Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Tradition: Der Ökelname sorgt für Ordnung

Friedrich „Fiete Deutz“ Arfsten mit Enkel Jonne, der gern den Trecker hätte - und den Beinamen. Fotos: Susan Müller-Paulsen

Beinamen sollen Verwechslungen vermeiden, wie z.B. Hansi „Eis“, „Hacki Put“ oder „Fiete Deutz“, da die Namen Jansen, Petersen und Hansen sehr häufig vorkommen.

30-mal Jensen, 32 Einträge auf den Namen Petersen und sensationelle 51-mal Hansen im Föhrer Telefonbuch – da muss man schon ein bisschen sortieren, damit beim Dorfklatsch wirklich alle Gesprächspartner dieselbe Person meinen. Nicht nur auf der Insel, sondern in ganz Nordfriesland kommen da die Ökelnamen ins Spiel, die für Klarheit sorgen. Sie beziehen sich auf den Beruf, die familiären Verhältnisse, ein körperliches Merkmal oder eine Eigenart. Nicht selten mit einer gehörigen Portion Spott versehen, kamen dabei Kreationen wie Elke „Fisch“, Manda „Klappstuhl“, Theo „Bäcker“ oder Karl „Kohlentrommel“ heraus. 

Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey hat 2008 ein Buch über diese Tradition geschrieben. „Nur durch ausgiebige Kommunikation in fast geschlossenen Gemeinschaften können sich solche Namen entwickeln und verbreiten“, sagt sie. Erst nach dem Erscheinen ihres Buches erfuhr die Historikerin, dass auch ihr Vater einen Ökelnamen hatte: „Er hieß ‘Otto Penibel’, weil er immer noch mal eine Extra-Schraube eindrehte“, erzählt die geborene Föhrerin. 

Schmeckt! „Hansi Eis“ - auch für Johann und Charlotte ein Muss beim Inselbummel.
Schmeckt! „Hansi Eis“ - auch für Johann und Charlotte ein Muss beim Inselbummel.

Grete Schwintzer kam aus Stettin und betrieb nach dem Krieg am Wyker Sandwall eine Drogerie. „Sie hat sich bemüht, ihre Kundschaft mit Namen anzusprechen“, erzählt Tochter Karin Petersen. „Herr Lautsprecher“ ging ihr gelegentlich freundlich zur Hand. Dass „Lautsprecher“ nur sein Spitzname war, den er seinem kraftvollen Organ zu verdanken hatte, erfuhr die junge Witwe erst nach Monaten – von Außenstehenden. 

Eine Ecke weiter, an der Süderstraße, führt heute Hansi Petersen das Geschäft seiner Eltern Walli und Martin weiter. Als er den Bäckerladen mit Eisverkauf übernahm, gab es Papas Ökelnamen gleich mit dazu: Hansi „Eis“. Und wer in Klintum Friedrich Arfsten sucht, fragt besser nach „Fiete Deutz“. Der war 15, als 1963 der alte Trecker der Familie durch einen Deutz ersetzt wurde. „So ein Name gehörte früher in der Dorfjugend einfach dazu“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Sein Bruder Hark wurde „Hacki Put“ genannt – weil er Enten und sonstiges Federvieh züchtete. 

In den noch von vielen Einheimischen bewohnten Orten Borgsum, Süderende, Oldsum – besteht auch heute eine gute Chance, einen solchen Spitznamen verpasst zu bekommen. Angesichts „wachsender Einwohnerzahlen und größerer Fluktuation“ werde diese Tradition in Wyk aber allmählich verschwinden, fürchtet Karin de La Roi-Frey. 

Ideengeber und Quelle für das Buch der Historikerin war Hans Pohlmann. Er hatte als Friseur gelegentlich die Schere kurz zur Seite gelegt, um im Hinterzimmer einen Ökelnamen zu notieren, den er gerade von einem Kunden gehört hatte. Rund 160 Beispiele trug er so zusammen: „Platten“-Peter Schlotfeld, der als Bürgermeister die Fußgängerzone gestalten ließ, Julius „Also“, Besitzer des Strandhotels oder Bäcker Jens „Marzipan“. Hans Pohlmann, dessen Ökelname aus dem Schriftzug an seinem Salon am Sandwall entstand, ist im vergangenen Jahr gestorben. Als Hans „macht Haar“ bleibt er den Wykern im Gedächtnis. Susan Müller-Paulsen

Meine Favoriten:
Alle Orte: