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Taja Maria Lund Setzke im Interview: „Vorbereitung ist das A und O“

Was will ich beruflich noch erreichen? Was könnte ich verändern? Wie setze ich mich gut für mich selbst ein? Diese und viele andere Fragen hört Taja Maria Lund Setzke jeden Tag, denn sie ist von Beruf Karriereberaterin und Jobcoach. Unsere Redakteurin Julia Voigt hat die Deutschdänin in ihrem Büro in Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg) besucht und nachgefragt.

Berufsorientierung und Karriereberatung in Schleswig-Holstein: Stärkenfindung, individuelle Bewerbungsstrategien, KI-Unterstützung, Bewerbungsgespräche und Gehaltsverhandlungen

Foto: Jörg Oestreich; Grafik: Trueffelpix/stock.adobe.com
Foto: Jörg Oestreich; Grafik: Trueffelpix/stock.adobe.com

Frau Setzke, Sie sind seit 2020 als Karriereberaterin und Jobcoach selbständig. Wie kam es denn zu dieser Berufswahl?

Ursprünglich bin ich aus Dänemark und habe in Flensburg betriebliche Bildung und Management studiert, mit einem Schwerpunkt auf interkultureller Kommunikation. Die Idee kam zu einem Zeitpunkt, als ich selbst arbeitslos wurde. Ich habe die Chance genutzt und mich gefragt, was ich wirklich machen möchte. 

Ein Coaching, das ich früher einmal hatte, hat mich damals ein ganzes Stück weitergebracht. Angefangen hat es dann mit einer Weiterbildung im Coaching-Bereich. So wie mir in der Situation geholfen wurde, will ich Menschen helfen. Dabei kommt mir auch meine Erfahrung, die ich in verschiedenen Unternehmen in Dänemark und Deutschland sammeln konnte, zugute.

Wer kommt denn zu Ihnen ins Coaching?

Die meisten sind schon im meiner Kunden Berufsleben, aber natürlich begleite ich auch Berufsanfänger. Ich habe zwei Standbeine: Zum einen bin ich zertifizierte Trägerin für die Agentur für Arbeit. Das heißt, hier läuft das Coaching über einen Gutschein (AVGS). Doch zu mir kommen auch Menschen mit Privatterminen, weil sie sich beruflich verändern möchten oder neu einsteigen wollen.

Unternehmen aus der Region

Welche Herausforderungen und Hürden begegnen Ihnen häufig bei Ihren Kunden, die sich beruflich neu orientieren?

Besonders häufig ist das Gefühl der Unzulänglichkeit, das viele meiner Kunden empfinden, besonders nach einem Jobverlust oder einer längeren Krankheitsphase. Sie fragen sich oft, wie sie den richtigen Job finden und sind frustriert, weil sie den Eindruck haben, nicht gut genug zu sein. Viele kommen mit veralteten Bewerbungsunterlagen, die oft nur Lebensläufe mit Positions- und Zeitangaben enthalten, aber wenig über ihre Stärken und Kompetenzen aussagen. Da setze ich an und helfe ihnen, authentische Unterlagen zu erstellen, die wirklich zeigen, was sie als Mitarbeiter interessant macht.

Seine eigenen Stärken herauszufinden, ist ja nicht so einfach. Wie können Sie dabei unterstützen?

Neben Online-Tests gibt es viele praktische Möglichkeiten. Ich nutze Handouts und Übungen, die meinen Kunden helfen, ihre Stärken, aber auch Schwächen zu benennen. Auch das Feedback von früheren Arbeitskollegen beispielsweise kann sehr wertvoll sein. Viele Menschen haben kein klares Bild ihrer eigenen Talente und viele neigen dazu, ihre Fähigkeiten herunterzuspielen. Persönlichkeitstests zeigen, in welchen Bereichen sie sich wohlfühlen und was zu ihnen passen könnte. Oft sind meine Kunden überrascht, was sie eigentlich alles können.

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Fehler in Bewerbungsanschreiben?

Ein häufiger Stolperstein ist, dass das Anschreiben nur den Lebenslauf in Worten wiederholt. Anstatt konkret zu beschreiben, welche Kompetenzen und Erfahrungen man mitbringt, bleibt es oft bei einer allgemeinen Nacherzählung. Ich empfehle meinen Kunden, in Bewerbungsschreiben aktiv zu formulieren und sich die Position bildlich vorzustellen. Sätze wie „Als zukünftige Projektmitarbeiterin übernehme ich dank meiner proaktiven und strukturierten Arbeitsweise die Planung...“ helfen, den potenziellen Arbeitgeber von der eigenen Eignung zu überzeugen.

Hilft Ihnen die Künstliche Intelligenz bei der Erstellung von Bewerbungen?

KI kann eine gute Vorlage liefern, wenn man bereits eine gute Basis hat. Allerdings sehe ich viele Bewerbungen, die nur von der KI erstellt wurden und die oft zu standardisiert wirken. Persönlichkeit und Individualität bleiben dabei oft auf der Strecke. Letztlich sollte immer eine individuelle Note in einem Bewerbungsschreiben zu finden sein, die auf die jeweilige Stelle ganz genau angepasst ist.

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche?

Ein Bewerbungsgespräch ist häufig eine echte Stresssituation, daher üben wir typische Fragen und deren Beantwortung im Rollenspiel. Viele Menschen sind bei einem Bewerbungsgespräch nervös und wissen nicht, wie sie auf Fragen wie „Erzählen Sie mal etwas über sich“ antworten sollen. Authentizität und Ehrlichkeit sind hierbei einfach wichtig. Selbst die Schwächen zu benennen, kann positiv wirken, wenn man gleichzeitig zeigt, wie man daran arbeitet. Und ganz wichtig: Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe – beide Seiten sollten ehrlich sein.

Ein immer schwieriges Thema sind Gehaltsverhandlungen. Welche Tipps haben Sie?

Vorbereitung ist das A und O. Zuerst ist es wichtig, realistische Gehaltsvorstellungen zu entwickeln, zum Beispiel durch Recherchen auf Plattformen wie Gehalt.de. Man sollte klare Vorstellungen davon haben, nicht nur, was man verdienen möchte, sondern auch, welche weiteren Verantwortlichkeiten man übernehmen will. Darüber hinaus ist es gut, eigene Leistungen und Erfolge im Unternehmen hervorzuheben, um zu begründen, warum ein gefordertes Gehalt gerechtfertigt ist.

Inwiefern unterscheiden sich Ihre Coachings von den Beratungen der klassischen Berufsberater der Arbeitsagentur?

Der Unterschied in meinem Coaching ist die intensive und lange Begleitung. Meine Programme, die meist über acht Wochen laufen, beinhalten regelmäßige Sitzungen, in denen wir nicht nur die beruflichen Perspektiven klären, sondern auch das Selbstwertgefühl stärken.

Haben Sie einen Rat für Menschen, die vor einer beruflichen Veränderung stehen?

Mein Rat wäre, neugierig und offenzubleiben. Viele Menschen schrecken davor zurück, einen Beruf zu ändern, weil sie sich nicht trauen, etwas Neues auszuprobieren. Doch es ist wichtig zu erkennen, dass jeder Schritt, selbst wenn es ein kleiner ist, ein Fortschritt in Richtung eines erfüllteren Berufslebens sein kann. Man sollte sich selbst die Erlaubnis geben, zu wachsen und sich zu entwickeln.
Interview: Julia Voigt


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