Im Idealfall kommt man schon zu uns, bevor eine Pflegebedürftigkeit eintritt“, so Bianca Trebbin. Sie leitet den Pflegestützpunkt Kreis Pinneberg schon seit vielen Jahren und kennt Antworten auf die Fragen, die ältere und erkrankte Menschen haben. Denn wer Pflege benötigt, steht erst einmal vor einigen Herausforderungen. Pflegeversicherung, Anträge, Hilfsangeboten und Zuständigkeiten - das Team des Pflegestützpunkts versucht alle Fäden zusammenzubringen. "Wir sind dabei eine unabhängige, neutrale und kostenfreie Beratungsstelle", erklärt die Leiterin. Themen wie Demenz, Wohnen und Vorsorge gehören zum Alltag des Beraterteams. Oft sind es auch die Angehörigen, die sich für einen Termin anmelden.
Pflegestützpunkte sind bundesweit gesetzlich verankert, seit 2009 im Sozialrecht festgeschrieben und in Schleswig-Holstein seit 2015 dauerhaft finanziert. "Wir sind kein Pflegedienst und keine Vermittlungsagentur, sondern eine Orientierungshilfe – ohne eigenes Interesse daran, ob jemand einen bestimmten Anbieter wählt oder in eine Einrichtung zieht." Im Kreis Pinneberg ist der Pflegestützpunkt an die Alzheimergesellschaft angebunden, wodurch ein besonderer Schwerpunkt in der Demenzberatung liegt, die Beratung selbst bleibt jedoch unabhängig.
Wie kann ich fit bleiben, welche Angebote gibt es in meiner Nähe, wo kann ich mich engagieren, welche Strukturen helfen mir, möglichst lange selbstständig zu bleiben? Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Wie läuft die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst ab? Was kann ich mit einem Pflegegrad überhaupt anfangen, welche Leistungen stehen mir zu - und wie setze ich sie sinnvoll ein? Bianca Trebbin versucht alle Fragen ganz individuell zu beantworten.
Auch bei Widersprüchen hilft das Team: Wenn Betroffene oder Angehörige beispielsweise mit der Einstufung nicht einverstanden sind, unterstützt der Pflegestützpunkt dabei zu prüfen, ob ein Widerspruch Aussicht auf Erfolg hat und wie man ihn begründet. Gleichzeitig wird im Beratungsgespräch häufig deutlich, dass nicht jede Einschränkung automatisch zu einem Pflegegrad führt. "Entscheidend ist, in welchen Bereichen der Selbstständigkeit tatsächlich Hilfe gebraucht wird - etwa bei Mobilität, Selbstversorgung, kognitiven Fähigkeiten oder dem Umgang mit GOOD ENERGY krankheitsbedingten Anforderungen“, so die Leiterin des Pflegestützpunkt Pinneberg.
Ein weiterer Schwerpunkt in der Beratung ist das Wohnen im Alter. Wie kann ich so lange wie möglich zu Hause bleiben? Welche Anpassungen sind möglich, wenn Treppen, enge Flure oder ein ungünstiges Bad zum Hindernis werden? In der Beratung geht es dann um Umbauten und technische Hilfen, um Wohnraumanpassung, Sicherheit und Entlastung im Alltag.
Wer einen Pflegegrad hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse für sogenannte Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen nutzen - etwa für einen Badumbau, eine Rampe oder einen Treppenlift, also für alles, was Pflege und Selbstständigkeit zu Hause erleichtert. Ergänzend werden Möglichkeiten wie Hausnotrufsysteme besprochen, die Angehörigen und Betroffenen Sicherheit geben können - vom klassischen Notknopf bis zu technischen Weiterentwicklungen wie Sturzerkennung oder mobilen Lösungen für unterwegs. Auch digitale Unterstützung wird immer aktueller, denn Erinnerungshilfen für Medikamente, Sprachassistenten, Apps und smarte Systeme können im Alltag entlasten.
Viele Ratsuchende interessieren sich zudem für alternative Wohnformen, die zwischen dem eigenen Zuhause und dem Pflegeheim liegen. Was oft noch als „betreutes Wohnen“ bezeichnet wird, ist für Bianca Trebbin "Wohnen mit Serviceangebot". Gemeint ist eine seniorengerechte Wohnung, möglichst barrierearm, in der man eigenständig lebt und bei Bedarf Leistungen dazubuchen kann - etwa Notruf, Essen oder Wäscheservice, später eventuell ergänzt durch einen Pflegedienst. Auch zeigt sich in Gesprächen immer wieder ein Stolperstein: die Finanzierung. Hinzu kommt: Viele Pflegeeinrichtungen und auch manche Anbieter führen keine Wartelisten mehr, weil die Nachfrage hoch ist und somit auch der Verwaltungsaufwand. Wer kurzfristig einen Platz benötigt, braucht oft vor allem eines: Glück - und viel Eigeninitiative.
Gerade deshalb ist die Beratung für Angehörige so wichtig, denn sie sind es meistens, die organisieren und Entscheidungen vorbereiten. So stellt das Team der Pflegestützpunkte unter anderem Informationen zur Verfügung, wie Übersichten über Anbieter, die mit den Kassen Verträge haben, und erklären, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Wer keinen Angehörigen in der Nähe hat, der kann Hilfe über Einrichtungen wie zum Beispiel die Betreuungsbehörde, den Betreuungsverein und über eine gesetzliche Betreuung bekommen.
Neben Pflege und Wohnen gehört auch Vorsorge zu den Themen, die in der Beratung immer wieder auftauchen: Wer entscheidet für mich, wenn ich es nicht mehr kann? Wann brauche ich eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung? "Auch hier geht es für uns oft erst einmal darum, einen Denkanstoß zu geben, das Gespräch in der Familie anzuregen und Informationsmaterialien zusammenzustellen."


Erreichbar ist der Pflegestützpunkt ganz unkompliziert per Telefon und E-Mail. Vieles lässt sich bereits im ersten Telefonat klären. Zusätzlich gibt es Außensprechstunden im Kreisgebiet, meist nach Terminvereinbarung, und in besonderen Fällen auch Hausbesuche, etwa wenn eine Demenzerkrankung im Haushalt die Organisation erschwert. Das Angebot steht allen gesetzlich Versicherten zur Verfügung.
Wer im Alter möglichst selbstbestimmt leben will, sollte nicht nur baulich und organisatorisch vorsorgen, sondern auch sozial. "Aktiv bleiben, Kontakte pflegen, sich ein Netzwerk aufbauen - das wird in Zukunft noch wichtiger werden, weil professionelle Unterstützung schon heute knapp ist", weiß Bianca Trebbin.
// Julia Voigt