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PD Dr. Hans-Peter Hauber: Allergie - Reaktion des Immunsystems

FOTOS: REGIO KLINIKEN; DRAGANA GORDIC/STOCK.ADOBE.COM

Der Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin der Regio Kliniken in Elmshorn über Ursachen, Diagnostik und moderne Therapieoptionen bei Erkrankungen der Atemwege und Allergien in der Pneumologie

Herr Dr. Hauber, bevor wir einsteigen, müssen wir das schwierige Wort einmal üben: Pneumologie. Woher kommt der Begriff eigentlich?

Der Begriff Pneumologie hat seine Wurzeln im Altgriechischen. „Pneumon“ bedeutet „Lunge“. Früher hieß es „Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde“. Heute ist die offizielle Bezeichnung „Facharzt für Pneumologie“ beziehungsweise „Innere Medizin und Pneumologie“.

Sie leiten seit Januar 2021 als Chefarzt die Abteilung für Pneumologie und Beatmungsmedizin der Regio Kliniken. Warum haben Sie sich für dieses Fach entschieden?

Ich bin tatsächlich eher durch Zufall dazu gekommen. Ich habe in Hamburg studiert und fand die Lunge schon im Studium spannend. Im UKE gab es damals einen starken Schwerpunkt in der Inneren Medizin und Gastroenterologie. Ich habe dort angefangen und wollte eigentlich Gastroenterologe werden. Dann wurde eine pneumologische Station neu aufgebaut und ich bin dorthin gewechselt. Ich habe meine „Liebe zur Lunge“ wiederentdeckt und merke bis heute: Das ist genau mein Fach.

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Stimmt es, dass sich die Lunge – kaum regenerieren kann – also „einmal geschädigt, bleibt geschädigt“?

Im Wesentlichen ja. Es gibt natürlich Forschung zur Regeneration und zu Stammzellen, aber das ist nicht vergleichbar mit Organen wie der Leber. Bei der Lunge gilt leider: Was strukturell kaputt ist, bleibt kaputt. Es gibt Umbauprozesse, Vernarbung, Veränderungen – aber eine vollständige Wiederherstellung ist selten.

Und eine Raucherlunge kann sich dann auch nicht mehr erholen?

Der Schaden, der einmal entstanden ist, bleibt bestehen. Auch Nichtraucher haben durch Umweltbelastung gewisse Ablagerungen – aber Rauchen ist natürlich einer der stärksten Faktoren, die die Lunge dauerhaft schädigen.

Ein Schwerpunkt von Ihnen ist Allergologie. Wie hängt das mit der Pneumologie zusammen?

Allergien manifestieren sich sehr häufig in den Atemwegen – oben als Heuschnupfen, unten als Asthma bronchiale. Man spricht von „United Airways“, also einem zusammenhängenden System aus oberen und unteren Atemwegen. Deswegen sind viele Pneumologen auch Allergologen, weil Asthma im Alltag sehr häufig allergisch mitbedingt ist.

Für Laien ist das schwer zu unterscheiden. Woher weiß man, ob Beschwerden eher „Lunge“ oder eher „Allergie“ sind?

Die Allergie ist zunächst eine Reaktionsweise des Immunsystems. Die kann sich an vielen Organen zeigen: Haut, Augen, Nase, Darm, Kreislauf und eben auch an der Lunge. In der Praxis ist die zentrale Frage oft: Handelt es sich beim Asthma um ein allergisches Asthma, ein nicht-allergisches oder ein Mischbild? Das ist manchmal tatsächlich nicht sofort klar. Als Laie kann man das kaum sicher unterscheiden.

Worauf achten Sie dann in der Sprechstunde zuerst?

