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Günter Tams Kiel 1965: Wir hatten selbst Schuld

„Da bin ich ja ich!“ Günter Tams entdeckt in der im Jahr 2000 erschienenen Chronik zum 100. Geburtstag von Holstein Kiel ein Foto von sich. Von 1960 bis 1967 hat der 90-Jährige den sportlichen Werdegang der „Störche“ entscheidend mitgeprägt. Foto: Arne Schmuck

Holstein-Kiel-Legende erinnert sich an die verpasste Bundesliga-Aufstiegsrunde 1965, die emotionale Spiele gegen Gladbach und Worms sowie die Gründe, warum der große Erfolg damals scheiterte

Es hätte nicht viel gefehlt, und Holstein Kiel wäre bereits deutlich früher als 2024 in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Im Jahr 1965 klopften die „Störche“ kräftig ans Tor zur Beletage, scheiterten seinerzeit aber knapp in der Aufstiegsrunde. Günter Tams war als Mittelfeldspieler dabei. Der gebürtige Flensburger war sieben Jahre lang für die KSV am Ball, spielte mit Holstein drei Jahre in der erstklassigen Oberliga und nach Einführung der Bundesliga 1963 anschließend vier Jahre in der zweitklassigen Regionalliga Nord.

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Tams ist noch immer quietschfidel, zweimal wöchentlich geht er ins Fitnessstudio. Und das, obwohl er am 15. Dezember seinen 91. Geburtstag feiern wird. Er sei allerdings ein wenig kleiner als zu aktiven Zeiten, merkt Tams schmunzelnd an. 1,79 Meter war er zu besten Zeiten groß.„Und 79 Kilogramm war mein Kampfgewicht. Heute spricht man von einem Sechser oder Achter, das waren meine Positionen.“

Aufgrund seines herausragenden Kopfballspiels musste er in Spielen gegen den HSV immer Uwe Seeler decken, wenn die Hamburger mal wieder einen Standard schlugen. „Er hat nie ein Kopfballduell gegen mich wonnen“, erzählt Tams genauso voller Stolz wie eine Anekdote aus der Oberligage-Saison 61/62, an deren Ende sein bester Freund Gerd Koll mit 29 Treffern vor Seeler (28) Torschützenkönig wurde: „15 Vorlagen hat Gerd von mir bekommen. Einer musste ja schließlich die Vorarbeit leisten.“

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130 Spiele für Holstein Kiel - oder ein paar mehr?

In seiner Zeit bei Flensburg 08 hatte er sich für die KSV empfohlen. Zwischen Herbst 1959 und Frühjahr 1960 bestritt Tams fünf Länderspiele für die deutsche Amateurnationalmannschaft. Zu seinen Teamkameraden zählten neben den HSV-Legenden Willi Schulz und „Charly“ Dörfel die späteren Bundesliga-Trainer Heinz Höher, Werner Olk und Carl-Heinz Rühl. TT.1

Bei Holstein bekam Tams zweimal einen Drei-Jahres Vertrag: von 1960 bis 1963 in der Oberliga, von 1963 bis 1966 eine Etage tiefer in der Regionalliga. Nach einem weiteren Jahr in der Zweitklassigkeit mit der KSV kehrte er Kiel den Rücken. 222 Spiele habe er für Holstein bestritten, so Tams. Die Statistiken sprechen eine andere Sprache: 130 Mal ist der Läufer dabei gewesen. „Die Journalisten sprechen ja immer Pflichtspielen“, sagt von Tams zu seiner Rechnung, „aber für mich ist ein Fußballspiel“. Schließlich habe er in Freundschaftsspielen genauso viel laufen müssen.

Aufstieg misslingt: Ärger über 0:1 in Gladbach

Zweimal klopfte Tams mit Holstein ans Tor zur Bundesliga. Als diese 1963 eingeführt wurde, bewarb sich der Verein vergeblich als dritter Nordvertreter neben den gesetzten Teams vom Hamburger SV und SV Werder Bremen.

