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Reedereien am Nord-Ostsee-Kanal: Mit Schiffen Geld verdienen

Jörg Köpping kaufte mit 28 Jahren sein erstes Schiff. Heute beschäftigt seine Reederei 100 Mitarbeiter und betreibt sechs eigene Schiffe. FOTO: MICHAEL STAUDT.

Zwischen internationalem Frachtgeschäft, nachhaltigem Flottenumbau und Fährverkehr: Wie drei heimische Reedereien die Schifffahrtsgeschichte der Region prägen

In Hamburg an der Elbe heißen sie Ballindamm, Amsinckstraße oder Laeiszhalle – Straßen oder das berühmte Konzerthaus am Johannes-Brahms-Platz. Am Nord-Ostsee-Kanal oder in Rendsburg hingegen muss man die Namen schleswig-holsteinischer Reeder, die von hier aus Güter in die Welt oder Menschen über eine künstliche Wasserstraße befördern, lange suchen. Dabei könnte man das Osterrönfelder Kanalufer ebenso „Köpping-Ufer“ nennen, die Holtenauer Hochbrücke „Adler-Brücke“ oder in Rendsburg die Straße „Am Kreishafen“ in „Ahlmann-Zerssen-Straße“ umbenennen.

Denn es gibt sie auch am Nord-Ostsee-Kanal: Die Reedereien, die vom Mut des Einzelunternehmers oder von der Verbindung der Stadt und des Landes mit dem Handel über die Weltmeere per Schiff erzählen.

Drei Reedereien zeigen, wie unterschiedlich man auf und mit dieser Wasserstraße Unternehmen betreiben kann: Jörg Köpping schickt seine Schiffe auf die Weltmeere. Ahlmann-Zerssen organisiert vor allem europaweite Transporte für Massengut oder Projektladungen, ist besonders stark im Ostsee- und Nordseeraum engagiert und bereitet gerade den Übergang zu einer neuen Schiffsgeneration vor. Adler-Schiffe wiederum verbindet mit seinen Fähren die beiden Ufer des Kanals und macht ihn mit dem Raddampfer „Freya“ selbst zum Reiseziel.

EIN JUNGER MANN WILL UNBEDINGT SEIN EIGENES SCHIFF

Jörg Köpping, der in Osterrönfeld aufwuchs, war 14 Jahre alt, als er seine Leidenschaft für die Weltmeere entdeckte. Seine Schwester zog es auf dem Schiff einer Reederei hinaus aufs Meer. Und da wollte er von da an auch hin. Noch als Schüler fuhr er nebenher zur See. Er machte Abitur, studierte Nautik in Bremen und wurde Kapitän. Doch er wollte mehr: ein eigenes Schiff. Mit 28 Jahren setzte er den Plan in die Tat um. Eine kleine fünfstellige Summe fehlte ihm. Doch nicht nur der Bankdirektor, auch sein Vater glaubte schließlich an ihn und gewährte ihm mit den mahnenden Worten ein Darlehen: „Junge, du weißt, das ist viel Geld.“ Der Junge wusste das und kann heute schmunzelnd zurückblicken: „Es war nach sechs Monaten zurückbezahlt.“ Das war 1984.

Es war ein Containerschiff mit knapp 1000 Bruttoregistertonnen. Heute gehören ihm sechs Schiffe, die er samt Besatzung in Zeitcharter gibt und die weltweit Waren transportieren, auch in den Ostseeraum. Norwegen, Polen, Finnland und England gehören zu den Fahrtgebieten, ebenso weiter entfernte Ziele. Der Sitz der Reederei aber ist geblieben, wo die Geschichte begann: am Nord-Ostsee-Kanal. Über 100 Beschäftigte gehören zur Reederei Köpping. Der 70-Jährige hat die Unternehmensführung inzwischen seinen Söhnen anvertraut. Schon länger ist er auch Eigentümer des Flughafens Schachtholm. Er besitzt einen Learjet und ist selbst Pilot. Dringend benötigte Ersatzteile können so zeitnah und ohne Verzögerung dorthin gebracht werden, wo sie benötigt werden.

