Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen in Schleswig-Holstein vor große Herausforderungen. Um junge Talente gezielt anzusprechen und für eine Ausbildung zu gewinnen, ist die aktive Beteiligung an der Beruflichen Orientierung (BO) entscheidend. Ein zentrales Instrument ist dabei die Woche der Beruflichen Bildung Schleswig-Holstein, die 2025 vom 17. bis 23. November stattfindet.


Die Berufliche Orientierung ist fest im Schulalltag aller weiterführenden Schulen verankert und begleitet Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre hinweg – fächerübergreifend und als verbindliche Querschnittsaufgabe. Ziel ist es, Jugendliche individuell zu fördern, ihre Stärken und Interessen zu entdecken und sie gezielt auf den Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf vorzubereiten. Das Landeskonzept Berufliche Orientierung bietet dafür einen klaren Rahmen, der die enge Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen vorsieht.
Konkret setzen allgemeinbildende Schulen die BO mit stärkenorientierten Angeboten, Berufsfelderprobungen, Praktika, Messen, Bewerbungstrainings und Projekten zur Förderung von Schlüsselkompetenzen um. Berufsbildende Schulen führen die BO fort, bieten Einblicke in verschiedene Berufsfelder und unterstützen gezielt beim Übergang in Ausbildung oder weiterführende Bildungsgänge. Förderzentren legen besonderen Wert auf individuelle Begleitung und Coaching, um auch Jugendlichen mit Förderbedarf den Einstieg ins Berufsleben auch auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Die Woche der Beruflichen Bildung ist ein Höhepunkt im BO-Prozess. In dieser Aktionswoche öffnen Schulen, Betriebe, Kammern und weitere Partner im ganzen Land ihre Türen und präsentieren die Vielfalt der Beruflichen Bildung. Unternehmen können mit praxisnahen Veranstaltungen von Workshops über Betriebsbesichtigungen bis zu Azubi-Speed-Datings - gezielt auf sich aufmerksam machen und direkt mit potenziellen Auszubildenden ins Gespräch kommen.
Die Teilnahme gilt für Schülerinnen und Schüler als schulische Veranstaltung und ermöglicht eine hohe Beteiligung aller Schularten
Die Organisation erfolgt in enger Kooperation zwischen Schulen, Betrieben, Kammern, Berufsverbänden und weiteren Partnern. Veranstaltungen werden zentral über den Veranstaltungskalender des Schleswig-Holsteinischen Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB) veröffentlicht, sodass sich Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte gezielt informieren und anmelden können.
Betriebserkundungen während der Woche der Beruflichen Bildung bieten zahlreiche Vorteile: Jugendliche erhalten praxisnahe Einblicke in den Arbeitsalltag, können Tätigkeiten ausprobieren und treffen direkt auf Auszubildende und Fachkräfte. Das erleichtert die Berufswahl, motiviert und sorgt für fundierte Entscheidungen. Unternehmen profitieren von Imagegewinn, direktem Kontakt zu potenziellen Nachwuchskräften und können Ausbildungsabbrüchen durch authentische Einblicke vorbeugen.
Eltern sind zentrale Begleiter bei der Berufswahl ihrer Kinder. Unternehmen sollten gezielt Formate für Eltern anbieten - etwa Informationsabende, gemeinsame Betriebserkundungen und Gesprächsrunden mit Ausbilderinnen, Ausbildern und Azubis. So werden Unsicherheiten abgebaut und Eltern als Multiplikatoren für die duale Ausbildung gewonnen.
Machen Sie Ihr Angebot sichtbar: Tragen Sie Ihre Veranstaltung kostenlos im offiziellen SHIBB-Kalender ein und erreichen Sie gezielt die Talente, die morgen über den Erfolg Ihres Unternehmens entscheiden.
Fazit
Berufliche Orientierung und die Woche der Beruflichen Bildung sind der Schlüssel zur Fachkräftesicherung in Schleswig-Holstein. Nutzen Sie die Chance, Ihre Angebote sichtbar zu machen, und gestalten Sie die Jobwelt der Zukunft aktiv mit - für Ihr Unternehmen, Ihre Region und die Zukunft des echten Nordens.
Infos und Kontakte
schleswig-holstein.de - Woche der beruflichen Bildung WBBSH Kalender 2025: kalender.shibb.de
Für einen zukunftsfähigen Arbeitsmarkt
Die Artikel sind in Zusammenarbeit mit der Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) entstanden. Seit 2012 vereint diese Vertreter/innen von Kammern, Verbänden, Gewerkschaften, Hochschulen und Ministerien des Landes, um gemeinsam zukunftsfähige Lösungen für den Arbeitsmarkt zu entwickeln und den Standort Schleswig-Holstein nachhaltig zu stärken. Mehr Infos unter www.schleswig-holstein.de/fachkraefte .
Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten
Warum Bewerber und Betriebe nicht zusammenfinden
Fachkräfte werden in Deutschland händeringend gesucht. Manchmal tun sich Jugendliche aber trotzdem schwer, eine passende Ausbildungsstelle zu finden, obwohl es genügend Angebote geben sollte. Wie kann das sein?
Dass interessierte Jugendliche trotz offener Stellen unversorgt bleiben, hat verschiedene Gründe. Wie Prof. Hubert Ertl, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt, müssten auch die Ausbildungsbetriebe davon überzeugt werden, sich auf ein Ausbildungsverhältnis einzulassen.
„Das zeigt, dass der Zugang zu Betrieben eine Hürde sein kann“, so Ertl. Etwa, weil Voraussetzungen in Sachen schulischer Bildung oder bei den Sprachkenntnissen fehlen - gerade bei zugewanderten Jugendlichen. Zum Teil suchen Betriebe auch explizit nach Azubis mit hervorragenden schulischen Leistungen, die eben nicht jeder und jede mitbringt.
Jugendliche kennen nicht alle Möglichkeiten
Daneben trägt Prof. Ertl zufolge auch die Unwissenheit bei Jugendlichen in Bezug auf das Ausbildungsangebot zum Problem bei. Viele wissen gar nicht, welche verschiedenen Möglichkeiten ihnen offenstehen. „Das führt dazu, dass es in Bereichen, die attraktiv erscheinen oder die gerade stark in der Wahrnehmung sind, viele Bewerbungen gibt.“
Die Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich eine Absage zu erhalten, ist aber wesentlich höher.
dpa-mag
Leserbrief
Teurer als eine Autobahn
Zu: „Fördepromenade ist ein Radweg“ (Ausgabe vom 19. Juni)
Julian Heldt beschreibt in nüchternen Worten, welch unglaubliche Dinge gelegentlich aus unserem Rathaus an die Öffentlichkeit dringen. Jemand, der sich auf die Einwerbung von Finanzierungszuschüssen versteht (wer mag dies wohl sein?), hatte es offenbar geschafft, fast 40 Millionen Euro Fördermittel vom Land für die Stadt Flensburg einzuwerben. Es ist kaum zu erwarten, dass unsere Flaniermeile der Landesregierung so wichtig erschienen ist, dass sie den (notwendigen) Zuschuss für die Kampfmittelräumung in Höhe von 6,5 Millionen Euro um 32,7 Millionen Euro für ein Stück Promenade großzügig erhöhte. Offenbar war Flensburg dran, oder wir haben als erste„Hier“ geschrien. Kaum vorstellbar ist es allerdings, dass die Stadt ein glaubwürdiges Angebot für die Kosten einer Neugestaltung dieser Promenade vorgelegt hat. Es wirkt eher wie eine Schätzung, bedeutet es doch für Mitrechnende, dass ein Meter Promenade sage und schreibe 56.380 Euro gekostet haben soll.
Zum Vergleich: In der Verkehrsrundschau vom 11. September 2024 schreiben Fachleute, dass es zu diesem Zeitpunkt aktuell für 1000 Meter Autobahn zwischen 6 und 20 Millionen Euro veranschlagt werden. Das schließe die Kosten für Planung, Genehmigung etc. ein. Ein Meter Autobahn würde demnach mit max. 20.000 Euro veranschlagt. Ins Verhältnis gesetzt, hätte der großzügige Zuschuss in Höhe von 32,7 Millionen Euro also gereicht, um etwa 2000 Meter Autobahn zu fertigen. Unsere Flaniermeile ist nur 560 Meter lang.
Völlige Verwirrung hat der Zuschuss dann wohl bei den zuständigen Fachleuten für die Bauplanung und die Bauausführung gestiftet. Die hatten offenbar weder den Finanzierungsantrag, noch den Zuwendungsbescheid lesen dürfen, denn da ging es um einen Rad- und Fußweg. Sicher wäre Geld genug da gewesen, um diese beiden sauber, vielleicht sogar farblich voneinander zu trennen. Ungeregelt wird es also wohl so werden, wie es am Ostufer ist. Hier kommt es ständig zu gefährlichen Situationen. Die Auskunft von Teschendorf: „Wir Herrn schauen uns die Situation jetzt an“, ist meines Erachtens nur ein Indiz dafür, dass man, wie immer, keinen Kollegen im Rathaus für eventuelle Fehlplanungen verantwortlich machen möchte. Schilda lässt grüßen!
Kurt-Günter Jörgensen,
Flensburg
Hier haben unsere Leser das Wort. Zuschriften sind unter Angabe von Namen und Adresse auch per E-Mail an redaktion.flensburg@shz.de möglich. Bitte geben Sie die Seite und den Artikel an, auf den Sie sich beziehen. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.