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Mehr als Blaulicht und Brände

Mehr als nur Retten: Die Feuerwehren im Kreis Pinneberg dienen auch als sozialer Kitt in den Dörfern. Die Feuerwehr Seeth-Ekholt organisiert beispielsweise jeden Sommer ein Volleyballturnier für den ganzen Ort. Foto: Feuerwehr Seeth-Ekholt

Warum die Feuerwehren die „Kulturträger Nummer eins“ im Dorf sind

Rolf Kahlke muss kurz überlegen, damit er keine Veranstaltung - vergisst. Osterfeuer, Dorfputz, Laternenlauf – an was ist die Freiwillige Feuerwehr in Raa-Besenbek noch beteiligt? Der Wehrführer zählt weiter auf: „Wir haben letztes Jahr das Dorffest organisiert und wollen in diesem Jahr ein Grill- oder Weinfest und einen 112-Tag mit Aktionen veranstalten.“

Feuerwehr stärkt den Zusammenhalt

Raa-Besenbek ist ein Dorf mit rund 570 Einwohnern. Elmshorn ist einige Kilometer entfernt, Felder und Weiden prägen das Bild – und die Feuerwehr mit ihren 36 Aktiven. Siebenmal sind sie im vergangenen Jahr zu Verkehrsunfällen, Bränden und Unwetterschäden ausgerückt und haben das getan, auf das sie sich in ihren Diensten regelmäßig vorbereiten: helfen, wo Hilfe nötig ist. Doch das ist längst nicht alles. Wie in vielen kleinen Ortschaften im Kreis Pinneberg gestalten die Feuerwehrleute maßgeblich das soziale Leben im Dorf mit.

„Auch wenn es viele nicht mehr hören wollen: Corona hat gezeigt, was Gespräche von Angesicht zu Angesicht wirklich wert sind“, sagt Kahlke. Er ist davon überzeugt, dass nur persönliche Treffen echten Zusammenhalt im Ort schaffen und Alteingesessene und Zugezogene zusammenbringen. So manche kritische Situation untereinander lasse sich vermeiden, wenn man sich kenne und beispielsweise beim Dorfputz zusammen Müll gesammelt habe. Und wer, wenn nicht die Feuerwehr, macht all diese Veranstaltungen möglich?

Vom Tannenbrennen bis zum Volleyballturnier

„Wir sind Kulturträger Nummer eins im Ort“, findet auch Karsten Sahlmann. Er ist Wehrführer in SeethEkholt und hat die Beobachtung gemacht, dass es vor allem die Freiwilligen der Feuerwehr sind, die anpacken. Auch wenn mancherorts die Gemeinde oder andere Vereine als Organisatoren mit im Boot sind.

Die Feuerwehr Kummerfeld organisiert regelmäßig einen Tannenbaumverkauf, bei dem die Menschen aus dem Dorf zusammenkommen. Foto: Feuerwehr Kummerfeld
Die Feuerwehr Kummerfeld organisiert regelmäßig einen Tannenbaumverkauf, bei dem die Menschen aus dem Dorf zusammenkommen. Foto: Feuerwehr Kummerfeld

Seeth-Ekholt hat rund 1000 Einwohner, und die können sich das ganze Jahr über auf mehrere von der Feuerwehr ins Leben gerufene Veranstaltungen freuen. Zum Jahresanfang gibt es Tannenbaumsammeln das und das Tannenbaumbrennen, danach das Osterfeuer und die Maibaum-Aufstellung, die mit einem Tanz in den Mai verbunden ist.

Im Juni folgt in diesem Jahr ein Volksmusikfest, das die Seeth-Ekholter zusammen mit ihrer Partnerfeuerwehr aus dem baden-württembergischen Unterschüpf alle drei Jahre veranstalten. Für den Feuerwehrball erhalten Wehren der umliegenden Ortschaften eine Einladung, Sahlmann rechnet mit etwa 400 verkauften Karten.

Das war aber noch nicht alles. Ein sommerliches Volleyballturnier, an dem viele kleine Teams aus dem Dorf teilnehmen, überbrückt die Zeit bis zum Herbst, wenn der Laternenlauf und die Lichterfahrt von der Feuerwehr begleitet werden. „Für den Winter überlegen wir, eine Weihnachtsfeier zu veranstalten“, sagt Sahlmann. Den vollen Terminkalender wissen die Seeth-Ekholter zu schätzen, denn so verhindert die Feuerwehr, dass ihr Dorf zum Schlafdorf wird.

Mit neuem Konzept gegen „Schlafdorf“-Image

Wie wichtig es ist, trotz aller Organisationsbereitschaft mit der Zeit zu gehen, betont Marc-Oliver Peters, Wehrführer in Kummerfeld. Etwa 25 Jahre lang habe die örtliche Feuerwehr einen Neujahrsempfang ausgerichtet, der im Laufe der Jahre jedoch immer weniger Besucher anzog.

„Wir haben die Veranstaltung dann in einen Neujahrsmarkt mit Grillwagen und Getränken verwandelt“, erzählt Peters, und siehe da, seitdem kommen deutlich mehr Leute, die den Termin zur ersten lockeren Zusammenkunft im neuen Jahr nutzen.

Neben Laternenlauf und Tannenbaumverkauf gibt es in Kummerfeld außerdem alle drei Jahre einen Feuerwehr-Aktionstag zum Mitmachen, der von vielen der 2800 Einwohner besucht wird. Peters ist dankbar, dass viele der Kameraden sich einbringen, obwohl sie beruflich voll eingespannt sind und die Anforderungen an die Feuerwehr immer größer werden. Denn eines steht in seinen Augen fest: „Wenn wir als Feuerwehr nichts mehr organisieren, wäre es ganz aus im Ort.“ Christiane Tauer

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