Bundesliga-Aufstiegsrunde 1965: Günter Tams (Mitte) im Zweikampf mit Jupp Heynckes von Borussia Mönchengladbach. Die „Störche“ gewannen dieses Spiel mit 4:2, Gladbach stieg später dennoch auf. Foto: Friedrich Magnussen
Bundesliga-Aufstiegsrunde 1965: Günter Tams (Mitte) im Zweikampf mit Jupp Heynckes von Borussia Mönchengladbach. Die „Störche“ gewannen dieses Spiel mit 4:2, Gladbach stieg später dennoch auf. Foto: Friedrich Magnussen

1965 sicherten sich Tams und Co. den Meistertitel in der Regionalliga Nord und qualifizierten sich für die Aufstiegsrunde. Der Sprung in die Eliteklasse des deutschen Fußballs war den Kielern jedoch nicht vergönnt. „Wir hatten selbst Schuld“, meint Tams, denn gegen die Mannschaften, die wir mit unserem Können hätten schlagen müssen, haben wir zu wenig Punkte geholt“. Exemplarisch nennt er die Partie daheim gegen Wormatia Worms, die Holstein nach einer 2:0-Führung noch mit 3:4 verlor.

ן Auch das denkwürdige 0:1 zuvor bei Borussia Mönchengladbach blieb ihm in Erinnerung.„Der Schiedsrichter hat so lange spielen lassen, bis endlich ein Tor gefallen war“, sagt Tams. Auch der Freistoß, mit dem Günter Netzer den Treffer des Tages vorbereitete, sei „völlig unberechtigt“ gewesen: "An der Außenlinie hatte Peter Ehlers im Zweikampf Jupp Heynckes nur gestört.“ Eine Zeitung berichtete, die Kieler hätten anschließend in der Kabine geweint. „Das kann ich nicht bestätigen“, gibt sich Tams 60 Jahre danach geradezu entrüstet, „ich jedenfalls habe nicht geweint“. Am Ende der Auf× stiegsrunde wurden die Kie

„Uwe Seeler hat nie ein Kopfballduell gegen mich gewonnen. “
Günter Tams Holstein-Größe der 60er-Jahre

Das ganz große Geld hat „Schopper“ Tams mit dem Fußball nicht verdient. Im Schnitt seien es 400 Mark im Monat gewesen. „Ich habe übrigens auch nie wegen des Geldes gespielt“, sagt der gelernte Installateur und Zentralheizungsbauer.

Günter Tams pflegt seine Inge 25 Jahre lang

Ein Foto, das Günter Tams (li.) viel bedeutet. Es zeigt ihn in seinem allerersten Oberliga-Spiel für Holstein Kiel am 14. August 1960 gegen den VfL Osnabrück (2:1). Foto: Privatarchiv Günter Tams
Ein Foto, das Günter Tams (li.) viel bedeutet. Es zeigt ihn in seinem allerersten Oberliga-Spiel für Holstein Kiel am 14. August 1960 gegen den VfL Osnabrück (2:1). Foto: Privatarchiv Günter Tams

Dass Tams schon lange nicht mehr im Holstein-Stadion war, hat einen traurigen Hintergrund. Als er vor mehr als 70 Jahren seine Frau Inge kennenlernte, sagte er ihr, dass es ihn nur zusammen mit dem Fußball gäbe. 1959 hat sie ihn trotzdem geheiratet. „Sie hat oft alleine zu Hause gesessen“, erinnert sich der Flensburger.

Seit seine Frau um die Jahrtausendwende herum an Parkinson erkrankte, pflegte Tams sie 25 Jahre lang liebevoll, „zuletzt mithilfe der Profis vom Deutschen Roten Kreuz“. Er habe etwas auszugleichen gehabt. „Die Pflege wird immer, wenn der geliebte Mensch neben dir nicht mehr kann“, erklärt Tams mit fester Stimme. Daher sei er dann auch nicht mehr zu Holstein gefahren.„Ich wollte nicht, dass sie sagt: Jetzt stehe ich wieder hinter dem Fußball. Das hatte sie nicht verdient.“ Vor einem Jahr ist Inge Tams verstorben.

Arne Schmuck


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