Wenn sich vom 4. bis 20. September die Segeberger Kulturtage zum 13. Mal präsentieren, rückt erstmals Latendorf als zentrales Kulturdorf in den Mittelpunkt. Insgesamt neun Veranstaltungen finden in Latendorf statt, sieben davon organisiert vom Verein Kultur Akademie Segeberg, zwei weitere von der Gemeinde Latendorf.
Schlüter. Dass sich die 600-Einwohner-Gemeinde als Gastgeber präsentieren kann, ist auch dem Engagement vieler Ehrenamtlicher zu verdanken. Einer von ihnen ist Hans-Hermann. Der 70-Jährige hat sich gemeinsam mit weiteren Helfern um die Vorbereitungen gekümmert und insbesondere den historischen Dorfrundgang ausgearbeitet.

„Während des gesamten Festivalzeitraums können Besucher Latendorf auf eigene Faust entdecken“, erklärte Schlüter. Er hat 24 schichtsträchtige Orte im Dorf ausgewählt und mit Informationstafeln versehen. An den jeweiligen Standorten zeigen historische Fotos, wie es dort früher aussah und welche Bedeutung die Gebäude einst für das Dorfleben hatten.
Nachlass von Karl-Heinrich Struve
Das Bildmaterial stammt aus dem Nachlass des inzwischen verstorbenen Karl-Heinrich Struve. Dessen Sohn Holger Struve stellte die historischen Aufnahmen zur Verfügung. So erinnert ein Standort an der Hauptstraße 18 an die Meierei, die dort Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wurde. Ein weiterer Punkt an der Alten Landstraße 12 erzählt die Geschichte der ehemaligen Schmiede, an deren Stelle später eine Gasolin-Tankstelle entstand. Gegenüber,an der Alten Landstraße 5, befanden sich einst eine Sägerei und eine Stellmacherei. Dort wurden Wagenräder gefertigt, die anschließend in der Schmiede ihren Eisenmantel erhielten.
Selbst jüngere Dorfgeschichte findet ihren Platz: Ab 1985 befand sich in Latendorf mit dem „Café Olé“ sogar ein französisches Restaurant. Ein weiterer Pflock an der Hauptstraße 37 erinnert an Lindemanns Gasthof, den früheren Mittelpunkt des Dorflebens, der 1986 einem Brand zum Opfer fiel.
Für Hans-Hermann Schlüter ist das Projekt auch eine Herzensangelegenheit. Er ist in Latendorf aufgewachsen, zog für einige Jahre weg und lebt seit 1992 wieder in seinem Heimatdorf. Entsprechend groß ist seine Freude darüber, dass Latendorf in diesem Jahr Kulturdorf ist. „Wir dürfen Gastgeber für diese tolle Veranstaltungsreihe sein und können unsere Gemeinde vorstellen. Das ist etwas Besonderes“, sagte Schlüter. Die Vorzüge seines Heimatortes beschrieb er: „Das Dorfleben funktioniert, und Kinder können hier gut aufwachsen.“
Los geht das Programm in Latendorf am Sonntag, 6. September. Von 11 bis 12.30 Uhr ist im Latendorfer Wald „Das große Gewusel“ für Kinder ab vier Jahren zu erleben. Der Eintritt zum spielerischen Rundgang ist frei. Der Bingo-Nachmittag ist übrigens schon ausverkauft.
Das für Freitag, 18. September, angekündigte Open-Air-Konzert „A Tribute to Johnny Cash“ mit den „Line Walkers“ kann nicht wie geplant in Littloh stattfinden. Neuer Veranstaltungsort ist die Sandkuhle, Parkplätze und Veranstaltungsort werden an der Hauptstraße ausgeschildert. Alexandra Bury