DIE KLEINSTE KREUZFAHRT DER WELT FÜHRT VON WIK NACH HOLTENAU

Für Fährschiffsführer Artem Yakovlev beginnt der Arbeitstag, wenn er die erste Schicht hat, um 6.20 Uhr in Kiel-Holtenau. Dann wollen die ersten Pendler, zu Fuß oder mit dem Rad, von der Nordseite des Nord-Ostsee-Kanals auf die Südseite, in Richtung Zentrum der Landeshauptstadt. Bis zu 110 Abfahrten können es an einem Sommertag werden. Denn bis in den Abend hinein verkehrt die kleine Personenfähre und verbindet den Kieler Stadtteil Wik mit dem Lotsen- und Schiffsausrüsterviertel Holtenau.

Doch auch Feriengäste oder Kieler Ausflügler nutzen die kleine Fähre gern. „Manche bezeichnen die Überfahrt liebevoll als kleinste Kreuzfahrt der Welt, andere treffen sich hier zum Klönschnack oder genießen die Abwechslung und den einzigartigen Blick auf Schleuse und Kanal“, sagt Eva-Maria Hasch, die für die Reederei die Fähren auf dem Kanal betreut. Denn die Reederei Adler betreibt im Auftrag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes alles, was sich dort als Fähre von Nord nach Süd bewegt. „Wir stellen das Personal und können so die Angestellten auf den saisonalen Fähr- und Ausflugsschiffen der Nordsee auch im Winter und damit ganzjährig beschäftigen.“

FOKUS AUF DEN GESAMTEN NORD- UND OSTSEERAUM

Die Reederei Ahlmann-Zerssen, die unter dem Namen „Shipping-Inside“ firmiert, ist mit ihrem Hauptsitz am Kreishafen in Rendsburg beheimatet. Am Fenster des Besprechungsraumes ziehen die Schiffe auf dem Kanal vorbei. „Wir haben uns vor wenigen Tagen von unserem letzten Schiff getrennt“, sagt Geschäftsführer Holger Trost. „Auch wenn wir aktuell keine eigene Schiffsflotte betreiben, arbeiten wir mit vielen befreundeten Reedereien eng zusammen und verfügen weiterhin über angemietete Schiffstonnage, sogenannte Zeitcharter“, erklärt Trost.

Der Trend gehe dahin, dass der Kunde direkt mit Reedereien zusammenarbeiten möchte, so seine Erfahrung. Bei AhlmannZerssen setzt man daher auf Neubauten im kleineren Schiffssegment, also mit einer Tonnage von 2500 bis 3000 Tonnen, zum Beispiel mit einem Elektro-Diesel-Antrieb. Die Schiffe waren in die Jahre gekommen, bis zu 40 Jahre alt. „Diese Tonnage lässt sich aufgrund der Wartungskosten und der Energiepreise perspektivisch nicht mehr wirtschaftlich betreiben“, so Trost. Die Reederei befinde sich in einem Übergang zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Die Flotte soll moderner, effizienter und auf die wachsenden Anforderungen an einen emissionsärmeren Schiffsverkehr vorbereitet sein.

Ihren Fokus hat die Reederei auf den Nord- und Ostseeraum, ist aber auch europaweit tätig. Sämtliche Massengüter wie Getreide und Futtermittel, aber auch Stückgut wie Bauteile für Windkraftanlagen und Kabeltrommeln werden über das Meer transportiert. Man hält dabei ein Rundumpaket bereit. Die Schiffe werden nicht nur verchartert. Man kümmert sich um die Fracht und die Be- und Entladung, erledigt die Zollformalitäten und betreut die Schiffe im Hafen von der Ankunft bis zur Abfahrt.

Nicht zuletzt deswegen ist das Geschäft auch eines, das von den Menschen lebt, die es betreiben. Seit der Gründung im Jahr 1950 hat man sich einen festen Kundenstamm erarbeitet, kennt sich und kann sich aufeinander verlassen. Büros von Bremen über Brunsbüttel, Hamburg, Stralsund und Wismar sowie an weiteren Standorten in Mecklenburg-Vorpommern bis nach Riga halten den direkten Kontakt vor Ort.

Die Reedereien am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) und die Menschen, die bei ihnen beschäftigt sind, sind damit ein wesentlicher Bestandteil des Handels an Nord- und Ostsee sowie auf den Weltmeeren. So wie einst Amsinck, Ballin oder Laeisz schreiben sie an einer Handelsgeschichte mit, die am NOK begonnen hat und vermutlich noch in ihren Kinderschuhen steckt, bevor man nach ihnen Straßen, Brücken oder Konzerthallen benennt.
Nikolaus Schmidt

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