Eintönig, trocken, altmodisch - das sind nur einige der Klischees, die einem Job in einer Verwaltung anhaften. Ein ganz anderes Bild zeichnen fünf angehende Verwaltungskräfte aus dem Amt Geest und Marsch Südholstein im Kreis Pinneberg. Einer Familie helfen, Wohngeld zu beantragen, iPads für Schulen bestellen, Programmhefte für ein Konzert gestalten oder auf den Dörfern nach dem Rechten sehen - all das gehört zu ihren Aufgaben.
Im Amt Geest und Marsch Südholstein, kurz „Gums“, kümmern sich circa 100 Verwaltungsmitarbeiter um die Belange von fast 25 000 Einwohnern aus zehn Dörfern. Da gibt es viel zu erledigen, und diese Vielfalt macht den Job so spannend.
Gerade sechs Wochen sind Paula Nawrot und Fadime Sahin, seit August Azubis zur Verwaltungsfachangestellten, mit dabei, und doch haben sie schon in alle Bereiche reingeschnuppert. Am besten hat Paula der Bürgerservice gefallen. Hier ist der erste. Anlaufpunkt für alle Bürger mit Fragen. „Ich mag es, Leuten zu helfen“, sagt die 16-Jährige. Wenn sich jemand über den fertigen Reisepass gefreut hat oder darüber, dass auch ohne Termin weitergeholfen wurde, hat ihr das Spaß gebracht.
Azubi Fadime hilft gerade im Fachbereich „Soziales und Kultur“ mit und bestellt Schulbücher und Laptops für die Schulen auf den Dörfern. Die 23-Jährige sagt: „Ich bin noch nah dran und weiß, wie wichtig es ist, dass alles, was gebraucht wird, auch da ist.“ In der kleinen Gemeinde Moorrege steht zudem ein kulturelles Großprojekt an. Fadime druckt dafür Programmhefte und tätigt Platzreservierungen.
VERWALTUNGSMITARBEITER VERHELFEN BÜRGERN ZU IHREM RECHT
Später, wenn sie tiefer drin sind in der Materie, werden die beiden auch für das Ausstellen von Leistungsbescheiden verantwortlich sein. Das kann eine Geschwisterermäßigung für die Kita sein oder auch Wohngeld. „Als das Wohngeldgesetz geändert wurde, hat sich der Kreis der Bezieher erweitert und wir hatten mehr Anträge zu bearbeiten“, erzählt Tim Strate, der bereits im dritten Jahr lernt. Tatsächlich ausrechnen muss er die Höhe des Wohngelds aber nur in der Berufsschule - im Amt erledigt das ein EDV-Programm.
ENTSCHEIDUNGEN IN DEN DÖRFERN MÜSSEN VORBEREITET WERDEN
Anja Behrend aus dem gleichen Lehrjahr ist zur Zeit für die Liegenschaften mit verantwortlich. Hier werden auch Kaufverträge abgewickelt. Gerade hat ein Dorf eine leerstehende Gewerbeimmobilie gekauft, um sie selbst zu nutzen. Aber auch Bürger fragen hier an, die ein gemeindeeigenes Grundstück kaufen möchten. Die Entscheidung darüber fällt jedoch nicht die Verwaltung, sondern treffen die Lokalpolitiker in den Gemeindevertretungen der Dörfer. Damit sie eine gute Basis für diese Entscheidung haben, bereitet Anja eine Beschlussvorlage vor, in der sie mögliche Konsequenzen fürs Dorf aufzeigt.
AUCH DETEKTIVARBEIT GEHÖRT DAZU
Besonders spannend fand Charlotte Wegner, die ein duales Studium macht, ihre Station beim Ordnungsamt. Mehrmals. pro Woche ging es mit dem Außendienst über die zehn Dörfer. Aufgespürt wurden nicht nur Parksünder, sondern auch Leute, die ihren Müll wild abgeladen haben. Anhand der Reifennummern kann mit etwas Glück der Verursacher ermittelt werden, wenn etwa Reifen einfach am liegengelassen Straßenland werden. Das Fazit von Azubi Tim: „Der Beruf ist spannender, als ich gedacht habe, ich habe die Entscheidung noch keinen Tag bereut.“
WAS IN DER BERUFSSCHULE GELERNT WIRD
Für all die unterschiedlichen Aufgaben, die in der Amtsverwaltung zu erledigen sind, braucht der Verwaltungs-Nachwuchs eine Menge Hintergrundwissen. In der Berufsschule wird daher erklärt, was der Unterschied von Verwaltungs- und Privatrecht ist, wie der Haushalt eines Ortes aufgebaut ist, wie die Lokalpolitik funktioniert, und, und, und.