Der demografische Wandel bringt für Unternehmen in Schleswig-Holstein zunehmend Herausforderungen mit sich. Die Zahl der Bewerbenden sinkt, während unbesetzte Stellen zur Realität werden. Laut der Arbeitsmarktprojektion 2035 könnte sich dieser Arbeitskräftemangel weiter zuspitzen - mit bis zu - 330.000 fehlenden Fach- und Arbeitskräften. Eine Strategie zur Bewältigung dieser Entwicklung ist die stärkere Einbindung älterer Beschäftigter. Obwohl das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird, verabschieden sich viele bereits mit etwas über 64 Jahren aus dem Berufsleben. Unternehmen könnten hier ungenutztes Potenzial aktivieren - eine Win-win-Situation, die auch für Arbeitnehmende viele Vorteile bietet.
Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer findet sich in Preetz. Angela Pauler, 67 Jahre alt, ist seit über 20 Jahren als Physiotherapeutin im "Therapie- & Sportzentrum e.K.“ tätig. Regulär wäre sie seit April 2024 in Rente, doch dieser Gedanke wollte ihr nicht recht gefallen. Die Aussicht, in den Tag hinein zu leben und den Sinn der täglichen Arbeit zu verlieren, bereitete ihr Sorgen. „Eine feste Tagesstruktur, das zusätzliche Einkommen, das Zusammensein mit meinen tollen Kolleginnen und Kollegen sowie die Betreuung meiner langjährigen Patienten sind mir wichtig“, betont sie.
Anfang 2023 besprach sie ihre Zukunftspläne mit ihrem Mann und entschied sich nach einer Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung, trotz Rentenbezug weiterzuarbeiten.
Flexible Rahmenbedingungen waren für sie essenziell: Die Arbeitszeit wurde von 38,5 auf 20 Stunden pro Woche reduziert, ein Gesundheitskurs abgegeben - doch ihre Dauerpatienten wollte sie weiter betreuen.
Mit diesen Wünschen Marcel trat sie frühzeitig an ihren Vorgesetzten Batschkus heran und stieß auf Begeisterung. „Angelas Motivation und Ausstrahlung sind im ganzen Haus spürbar. Besonders ihre Patienten freuen sich sehr, dass sie weiterhin für sie da ist“, bestätigt Batschkus.
Herr Knobling, einer ihrer langjährigen Patienten, schätzt die Erfahrung und das Feingefühl von Angela Pauler besonders: „Aufgrund ihres Alters versteht mich Angela besser und fordert mich genau in der Weise, die ich brauche.“ Für Marcel Batschkus war es selbstverständlich, ihren Wünschen entgegenzukommen. „Egal, was am Ende herausgekommen wäre - ich hätte unterschrieben.“ Von den gängigen Vorurteilen gegenüber älteren Arbeitnehmenden hält er nichts und sieht große Vorteile in deren Erfahrungsschatz, von dem nicht nur Patienten, sondern auch jüngere Kolleginnen und Kollegen profitieren. Dieses Prinzip sei branchenübergreifend übertragbar.
Um sein Team auch künftig zu begeistern, setzt Marcel Batschkus auf eine wertschätzende Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeitende wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen. Arbeitgebende einfach „Die Zeiten, in denen ihren Stiefel durchziehen, sind lange vorbei“, resümiert er.
Diese Erfolgsgeschichte zeigt, dass ein flexibler Renteneinstieg nicht nur für Unternehmen von Vorteil ist, sondern auch für die ་ Arbeitnehmenden selbst – sei es durch soziale Kontakte, finanzielle Vorteile oder einfach das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden.
➡ Veranstaltungstipp für Unternehmerinnen, Unternehmer sowie Personalverantwortliche: Am 11.7.25 findet in Kiel die Veranstaltung „Graues Gold statt altes Eisen“ statt. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich persönlich mit Marcel Batschkus auszutauschen. Für weitere Informationen melden Sie sich gerne unter fi.sh@wimi.landsh.de.
Für einen zukunftsfähigen Arbeitsmarkt
Die hier vorgestellten Maßnahmen sind Teil der Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH). Seit 2012 vereint sie Vertreter/innen von Kammern, Verbänden, Gewerkschaften, Hochschulen und Ministerien des Landes, um gemeinsam zukunftsfähige Lösungen für den Arbeitsmarkt zu entwickeln und den Standort Schleswig-Holstein nachhaltig zu stärken. Mehr Infos unter www.schleswig-holstein.de/fachkraefte