten Schritte in der Feuerwehr machte, dann sind das die Worte, die sie ihr mitgeben würde. Worte, die viel über ihren eigenen Weg erzählen und über die Entwicklung von Frauen in der Feuerwehr.

Dabei hatte alles eher unspektakulär begonnen. Während ihr Mann Jürgen regelmäßig zu Diensten und Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Ellerbek ging, kümmerte sich Gerlinde Langeloh meist um die drei Kinder. Ganz los ließ sie das Thema jedoch nie. Feuerwehr faszinierte sie schon damals. Ihr Urgroßvater war einst Wehrführer in Appen, und auch sie unterstützte die Feuerwehr bereits bei Veranstaltungen und Feierlichkeiten.
Die entscheidende Gelegenheit kam 2001. In Ellerbek wurde über die Gründung einer Jugendfeuerwehr nachgedacht, und dafür wurde weibliche Unterstützung gesucht. „Wenn du das wirklich willst, ist jetzt deine Chance“, sagte ihr Mann damals nach einer Vorstandssitzung. Gerlinde Langeloh nutzte sie.
Vom Eierlikör-Spruch zur Vorreiterrolle
Was folgte, war eine Entwicklung, mit der sie selbst nicht gerechnet hatte. 2005 wurde sie die erste Jugendfeuerwehrwartin im Kreis Pinneberg. „War mir damals bewusst, dass ich damit eine Vorreiterrolle übernehme? „Nein“, sagt sie heute. Sie habe sich vor allem über das Vertrauen ihrer Kameraden gefreut.
Einfach war der Weg nicht immer. Gerade in den Anfangsjahren waren Frauen in den Feuerwehren noch deutlich seltener als heute. „Da wurde schon genauer geschaut: Was macht sie nun? Ist diese Entscheidung richtig? Kann eine Frau das überhaupt?“, erinnert sich Gerlinde Langeloh. Und auch an einen Satz, der ihr bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Brauchen wir nun Eierlikör?“, fragte damals ein Kamerad nach ihrem Eintritt.
Frauen als Bereicherung für die Gemeinschaft
Vieles hat sich seitdem verändert. Frauen gehören heute selbstverständlich zum Bild der Feuerwehren. Landesweit liegt ihr Anteil inzwischen bei rund 11 Prozent in den Einsatzabteilungen. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Nachwuchs: In den Jugendfeuerwehren liegt der Mädchenanteil seit Jahren bei deutlich über 30 Prozent.
Gerlinde Langeloh sieht in dieser Entwicklung eine Bereicherung für die Feuerwehren. Frauen und Mädchen brächten oft andere Perspektiven mit. Sie seien häufig kommunikativer, verständnisvoller und könnten sich gut in andere Menschen hineinversetzen. Gerade in einer Gemeinschaft, die vom Miteinander lebt, seien das wichtige Stärken.
Mit Bollerwagen und offenem Ohr
Der steigende Mädchenanteil ist für Gerlinde Langeloh daher kein Zufall. Seit 2017 vertritt sie als Kreisjugendfeuerwehrwartin die 37 Jugendfeuerwehren und eine Kinderfeuerwehr im Kreis Pinneberg. Dabei stehen für sie nicht Ämter oder Dienstgrade im Mittelpunkt, sondern die Heranwachsenden.
„Kinder und Jugendliche sind die Zukunft. Deshalb sollten wir alles uns Mögliche tun, damit es ihnen gut geht“, sagt sie. Wer sie bei einem Zeltlager erlebt, versteht schnell, was sie meint. Jahrelang fuhr sie mit einem Klapprad und Bonbons über die Lagerplätze, inzwischen zieht sie einen Bollerwagen hinter sich her. Wichtig ist ihr vor allem eines: ansprechbar zu sein. Für die Jugendlichen, die Betreuer, die Feuerwehren und alle, die Unterstützung brauchen. Besonders begeistert sie die Offenheit der jungen Menschen. „Die Freude und das Strahlen in den Augen im Dienst oder auf den Ausfahrten ist das Größte“, betont Gerlinde Langeloh. Und welchen Rat gibt sie heute Mädchen, die überlegen, zur Feuerwehr zu gehen? „Geh deinen Weg. Feuerwehr ist die schönste Freizeitbeschäftigung und unglaublich vielseitig. Du findest hier Kameradschaft und eine großartige Gemeinschaft.“
Diesen Weg ist Gerlinde Langeloh selbst gegangen. Als eine der ersten Frauen in führender Funktion der Feuerwehr-Nachwuchsarbeit im Kreis Pinneberg hat sie viele Entwicklungen miterlebt und mitgestaltet – und ermutigt die nächste Generation, ihren Platz in der Feuerwehr zu finden.
Natascha Thölen