Mode und Meer
Wenn der Strandurlaub schneller als die Diät zum perfekten Strandbody gekommen ist, ist das auf Sylt gar kein Problem. Der Anblick von Körpern, wie Gott sie erschuf, hat hier quasi seinen Ursprung. Insofern darf getragen werden, was gefällt und in der letzten Saison auch noch richtig gut passte. Nur wer sich ganz nackig machen möchte, sucht besser die ausgewiesenen FKK-Bereiche auf. Sonst gibt es rote Ohren und das nicht nur von der Sonne.
Ohne Kohle kein Strandvergnügen
Die Kurabgabe mag durchaus lästig erscheinen und manche dazu verführen, sich mit der Luftmatratze unterm Arm auf die Suche nach einem kostenfreien Strandzugang zu machen. Doch der durchaus überschaubare Obolus ist kein Trinkgeld für Poseidon. Vielmehr freut sich auch der Gott des Meeres über bewachte und saubere Strände, an denen viel Service geboten wird.
Reiten? Nicht überall und nicht immer
Natürlich mag die See Pferde (sorry, aber dieses Wortspiel war einfach zu verlockend) auch am Strand. Aber nur zu den erlaubten Zeiten und an festgelegten Orten. Vor dem Glück auf dem Rücken der Pferde steht deshalb das Glück der Vorschriften, die jede Gemeinde dazu entwickelt hat und die man ohne Hürden studieren kann.
Augen hoch!
Und wo wir schon beim Thema FKK sind – an den Stränden der Nackedeis bleiben die Blicke bitte schön in Augenhöhe. Glotzen ist gefährlich, denn man weiß nie, wie viel inneres Bußgeld man für das zahlt, was einem so entgegenwippt und -schwingt.
Fotografieren? Nur mit Fingerspitzengefühl
Auch, wenn es manchmal so scheint – der Strand ist kein Laufsteg, auf dem sich Menschen gezielt präsentieren. Deshalb möchten sie auch nicht ungefragt fotografiert werden. Vor allem fremde Kinder sollte man auf keinen Fall auf Zelluloid bannen, sind sie in ihren kleinen Badesachen auch noch so niedlich. Deshalb nur Fotos schnappschießen, auf denen sich die Gezeigten dazu bereit erklärt haben.
My Burg is my Castle
Buddeln bis Waitangi (das ist die Stadt in Neuseeland, in deren Nähe man landet, wenn man sich einmal von Sylt aus durch den Erdball konsequent nach unten buddelt)? Lieber nicht! Denn die Löcher im Sand können Rettungswagen, die leichtsinnigen Schwimmern oder Surfern zur Hilfe kommen, ins Schlingern bringen. Auch der so wichtige Küstenschutz steht einem Sandskulpturen-Wettbewerb auf Sylt im Wege.
Ruhige Wellen für alle
Natürlich macht Musik gute Laune. Und wenn man musikalisch begabt ist, beschallt man Menschen gerne nicht nur durch Boomboxen, sondern auch durch mitgebrachte Gitarren und andere Instrumente. Indes – die Lagerfeuerromantik kann durchaus gemischte Gefühle bei den unfreiwilligen Zuhörern hervorrufen. Deshalb lieber auf Kopfhörermusik zurückgreifen oder sich am Rauschen der Wellen erfreuen.
Wenn nicht nur die Wellen rauschen
Promillig auf den perfekten Urlaub anzustoßen oder sich ein Bierchen zu gönnen, ist am Strand durchaus nicht verboten. Aber tut es wirklich Not? Warme Weißweine und sandige Hopfenkaltschalen entsprechen so gar nicht dem Sylter Anspruch an gute Getränke.
Feuerzeichen bei Tage
Nachts blinken die Leuchttürme, tagsüber glimmen die Zigarettenstengel. Wer am Strand schon rauchen muss, sollte an den Wind und seine Nachbarn denken. Und an den Strandaschenbecher, den es an vielen Stellen auf Sylt kostenfrei gibt. Denn eine flugs in den Sand gesteckte Kippe braucht dort mehr als zehn Jahre, um zu verrotten.
Die Vögel
Für Badeurlauber sind Möwen schlechthin das Sinnbild des Meeres. Das scheinen auch die listigen Tiere nur zu genau zu wissen und setzen diesen Sympathiefaktor gerne ein. Und das ohne Rücksicht auf Verluste, denn Fischbrötchen und Co. werden ungefragt und nicht immer schmerzfrei dem Gast gleich aus der Hand gestohlen. Deswegen – bitte keine Möwen füttern, sonst endet es wie im Hitchcock-Film.
Bello im Hundeglück
Sylter teilen gerne und natürlich auch den Strand mit den Fellnasen. Allerdings zu festen Regeln. Zwischen dem 1. November und dem 14. März darf Wauwi den Strand zu seinem Paradies machen, wenn er angeleint ist oder eng bei Frauchen oder Herrchen bleibt. Nach dem 14. März geht es für beide dann an den Hundestrand. Für das ganze Jahr gilt: Tütchen mitnehmen und bitte keine Hinterlassenschaften im Sand vergraben!
Der Klassiker: Handtuch ausschütteln
Feiner Sand gehört in die Dünen, nicht in Nachbars Sandwich. Deshalb bitte sorgsam die Frottierware am Ende des Strandtages wieder zusammenlegen.
Muscheln und Strandgut sammeln
Der Strand ist kein Supermarkt. Und auch, wenn man mit seiner Kurabgabe quasi Eintritt bezahlt hat, sollten die Dinge schön dort bleiben, wo sie hingehören. Gegen eine Muschel oder sogar einen Bernstein als Reiseandenken spricht nichts. Doch wer sich die Taschen vollmacht oder sogar ein gutes Geschäft damit wittert, begibt sich auf die dunkle Seite der Macht.
Strandmuscheln: Ja. Lagerhallen: Nein.
Das geräumige Zelt gehört auf Sylt auf den Campingplatz und nicht an den Strand. Strandmuscheln und Windschutz sind jedoch erlaubt, um sich und vor allem die Kleinen vor der Sonne zu schützen – wenn der Nordseewind nichts dagegen hat.
Ich war zuerst da
Obwohl wir alle über die Urlauber schmunzeln, die schon frühmorgens ungewaschen aus dem Zimmer schleichen, um via Handtuch ihr Plätzchen zu reservieren, sind sie nicht auszurotten. Auf Sylt dürfen diese Reservierfüchse gerne ausschlafen, denn die Insel hat mehr als 40 Kilometer Sandstrand. Platz genug also, spontan sein Handtuch auszubreiten und dabei dem Nebenmann jede Menge Platz zu lassen.
Wat mutt, dat mutt
Toiletten nutzen, nicht die Dünen. Kein weiterer Kommentar nötig, oder?
Der Dünenschutz ist ernst gemeint!
Wer die schützenden Dünenpflanzen niedertrampelt, schadet mehr, als er denkt. Denn Dünenschutz ist Küstenschutz und spätestens dann, wenn man einen echten Sturm auf Sylt erlebt und die Kraft des Wassers gespürt hat, ist man froh um jeden Halm, der wächst. Deshalb bitte die einmalige Dünenlandschaft nur auf ausgewiesenen Wegen erkunden.
Text: Wiebke Stitz