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Erinnerung an die Sturmflut 1976 in der Haseldorfer Marsch: “Ich höre es noch heute rauschen“

Der Neue Weg und die Hauptstraße in Haseldorf standen unter Wasser. Das Elternhaus von Peter Schmahl blieb unbeschadet. Foto: Peter Schmahl

50 Jahre nach Orkan „Capella“: Zeitzeugenberichte aus der Katastrophennacht, überflutete Deiche in Wedel und der Haseldorfer Marsch sowie persönliche Erfahrungen von Feuerwehrmann Peter Schmahl

In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 1976 erreicht Orkan „Capella“ die Deutsche Bucht. Mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde drückt er das Wasser in die Elbe. In der Haseldorfer Marsch und in Wedel bricht der Deich an mehreren Stellen. Wir erinnern in einer Serie an die Katastrophe. Heute: Feuerwehrmann Peter Schmahl über die Nacht.

Normalerweise rollen bei einem Deichbruch sofort THW und Feuerwehren an. Doch 1976 war alles anders. „Wir wurden von der Sturmflut überrascht. Damit haben wir gar nicht gerechnet“, sagt Peter Schmahl (83), damals in der Freiwilligen Feuerwehr. Auch seine Frau Birgit (79) ahnte vormittags noch nichts: „Ich war mit dem Lütten noch am Deich, und wir haben uns das Hochwasser angeschaut.“ Erst als ihre Eltern aus Elmshorn den Enkel sicherheitshalber abholten, wurde die Gefahr klar.

Gegen 13 Uhr sperrte die Polizei die Zufahrt zur Marsch. THW und Kreiskräfte füllten Sandsäcke. „Wir haben davon erst gar nichts mitbekommen“, so Peter Schmahl, der noch gelassen mit einem Nachbarn am Deich stand. Doch die Wellen schlugen plötzlich über die Krone. „Lass uns mal zu Hause nachschauen“, sagte der Nachbar.

Birgit Schmahl brachte bereits Wäsche aus dem Keller des 1973 gebauten Hauses nach oben. Ihr Mann versuchte zu retten, was ging. Dann kam das Wasser. „Ich höre es noch heute rauschen. Wir sind komplett vollgelaufen.“

Am Morgen wurde das Ausmaß deutlich: „Überall war Wasser“, erinnert sich Schmahl. Seine Eltern mussten per Boot aus ihrem Haus gerettet werden. Dieses alte Gebäude überstand die Flut jedoch trocken. „Das Haus lag wie viele alte Häuser höher. Da war nichts.“

Für die Feuerwehr gab es kaum Einsätze. „Es wäre auch niemand gekommen, weil alle selbst genug mit sich zu tun hatten. Es herrschte einfach Chaos“, so Schmahl. Heizung und Strom fielen aus. Weil seine Frau schwanger war, ließ sich das Paar ausfliegen. Doch Peter Schmahl kehrte heimlich per Trecker um.

Im trockenen Elternhaus schlug er mit Freunden ein Lager auf, kochte auf dem Ofen und half per Zuruf in der Marsch. „Unser Keller stand neun Tage bis zehn Zentimeter unter der Decke unter Wasser“, erzählt er. Der Gefrierschrank war defekt, die Einrichtung durchnässt. Heute leben die Schmahls im alten Elternhaus. Peter Schmahl ist sich sicher: „So was kann sich jederzeit wiederholen. Seit der Flut wissen wir, warum alle alten Häuser höher gebaut wurden.“ baf


Peter Schmahl im Garten seines Elternhauses, das direkt am heutigen Innendeich steht. 1976 blieb es quasi komplett. von der Flut verschont. Foto: Bastian Fröhlig
Peter Schmahl im Garten seines Elternhauses, das direkt am heutigen Innendeich steht. 1976 blieb es quasi komplett. von der Flut verschont. Foto: Bastian Fröhlig

In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 1976 erreicht ein verheerendes Sturmtief die Deutsche Bucht. 

Orkan „Capella“ peitscht mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde über Hamburg und Schleswig-Holstein hinweg, drückt das Wasser mit großer Geschwindigkeit von der Nordsee in die Elbe. 

In der Haseldorfer Marsch und in Wedel bricht der Deich gleich an mehreren Stellen. Feuerwehrmann Peter Schmahl erinnert sich an die Katastrophennacht.

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