Was passiert, wenn sich ein Kirchendiener, eine Bankkauffrau, ein Tourismusmanager, zwei Kinderärztinnen, ein Kapitän, ein Grafiker, eine Pferdewirtin und ein pensionierter Lehrer zusammentun und ihrer gemeinsamen Leidenschaft frönen? Im Fall der Amrumer Soulband wird dann Musik gemacht. Wobei die Aufzählung der Bandmitglieder allein die aktuelle Besetzung widerspiegelt, denn seit die Band vor über 25 Jahren gegründet wurde, ist sie ständig in Bewegung – nicht nur, was ihr Repertoire betrifft, sondern auch was ihre Mitglieder angeht.
Wenn man bedenkt, dass Amrum nur rund 2300 Einwohner hat, ist das schon „sehr erstaunlich“, findet Peter Lückel mit Blick auf die lange Bandhistorie. Der Mitbegründer und Schlagzeuger der Amrumer Soulband ist einer von insgesamt drei Musikern, die noch von der ursprünglichen Besetzung dabei sind. Und so wie es auf der Insel regelmäßig Bewohner gibt, die kommen und gehen oder sich die Interessen Einzelner verändern, so muss sich auch die Band immer wieder nach neuen Mitstreitern umschauen.
„Anfangs haben wir gedacht, das ist die große Katastrophe, wenn einer die Band verlassen hat“, blickt Lückel zurück. Aber letztlich fand sich nicht nur immer wieder ein Ersatz. „Alle Musiker, die neu dazugekommen sind, waren auch gleichzeitig eine Verbesserung“, beschreibt Lückel die Entwicklung der Band, die sich auch positiv auf das Repertoire der Band ausgewirkt habe. „Es gibt zwar Stücke, die spielen wir schon seit 25 Jahren. Aber wir haben eben auch viele neue Stücke dabei, weil wir einfach gemerkt haben, dass wir inzwischen auch deutlich schwerere Stücke spielen können“, erklärt Lückel. Einerseits hänge das natürlich damit zusammen, dass es die Band jetzt schon so lange gibt, andererseits hat sich auch „die bittere Erkenntnis durchgesetzt: Üben hilft“, wie Lückel es mit einem Augenzwinkern beschreibt.

Mittlerweile trifft sich die Band zweimal wöchentlich in der Strandhalle in Nebel, wo die Gemeinde der Band einen Übungsraum zur Verfügung stellt. Einmal kommt dann nach Möglichkeit die gesamte Band zusammen, „was bei so vielen Leuten nicht immer ganz einfach ist“, wie Lückel erklärt und dann gibt es noch die „Groove-Probe“, bei der Bass, Schlagzeug, Keyboard und Gitarre Breaks und Übergänge proben, um die Grundlage für die jeweiligen Stücke zu legen, auf der dann die gesamte Band aufbauen kann.
Der Begriff Soulband repräsentiert dabei nicht die gesamte Bandbreite der Band. „Wir spielen nicht nur Soul, sondern auch Rock und manchmal wird es auch ein bisschen jazzig“, sagt Lückel. So zählen etwa „Message in a bottle“ von Police, ein Stück von Sadé oder seit Kurzem „Valerie“ von Amy Winehouse zum Repertoire der Band. Dem Schlagzeuger Lückel kommt das durchaus entgegen. „Wenn ich auf die Bassdrum trete, sollten zumindest bei den Leuten in der ersten Reihe die Haare immer leicht nach hinten fliegen“, findet er.
In der Regel kommen nur Amrumer und Feriengäste der Insel in den Genuss, die Band live zu erleben. Erst zweimal hat sie für ein Konzert die Insel verlassen. Vor zwei Jahren gaben sie ein „Überseekonzert“ auf der Nachbarinsel Föhr und einmal wurden sie nach Minden eingeladen. Ein Feriengast hatte sie auf Amrum spielen gehört und engagierte sie als Partyband für den eigenen 70. Geburtstag. Das sei „total klasse“ gewesen, erinnert sich Lückel. Der absolute Band-Höhepunkt sei aber das Konzert zum 25-jährigen Bestehen der Band im vergangenen Jahr gewesen. Bei der Veranstaltung war nicht nur die aktuelle Besetzung auf der Bühne zu sehen, sondern auch viele ehemalige Bandmitglieder, die größtenteils nicht mehr auf der Insel wohnen. Somit hatte sich manch früheres Mitglied auf den Weg nach Amrum begeben, damit noch einmal alle gemeinsam Musik machen und das Publikum unterhalten. „Das war schon sehr ergreifend“, sagt Lückel. Armin Struve
Die aktuellen Konzerttermine der Band stehen auf www.amrumer-soulband.de.