Viele Menschen haben die Husumer Nachrichten in anderthalb Jahrhunderten geprägt. Die verantwortlichen Redaktionsmitlgieder der vergangenen 60 Jahre stellen wir hier vor.



Helmut Sethe war von 1961 bis 1983 Chefredakteur der Husumer Nachrichten. Sethe hatte den Journalismus bei Zeitungen in Niedersachsen und im Ruhrgebiet erlernt. In Nordfriesland fand er seine berufliche Lebensaufgabe. Helmut Sethe war Liberaler, Christ und Europäer und Mitglied im Deutschen Presserat. Erwirkte als Vorsitzender der Synode für die evangelische Propstei Husum-Bredstedt. Die deutsch-dänische Zusammenarbeit war ihm ein Anliegen. In diesem Sinne gründete er als Zusammenschluss von Journalisten beiderseits der Grenze die Deutsch-Dänische Pressekonferenz.
Schon seit Mitte der 1960er Jahre warb der Chefredakteur für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen, wo er mehrfach zu Gast war. Sethe sah die Zeitung als Interessenvertreterin der Region Nordfriesland. Hier wirke sie „an der Wurzel der Demokratie“, schrieb er einmal und -weiter: „Eine Zeitung wird sich auch hin und wieder mit diesem oder jenem Leser oder mit dieser oder jener Lesergruppe anlegen müssen. Auch für mutige Journalisten ist es in der Regel schwerer, den Bürgermeister von X-dorf zu kritisieren als den Bundeskanzler in Bonn.“


Zum 100-jährigen Bestehen der Husumer Nachrichten 1973 bezeichnete der Landrat des 1970 gebildeten Kreises Nordfriesland, Dr. Klaus Petersen, eine Zeitung für Nordfriesland als dringlich und wünschenswert. Helmut Sethe strebte dies an. Er kreierte als ersten Schritt für die vier Ausgaben im Kreisgebiet eine Nordfriesland-Seite.
Helmut Sethe starb mit nur 54 Jahren am 6. November 1983. Im Nachruf des Norddeutschen Rundfunks würdigte ihn Werner Junge und bezeichnete ihn als „ruhelosen Menschen: Er war nie mit etwas fertig, und begann er etwas, so waren die Gedanken schon beim nächsten Termin, bei der nächsten Sache, die ihm am Herzen lag“.
Der langjährige stellvertretende Chefredakteur Otto W. Geiss (1933-2008) beeindruckte durch seine Fähigkeit, kurz, aber prägnant zu formulieren. Wie Sethe kam er aus dem Ruhrgebiet nach Husum, das war 1962. In jungen Jahren war er unter eine Straßenbahn geraten, beide Unterschenkel mussten amputiert werden.




Das Nordfriesland-Ressort leitete 1974 bis 1993 Hans Carstensen (19282001), der zunächst in Viöl eine kleine Bauernstelle bewirtschaftet hatte und sich als Sozialdemokrat in der Kommunalpolitik engagierte, was damals in dieser ländlichen Region ganz ungewöhnlich war. „Hans Mapp“ wurde er genannt, weil er oft mit Aktentasche unterwegs war. Er entdeckte seine Freude am Schreiben, wurde freier Mitarbeiter,Korrektor und dann Redakteur, schließlich Redaktionsleiter der Husumer Nachrichten. Er setzte sich besonders für die Landwirtschaft und die plattdeutsche Sprache ein.
Als Redaktionsleiter wirkte von 1993 an Thomas Graue (1953-2013) aus Stade, der konstruktiv-kritisch die Entwicklung in Stadt und Land verfolgte. Mit 54 Jahren erkrankte er an Leukämie. Er nahm nicht nur mit Fassung die Therapien auf sich, sondern beschrieb auch die Krankheit und ihre Folgen in einem beeindruckenden Zeitungsbericht.
In mehr als vier Jahrzehnten, 1979 bis 2020, arbeitete Jörg von Berg aus Husum in verschiedenen Funktionen für die Zeitung, lange Zeit als Redaktionsleiter. Als Kreis-Redakteur begleitete er mit seinen treffsicher geschriebenen Artikeln die Entwicklung des Kreises Nordfriesland. Graue und von Berg brachten einmal die Aufgabe der Zeitung in zwei Sätzen auf den Punkt: „Wir wollen mit unseren Artikeln informieren und die Meinungsbildung fördern, aber auch unterhalten. Wir wollen identitätsstiftend wirken, ohne heimattümelnd zu werden.“
2016 wurde Friederike Reußner, geboren 1983, aus Schleswig Redaktionsleiterin. Sie setzte inhaltliche Schwerpunkte mit einer kritischen Lokalpolitik-Berichterstattung und trieb unter anderem die Digitalisierung der Redaktion voran. Schon seit einigen Jahren erscheinen die Husumer-Nachrichten ja nicht mehr nur als gedruckte Zeitung, sondern erfreuen sich online und als E-Paper einer wachsenden Leserschaft. Reußavancierte 2021 zur Regionalchefin Nord und übernahm damit die Verantwortung für alle sieben Nordtitel des Verlags. Ihre Nachfolgerin wurde Jonna Marlin Lausen, Jahrgang 1987. In Zeiten des Wandels in der Medienbranche setzte sie neue Themenimpulse, etablierte weitere Erzählformen auf allen Kanälen des Zeitungstitels und formte gemeinsam mit ihren Kollegen die Redaktion der Husumer Nachrichten zu einem modernen Journalisten-Team.
Manche später recht bekannten Journalisten begannen ihre Karriere bei den Husumer Nachrichten. Henning Röhl (1943-2023) volontierte hier 1962, er brachte es zum Chefredakteur von Tagesschau und Tagesthemen, war später Intendant des MDR und Geschäftsführer von „Bibel TV“.
Werner Junge, geboren 1955, aus St. Peter-Ording absolvierte sein Volontariat in Husum und führte die Außenredaktion in Bredstedt wechselte dann zum, Norddeutschen Rundfunk, für den er 40 Jahre lang in Heide, Flensburg und Kiel in leitenden Positionen tätig war. Ein anderer bekannter Rundfunk-Journalist schrieb als freier Mitarbeiter beim „benachbarten“ Nordfriesland Tageblatt Artikel „über Heimatbund und Feuerwehr, über Landfrauen und Häkelbüdelclub - letztlich über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens“, wie er selbst sagte; später wurde Carsten Kock beim Privatsender Radio Schleswig-Holstein politischer Redakteur mit ganz eigenem Profil.
Mit Informationen, kritischen Berichten und unbequemen Kommentaren haben die Husumer Nachrichten das Geschehen durch Jahrzehnte begleitet und nicht selten den Lauf der Dinge mitbeeinflusst. Aber auch die Leser waren und sind häufig „Mitarbeiter“ der Zeitung, machen sie zu einem Forum der konträren Positionen und tragen damit zur Meinungsbildung bei. Viele Leserbriefspalten füllten etwa die unterschiedlichen Ansichten zu Themen wie: Nationalpark Wattenmeer, Eindeichung der Nordstrander Bucht, Vogelschutz in Eiderstedt, Privatisierung der Krankenhäuser, Windkraft, Solarenergie und vielem mehr. Thomas Steensen