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Husumer Nachrichten: Junge Rinder suchen neue Besitzer

Anzeigen-Rechnung der Husumer Nachrichten vom 31. Mai 1917 an Johannes Clausen in Ostenfeld. Die Anzeigen-Rechnung wurde per Postkarte ĂĽbersandt. Fotos: Archiv SP

Anzeigen sind fester Bestandteil der Zeitung: Auf der Spur einer 106 Jahre alten Annonce aus Ostenfeld

Nicht nur Neuigkeiten gab es schon immer in der Zeitung zu lesen, auch das Anzeigengeschäft war von Beginn an ein Standbein der Husumer Nachrichten. Wir blicken zurück auf eine 106 Jahre alte Rechnung.

Es ist Mai 1917, in Europa herrscht Krieg. An der Westfront ist die britisch-französische Frühjahrsoffensive im Artois, in der Champagne und Arras in Gange, scheitert aber nach anfänglichen Geländegewinnen. Flugzeuge des Kaiserreichs starten zum ersten Bomberangriff auf London, finden ihr Ziel aber nicht. Leo Trotzki kehrt aus dem Exil nach Russland zurück. Und Landwirt Johannes Th. Clausen aus Ostenfeld gibt am Monatsanfang eine zehnzeilige Annonce in zwei aufeinanderfolgenden Ausgaben der Husumer Nachrichten auf: „9 hochtr. Quien“ bietet er laut Betreff auf der Anzeigen-Rechnung an.

Ob die Anzeige Erfolg hatte und die trächtigen jungen Rinder neue Besitzer fanden, ist nicht überliefert. Aber die Wege, die damalige Zeitungs-Annoncen nahmen, lassen sich durch die per Postkarte an Clausen übersandte Rechnung gut nachvollziehen. Vier Reichsmark verlangten die Husumer Nachrichten unter der Auftrags-Nummer A 93 für die beiden Anzeigen, die in den Ausgaben 104 und 105 erschienen, brutto für netto. Ausgestellt wurde die Rechnung am 31. Mai, aber erst eine Woche später - am 7. Juni versandt, wie aus dem Datum des Poststempels ersichtlich ist. Bis zum 1. August musste sie bezahlt sein.

Die Husumer Nachrichten, so ist der Postkarte zu entnehmen, sahen sich nicht nur als „Tageszeitung für Stadt und Land“, sondern auch als „Erfolgreichstes Anzeigenblatt für Behörden und Private“. Der Name des Besitzers war zwischen diesen beiden Zeilen in Fettdruck vermerkt: Friedrich Petersen hatte die Zeitung 1892 übernommen und das bis dahin mit einer Auflage von nur knapp 1000 Exemplaren vor sich hin dümpelnde Blatt auf Erfolgskurs gebracht, mit modernster Drucktechnik ausgestattet und Anfang des Jahrhunderts in der Großstraße 9 ein neues Gebäude für die Redaktion und die Druckerei errichtet

Die „Fernruf-Nr.“ im Adress-Feld weist auf ein sehr überschaubares Telefonnetz in Husum hin. Unter der 12 war die Zeitung, die seit 1911 wie auch heute noch – sechs Mal in der Woche erschien, für Leser und Anzeigenkunden zu erreichen.

Landwirt Clausen allerdings kam wohl persönlich in die Großstraße, um seine Rechnung bei den Husumer Nachrichten zu begleichen: Am 21. Juni unterzeichnete ein gewisser A. Meyer für die Husumer Nachrichten den „Betrag empfangen“-Stempel auf der Rechnungs-Postkarte. Eine Erhebung des Betrags „zuzüglich Porto mittelst Postnachnahme“ für den Fall verspäteter Zahlung musste Clausen damit nicht fürchten. Sefan Petersen

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