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Abfallwirtschaftszentrum in Tornesch: Umweltschutz auf der "Mülle"

Der Auszubildende Sven checkt eine Steckdose mit dem zweipoligen Spannungsprüfer.

Warum Kilian auf dem Recyclinghof lernt und Sven in der Müllverbrennungsanlage

Mit ihrer Arbeit im Abfallwirtschaftszentrum in Tornesch leisten die Azubis Kilian und Sven einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ihren ungewöhnlichen Arbeitsplatz auf der „Mülle“ mögen sie.

Die 350 Mitarbeiter der GAB (Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung) sammeln, verwerten und behandeln Abfall. Eines der Standorte ist das 17 Hektar große Gelände in Tornesch. Die Müllverbrennungsanlage dort generiert Strom und Fernwärme, auch das fällt unter den Begriff „Verwertung“. In dieser Anlage arbeitet Sven Kleinworth, Azubi zum Elektroniker für Betriebstechnik im 3. Lehrjahr. Sein Job ist es, die Elektrik instand zu halten.
„Die Schicht sagt Bescheid, wenn etwas nicht funktioniert“, erzählt er, „dann schauen wir uns das vor Ort an.“ Läuft etwa ein Motor nicht, misst er als erstes die Spannung. Ist Strom drauf, handelt es sich vermutlich um ein mechanisches Problem, das einer der Industriemechaniker lösen muss. Anderenfalls geht er an die Fehlersuche. Dieses Kniffelige gefällt Sven: „Nicht immer erkenne ich das Problem gleich. Ich muss erst einmal genau hinschauen und suchen, damit ich die Ursache finde.“ 

Unternehmen aus der Region

Von den vier Wochen Revision im Jahr einmal abgesehen, läuft die Müllverbrennungsanlage an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr. Lkws laden den Müll ab, ein Schredder zerkleinert ihn und ein Kranfahrer gibt den durchmischten Müll durch den Trichter in die Anlage. Mit der Fernwärme, die hier entsteht, können rein rechnerisch 4.500 Pinneberger Haushalte das ganze Jahr über versorgt werden, weitere 3.250 mit Strom. Wenn da was Größeres kaputt geht, so dass die Anlage heruntergefahren werden muss, ist das sehr teuer fürs Unternehmen. „Meistens aber schaffen es die Kollegen, dass es nicht zum Anlagenstillstand kommt“, lobt Unternehmenssprecher Julian Jenkel.

UMWELTTECHNOLOGEN HELFEN, DASS NOCH WAS RAUSGEHOLT WIRD AUS DEM MÜLL

Mit der sogenannten „Abfallbehandlung“ ist Kilian Kobarg betreut. Der 20-Jährige lernt Umwelttechnologe im 2. Lehrjahr - ein Beruf, der in seinem Jahrgang noch „Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ heißt. Und genau darum geht es: Im Sinne der Kreislaufwirtschaft wird auf dem Recyclinghof Müll sortenrein sortiert, damit er noch verwertet werden kann. Vor Ort gibt es neben der Müllverbrennungsanlage auch eine Biokompost- und Vergärungsanlage. Andere Abfälle werden von Recycling-Firmen abgeholt. Sie schreddern und schmelzen zum Beispiel sortenreine Kunststoffe und aus dem Rezyklat entstehen neue Produkte. Auch das Zerlegen von Elektrogeräten, um etwa wiederverwertbare Edelmetalle zugewinnen, geschieht extern.

Damit das alles funktioniert, muss Azubi Kilian darauf aufpassen, dass die Besucher des Recyclinghofs ihre Sachen in die richtigen Container werfen. „Ich weise die Kunden ein und verhindere Fehlwürfe“, erklärt er. Landet doch mal was Falsches drin, packt er mit an. Der Kundenkontakt gefällt Kilian. „Das steigert das Selbstbewusstsein, man wird sicherer und ist auch im Privatleben nicht so leicht eingeschüchtert“, berichtet er. Auch schwierige Situationen mit Kunden meistert er inzwischen souverän. Viele Kunden sind aber einfach nett“, versichert er. Während der Ausbildung macht Kilian seinen Gabelstaplerschein. Er lernt, wie Gebühren richtig abgeschätzt und Ladungen gewogen werden. Den Recyclinghof hält er selbstständig sauber.

 Besonders cool fand er die Aktion, als Biotonnen direkt vor den Häusern kontrolliert wurden, weil zu viele Fremdstoffe drin gelandet waren. Und natürlich die regelmäßigen Flohmärkte, auf denen gut erhaltene und sogar originalverpackte Sachen verkauft werden. „Mülltrennung ist echter Klimaschutz“, bilanziert Unternehmenssprecher Jenkel. Der Wegwerfmentalität – Fast Fashion, Fast Tec, Fast Furniture - wirke man durch Kreislaufwirtschaft etwas entgegen. Ja, bei der Arbeit auf der „Mülle“ stinkt es auch mal. Aber Kilian versichert: „Daran gewöhnt man sich.“ Und als Extra-Motivation gibt es vergleichsweise stattliche Ausbildungsvergütungen und Gehälter nachdem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TÖVD).

// Michaela Eschke

So viel Abfall schlägt die GAB um

Die GAB hat 62 Müllfahrzeuge im Einsatz, die im Jahr rund 13.000 Tonnen Papier, 56.000 Tonnen Hausmüll, 24.000 Tonnen Biomüll sowie Sperrmüll und Elektroschrott abfahren. Auf 265 Wertstoffinseln werden 6.200 Tonnen Glas, 6.800 Tonnen Papier und Pappe sowie Textilien gesammelt. Auf den Recyclinghöfen werden jährlich 3.600 Tonnen Grünabfälle, 1.250 Tonnen Bauschutt, 865 Tonnen Altmetall, 2.800 Tonnen Altholz, 3.150 Tonnen Hausmüll und 75 Tonnen Sonderabfälle abgegeben.


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