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Nieblum: St. Johannis der Föhrer Friesendom

Fotos: Annette Keisat

Das Gotteshaus wurde im 13. Jahrhundert erbaut - das nächste "Göttliche Konzert" in der Kirche der Organistin Birgit Wildemann findet am 6. April statt.

Wie eine Festung thront St. Johannis mit einer Höhe von insgesamt 36 Metern als größte Föhrer Kirche über dem Ort Nieblum. Auf einer Anhöhe gelegen erzählt der monumentale, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete, kreuzförmige Backsteinbau von Zeiten, als er noch Teil des Festlands war, was sich erst 1362 mit der ersten Groten Mandränke änderte. Die Kirche ist die Erweiterung eines Vorgängerbaus aus Granit und Tuffstein, welcher aus der Eifelregion stammte. Der frühgotische Turm war unmittelbar Teil des Kirchenneubaus, anders als bei den beiden Föhrer „Schwesternkirchen“, deren Türme erst nachträglich entstanden und anderen Epochen zuzuordnen sind. Im 12. und 13. Jahrhundert war das Gotteshaus möglicherweise Sitz eines Bistums mit Namen „Frisia“, woher die Bezeichnung „Friesendom“ stammt. Doch auch die überaus reiche Ausstattung mit Kunstschätzen untermauert diesen Namen. Das Langhaus und das südliche Querschiff wurden im Stil der Romantik gebaut, der nördliche Teil des Querschiffes in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bereits in gotischer Form, weshalb das südliche Querschiff aus Gründen der Symmetrie gotisch umgestaltet wurde. Beim Langhaus begnügten sich die Bauherren mit einer Erhöhung der Wand. 

Die alten Friesen galten als frommes, gottesfürchtiges Volk. Der Weg vom alten, germanischen Glauben zum Christentum, das sich vermutlich unter dem Dänenkönig Knutt dem Großen (1016/18 – 1035) verbreitete, war indes lang. Heidnische Bräuche wie das Biikebrennen haben bis heute überlebt. Der Arm der Päpste reichte weit – nicht aber nach Föhr, wo, wie auf den Nachbarinseln, das Priesterzölibat nicht zur Anwendung kam. Unverheiratete Geistliche wurden kategorisch abgelehnt. Die Einführung der Reformation erfolgte erstaunlich rasch und so wurden aus wenig leidenschaftlichen Katholiken Protestanten. Verehrung des Papstes oder andere Hinweise auf weiter gehuldigten Katholizismus bedeuteten Verfolgung oder Vertreibung durch übereifrige Lutheraner. 

Dennoch wurde der Name des Domes, dessen Schutzpatron Johannes der Täufer ist, nach der Reformation beibehalten. Dieser ist in Form einer 2,75 Meter hohen bemalten Holzplastik rechts des spätgotischen Schnitzaltares von 1487 gegenwärtig, die etwa Mitte des 15. Jahrhunderts angefertigt wurde. Die aktuelle Bemalung stammt von 1980. Das aus einem Findling entstandene Granittaufbecken wurde um 1200 gefertigt und ist kunsthistorisch eine der wichtigsten Arbeiten der Romanik im norddeutschen und skandinavischen Raum. Ursprünglich befand es sich im südlichen Eingangsbereich: niemand durfte ungetauft die Kirche betreten. 1618 wurde eine Schmuckkanzel im Stil der Renaissance in Form einer kleinen Empore eingerichtet. Die prachtvolle Orgel stammt aus dem Jahr 1838, ihre Erweiterung von 1976. 

Empfehlenswert: Die sprichwörtlich göttlichen Konzerte der Organistin Birgit Wildemann, die seit 1995 auf Föhr lebt und wirkt. Termine sind online zu finden, das nächste Konzert findet am Sonntag, 6. April, im Friesendom statt.

In vorreformatorischer Zeit war der Ostteil der Kirche mit Chor- und Altarraum im Apsisbereich den Geistlichen vorbehalten. Die Grenze zum großen Langhaus ist durch einen Chorbogen markiert. Evangelische Gottesdienste mit langen Musikeinlagen erforderten eine Erweiterung des Sitzplatzangebotes, insgesamt wurden über 1000 geschaffen, die vererbt, verpachtet oder versteigert wurden. Allein die unattraktivsten Plätze waren kostenlos Armen und Fremden erlaubt, die teilweise verglasten Logen an den Wänden jedoch wohlhabenden Familien vorbehalten. Ebenfalls an den weiß verputzten Wänden sind wunderschöne Schnitzfiguren aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu bewundern. Und der vielleicht außergewöhnlichste Schatz von St. Johannis: ein Epitaph (Gedächtnismal für einen Verstorbenen), das aus der Kirche des während der zweiten Groten Mandränke 1634 zerstörten Ortes Königsbüll auf Alt-Nordstrand stammt und nach Nieblum gebracht wurde. Aufmerksame Besucher des äußerst großen Kirchhofes, der mit 265 Grabplatten und -steinen über den größten Bestand an historischen Grabmalen in ganz Nordfriesland verfügt, entdecken vielleicht die Sonnenuhr von 1688, die über einem weiteren Eingang am südlichen Ende des Querhauses angebracht ist. 

Seit jeher musste St. Johannis aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und anderer Faktoren gepflegt und restauriert werden. Im Mauerwerk findet man eine bunte Mischung aus etwa 30 Steinarten, denn es wurde in früheren Zeiten benutzt, was gerade zur Verfügung stand. Seit 2006 wurden mit Hilfe eines Fördervereines umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Hierbei wurde ein über Jahrhunderte verschlossenes sogenanntes „Hagioskop“, ein kreisrundes „Pestfenster“ wieder freigelegt. Besonders während großer Lepraepedemien sollte es den „Aussätzigen“ einen „Blick auf Gott“, also Zugang zum Gottesdienst und eventuell der Kommunion ermöglichen. „Blickt man heute von innen durch diese Fenster, so stellt sich die Frage, wie viel Göttliches eher außen, vor der Kirche und unter den Menschen zu finden oder vonnöten ist“, so Kirsten und Philipp Busch, beliebtes, unvergessenes, ehemaliges Pastorenehepaar im Jahr 2020. www.friesendom.de

Annette Keisat

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