Es gibt Vereine, die mehr Glamour ausstrahlen als Holstein Kiel. Die größer sind. Die teureren Spieler haben und ein schöneres Stadion. Die erfolgreicher sind. Und dennoch dürfen wir stolz sein auf unsere „Störche“. Kein anderer Club hat den Fußball hierzulande so geprägt wie die KSV. Kein anderer Club hat Schleswig Holstein auf die Bundesliga Landkarte gebracht. Die Saison 2024/25, auch wenn sie mit der sofortigen Rückkehr in die 2. Liga endete, wird unvergessen bleiben.
Am heutigen Dienstag wird Holstein Kiel 125 Jahre alt. Gegründet am 7. Oktober 1900, in einer anderen (Fußball-)Welt, erlebte der Verein Aufstiege, Abstiege, Sensationen im DFB-Pokal – fragen Sie mal bei den Bayern nach -, ja sogar den Gewinn einer deutschen – Meisterschaft. 1912 allerdings noch sehr weit vor der Bundesliga-Gründung.
So unterschiedlich die Ereignisse, die Holstein prägten, im Kontext der jeweiligen Zeit zu bewerten sind, sie alle eint die Leidenschaft für den Fußball. Der macht Holstein Kiel aus – wohl wissend, dass der Verein mehr bietet als das. Die Handballerinnen etwa trugen sich mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 1971 in die Geschichtsbücher ihres Sports und in die Clubchroniken ein.
Sympathieträger in Schleswig-Holstein
Doch ohne eine Gruppe von Menschen, die den Fußball lieben, wäre Holstein 1900 gar nicht erst gegründet und im Laufe der Jahrzehnte nicht zu dem geworden, was es anno 2025 ist: ein Verein, der bundesweit bekannt ist und Anerkennung genießt. Was in Kiel passiert, wird im Fußball heutzutage gerne als ehrliche Arbeit bezeichnet. Klar, auch bei der KSV werden mittlerweile Millionenbeträge bewegt. Profifußball ist ein Geschäft.
Dennoch passiert dies im Büro am Steenbeker Weg 150 und im Stadion am Westring 501 - an diesen Adressen- schlägt das Holstein-Herz mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln, Kontinuität und einer gewissen Bodenständigkeit. Es ist auch dieses Image, das die „Störche“ zum Sympathieträger in Schleswig-Holstein macht.
Gründerväter sind das eine, aber ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger, sind Entwickler. Und Gönner. Holstein Kiel wäre niemals Bundesligist geworden, hätten um die Jahrtausendwende mit Gerhard Lütje und Hermann zwei erfolgreiche Unternehmer entschieden, den Verein in einer schwierigen Situation mit ihrem Geld zu unterstützen. Man müsste, für beide ein Denkmal errichten, hatte vor Kurzem der Aufsichtsratsvorsitzende Langness nicht Andreas Breitner gesagt. Weil er es so meinte und nicht, weil er um die finanzielle Abhängigkeit von diesen Männern weiß und ihnen schmeicheln wollte.
125 Jahre Holstein Kiel wo geht die Reise hin? Liebend gerne noch einmal in die Bundesliga. Nochmal Bayern, nochmal Dortmund.
Und diesmal auch der HSV, den die KSV sportlich kurz mal abgehängt hatte, auf Erstliga-Niveau. Das Ganze vor 25.000 Zuschauern im endlich neu gebauten Stadion, das dann noch immer Holstein-Stadion heißt.
Wachstum und Bodenständigkeit
Träumen ist wichtig. Aber Träume dürfen die Realität nicht verschleiern. Holstein Kiel ist ein Zweitligist und tut gut daran, mindestens dies in den kommenden Jahren zu bleiben. Das ist Herausforderung genug im schnelllebigen Fußballgeschäft, in dem die Kieler bei sich selbst bleiben sollten. Wachstum und Bodenständigkeit müssen bei Holstein Hand in Hand gehen. Wenn das gelingt, wie in den vergangenen 125 Jahren auch, ist viel gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, Holstein Kiel!
Unter shz.de/sport/holstein-kiel finden Sie in den kommenden Tagen Texte zum Jubiläum über diese Sonderseiten hinaus.
Jannik Schappert

Gründungsdatum:
7. Oktober 1900 (Kieler FV von 1900, ab August 1902 1. Kieler FV von 1900)
4. Mai 1902 (FC Holstein Kiel, ab 1908 FV Holstein Kiel, ab 1914 SV Holstein Kiel)
7. Juni 1917 Fusion des 1. Kieler FV von 1900 mit SV Holstein zur Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900
Vereinsfarben: Blau-Weiß-Rot
Größte Erfolge:
Deutscher Meister 1912
Deutscher Vizemeister 1910 und 1930
16-jährige Zugehörigkeit zur Oberliga (1. Liga) Nord von 1947 bis 1963
DFB-Pokal-Halbfinalist 1940/41 und 2020/21
Meister der Regionalliga Nord und Teilnehmer an der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1965 Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord 1978
Aufstieg in die 2. Bundesliga 2017 Aufstieg in die 1. Bundesliga 2024
Spielstätte: Holstein-Stadion (Kapazität 15.034 Zuschauer)
Mitglieder: rund 11.900
Eingetragene Fan-Clubs: 12
Präsident: Steffen Schneekloth
Geschäftsführer: Wolfgang Schwenke (kaufmännisch), Olaf Rebbe (Sport) sh:z-Grafik