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Vom Pferdefuhrwerk zu Hightech

Im vergangenen Jahr: Einer von mehr als 600 Einsätzen - hier im Kölln Flocken-Werk. Foto: Wolfgang Duveneck

150 Jahre Feuerwehr Elmshorn: Einst alarmierten Kirchenglocken die Retter

Einsatz und Teamgeist und das seit - 150 Jahre: Die Freiwillige Feuerwehr Elmshorn feiert in diesem Jahr ein stolzes Jubiläum. Im Vergleich zu den Urgesteinen der deutschen Feuerwehrgeschichte wirken die Retter aus dem Kreis Pinneberg allerdings fast noch jung. Immerhin schützt Berlin als älteste Berufsfeuerwehr in Deutschland bereits seit 1851 die Bürger, das sächsische Meißen gründete 1841 die erste Freiwillige Feuerwehr nach heutigem Vorbild, und im eigenen Bundesland hatte Heide schon 1847 die Nase vorn - 29 Jahre früher als Elmshorn, wo 1876 die Freiwillige Feuerwehr entstand. 

Gerade zwölf Jahre war es her, als die dänische Herrschaft über Schleswig-Holstein geendet hatte. Bis dahin durften, abgesehen von Kiel, keine Freiwilligen Feuerwehren gegründet werden. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Im Bereich des heutigen Kreises Pinneberg waren 1875 Barmstedt die ersten, 1876 gefolgt von Elmshorn, 1877 von Uetersen und Pinneberg und 1878 von Wedel.

Feuerwehr Die Gründungszeit der Freiwilligen Elmshorn war eng verbunden mit der industriellen Entwicklung der wachsenden Stadt, die wegen ihres Seehandels und Walfangs damals im 19. Jahrhundert auch als „Dat lütje Hamburg“ galt.

Mit der Ansiedlung von Fabriken wie zum Beispiel in der Leder- und Textilindustrie, aber auch durch die dichte Bauweise stieg das Brandrisiko seinerzeit massiv an. Schnell war die bisherige Pflichtfeuerwehr völlig überfordert. Schließlich waren die Mittel, die für Löscharbeiten zur Verfügung standen, im Vergleich zu heute äußerst bescheiden. Statt hochmoderner Löschfahrzeuge und Geräte standen den freiwilligen Helfern Pferdefuhrwerke und Handdruckspritzen zur Verfügung.

Begriffe wie Schutzausrüstung waren Fremdwörter. Sirenen oder Funkmelder gab es nicht und so wurde über Hornisten, Kirchenglocken oder durch lautes Rufen alarmiert. Das waren die Bedingungen, unter denen sich 1876 engagierte Elmshorner Bürger zusammenschlossen, um eine freiwillige Wehr aufzubauen - sechs Jahre, nachdem Elmshorn seine Stadtrechte erhalten hatte. Immerhin: 1907 wurde in Elmshorn die erste mit Induktionsstrom arbeitende Weckerlinie eingerichtet. Sie alarmierte die in der Nähe der Wache wohnenden und tätigen Kameraden, kein Vergleich zu den heutigen Alarmierungsverfahren in Digitaltechnik ganz zu schweigen von der übrigen modernen Ausstattung. 

Das erste provisorische Spritzenhaus befand sich seinerzeit im Innenstadtbereich nahe der St.-Nikolai-Kirche. Später wurde die Kinderzentrale Chenstraße der Elmshorner Knotenpunkt der Feuerwehr. Über Jahrzehnte befand sich dort das alte, markante Feuerwehrhaus mit einem hölzernen Schlauchturm, auf dem die nassen Hanfschläuche nach Einsätzen zum Trocknen aufgehängt wurden.

Brände, Tradition und der Sprung in die Moderne

Vor allem Stäube in lebensmittelverarbeitenden Betrieben spielten in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Elmshorn anfangs eine zentrale Rolle für das Brandrisiko. Als eine der schwersten zivilen Katastrophen aber gilt „Der große Brand von Elmshorn“, der schon 100 Jahre vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr am 24. April 1750. 47 Häuser und neun Scheunen zerstörte. Eines der größten industriellen Schadensfeuer brach 1939 in der Lederfabrik Knecht & Söhne. 

Mehrere Stockwerke wurden seinerzeit vernichtet. Zu den vielbeachteten historischen Erinnerungsstücken der Elmshorner Feuerwehr zählt ein Löschfahrzeug „LF 25“, das mit seiner Wasserförderleistung von 2500 Liter pro Minute nicht nur bei großen Bränden, sondern auch bei zahlreichen Sturmfluteinsätzen wertvoller Helfer war. Das mitten im Zweiten Weltkrieg gebaute Fahrzeug wurde 1972 außer Dienst gestellt. 

Inzwischen wird es, von engagierten Kameraden liebevoll gepflegt, bei Oldtimertreffen, Tagen der offenen Tür, beim Blaulichttag – und regelmäßig auch bei (Feuerwehr-)Hochzeiten präsentiert. 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Elmshorn: Heute gehören der Wehr mehr als 140 Frauen und Männer an.

Mit Britta Stender steht seit 2019 erstmals eine Frau an der Spitze der Wehr. Ihre beiden Stellvertreter sind Patrick Gravert und Michael Kanarski. Zum vierten Mal in Folge gab es für die Elmshorner Wehr im vergangenen Jahr mehr als 600 Alarmierungen. Wolfgang Duveneck

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