Angefangen hat es schon früh. Jan Brügge (37) ist „irgendwie schon immer gesegelt“. Aufgewachsen in Hamburg, geht es für ihn nach der Schule nach Rostock zum Studium, Fach Nautik. „Ich habe mir eingeredet, dass man mit dem Abi studieren muss“, sagt er. Doch bald schon fehlt dem Norddeutschen etwas Handfestes und kurzentschlossen beginnt er eine Ausbildung im Bootsbau und zieht dafür ins beschauliche Kappeln an die Schlei. „Ich durfte hier in einer traditionellen Werft lernen und bekam gleich am Anfang tolle Projekte“, erinnert er sich.
Die dreieinhalbjährige Ausbildung kann er verkürzen und im Anschluss an seine Gesellenprüfung folgt der Meistertitel.„Mir war da schon klar, dass ich weiterkommen will“, sagt Jan. Im kleinen Ort Grödersby, mit Blick aufs Wasser, finden sich geeignete Hallen und mit 28 Jahren wird Jan Brügge Inhaber einer eigenen Werft. Zuerst teilt er sich die Werkstätten mit anderen Bootsbauern. „Wir hatten hier sowas wie ein Coworking-Space fürs Handwerk.“ Als Konkurrenten hat man sich dabei nie gesehen. „Im Gegenteil, wir haben uns immer gegenseitig geholfen.“


Ein halbes Jahr nach Firmengründung im Jahr 2016 wird der erste Auszubildende eingestellt, dem folgt bald ein Geselle. Die Auftragslage ist von Anfang an gut. „Wir hatten das Glück, schon früh für einen Kunden ein komplettes Boot bauen zu dürfen.“ Ein zweites Boot wird folgen. „Daran haben wir fast fünf Jahre gebaut, denn es muss einfach jedes noch so kleine Detail stimmen“, sagt der Werftinhaber. Die tägliche Arbeit jedoch sind Reparaturen, Refits und Instandhaltung von Booten. Ab und an kommen Anfragen außer der Reihe. „Wir haben auch schon einen Bus für unsere Kunden ausgebaut“, erzählt Jan. Heute gehören 21 Leute zur Brügge-Mannschaft, darunter sechs Azubis.
Fragt man Jan nach dem, was ihn antreibt, bekommt man zur Antwort: „Idealismus. Die Liebe zu Booten, das Handwerk, aber auch Verantwortung übernehmen und Visionen gestalten zu können, seien sein Treibstoff. Und immer wieder steht das Team vor neuen Aufgaben. „Dann heißt es Lösungen finden und sich auch bei Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen“, bringt Jan seine Philosophie auf den Punkt. „Ich bin ohnehin nicht leicht aus der Ruhe zu bringen.“


Im Bootsbau braucht es nicht nur handwerkliches Geschick. „Man muss Know-how haben, kreativ sein und um die Ecke denken können.“ Technisches Verständnis ist die Basis, auch räumliches Denken und körperliche Fitness sollten angehende Bootsbauer mitbringen. So wie Mitarbeiter Jonas, der extra für die Werft Königstein aus Rheinland-Pfalz in den hohen Norden gezogen ist. „Ich hatte vorher gar nichts mit Segeln zu tun, aber ein Berufswahltest der Arbeitsagentur hat für mich den Bootsbauer ausgespuckt und jetzt stecke ich mittendrin. Das ist genau das Richtige für mich.“
Mit dem Kopf erdacht, aus Holz gemacht, ist der Stolz der Mannschaft die „WOY 26“ (abgeleitet aus Wooden Yachts). Die WOY ist ein schneller 26-Fuß-Daysailer. Von der Idee bis zum Stapellauf des Prototyps vergingen fast fünf Jahre. „Über Jahrhunderte hinweg wurden Boote aus Holz gebaut, ich möchte das erhalten, weiterentwickeln und mit moderner Funktionalität kombinieren. Für mich hat ein Holzboot Charakter und eine Seele.“ Viel Zeit und Liebe zum Detail wurde in den Prototypen gesteckt. „Das hat einen großen Einfluss auf das Gesamtwerk“, sagt Jan. Die Woy 26 soll nun in Serienproduktion gehen.
Was für Jan und seiner Mannschaft der Werft Königsstein das Faszinierende am Bootsbau ist? „Das Spannende ist die Vielseitigkeit. Das Handwerk ist anspruchsvoll und mich macht es jeden Tag aufs Neue sehr zufrieden.“
Julia Voigt