Auf die Anamnese. Wann treten die Beschwerden auf? Gibt es typische Situationen – etwa beim Spaziergang über eine Wiese, im Pferdestall, bei Kontakt mit Katzen oder in bestimmten Jahreszeiten? Das spricht eher für eine Allergie. Nicht-allergisches Asthma beginnt häufig später und verschlechtert sich eher bei Infekten oder durch bestimmte Medikamente, zum Beispiel bei Unverträglichkeit von Aspirin oder anderen Schmerzmitteln.

Viele kommen mit dem Satz: „Ich habe eine Allergie, der Prick-Test ist positiv.“ Ist das automatisch eine Allergie?

Nicht automatisch. Ein positiver Prick-Test zeigt erst einmal eine Sensibilisierung – der Körper hat sich mit einem Allergen auseinandergesetzt. Eine Allergie ist Sensibilisierung plus klinische Symptome. Es gibt Menschen, die im Test auf Katze positiv sind, aber keinerlei Beschwerden haben. Dann ist es wichtig, das richtig einzuordnen, sonst entstehen unnötige Ängste oder Konflikte.

Gibt es eine genetische Komponente – also wird Allergie vererbt?

Vererbt wird die Neigung zur allergischen Reaktion, nicht ein spezielles Allergen. Wenn kein Elternteil allergisch ist, ist das Risiko für Kinder deutlich geringer, als wenn ein oder sogar beide Eltern betroffen sind. Und es ist keine klassische „Ein-Gen“-Vererbung, sondern mehrere Faktoren spielen zusammen.

Wenn man diese Neigung kennt: Kann man als Eltern vorbeugend etwas tun?

Ganz wichtig ist, in Schwangerschaft und Stillzeit auf das Rauchen zu verzichten. Stillen wirkt protektiv. Und man sollte es mit der Sterilität nicht übertreiben: Kinder brauchen normale Umweltkontakte, damit das Immunsystem lernen kann. Das heißt nicht, dass man Hygiene vernachlässigt, aber ein übertrieben steriles Umfeld ist nicht hilfreich.

Kann man eine Allergie wieder loswerden?

In der Regel nicht. Im Kindesalter kann sich in der Pubertät etwas ändern, manchmal verschwinden Symptome. Aber grundsätzlich bleibt eine Allergie meist bestehen. Was wir aber gut machen können, ist eine Hyposensibilisierung, also eine spezifische Immuntherapie, die das Immunsystem toleranter macht – je nach Allergen mit guten Erfolgen. Sie braucht allerdings Geduld über mehrere Jahre.

Haben Allergien in den letzten Jahren zugenommen?

Ja, wir sehen insgesamt einen Anstieg. Die Gründe sind komplex. Der Klimawandel spielt sicher eine Rolle: Pollensaisons beginnen früher, Belastungen können stärker sein, und neue Pflanzen wie Ambrosia breiten sich aus. Auch Umweltfaktoren wie Feinstaub können die Reaktivität verstärken.

Kann man auch mit 50 noch eine Allergie entwickeln?

Klassischerweise beginnen Allergien früh, aber neue Sensibilisierungen sind auch später möglich. Auch Asthma kann im höheren Alter neu auftreten. Das überrascht viele, ist aber nicht selten.

Viele denken: Wenn es regnet, ist es besser für Allergiker. Stimmt das?

Nicht immer. Bei Regen können Pollen aufplatzen und kurzfristig mehr allergen-wirksame Partikel freisetzen. Danach kann die Luft aber auch „reiner“ sein. Es kommt also auf den Zeitpunkt an.

Schimmel ist ein großes Angstthema. Wie oft ist Schimmel wirklich ein Trigger?

Aus meiner Erfahrung wird das häufig überschätzt. Schimmel ist überall. Es gibt echte Krankheitsbilder – schimmelvermitteltes Asthma, Überempfindlichkeitspneumonitis, bestimmte Aspergillose-Konstellationen bei Risikopatienten – aber bei gesunden Menschen ist eine schwere Schimmelproblematik selten. Wichtig ist, das differenziert abzuklären.

Was halten Sie von den vielen Hilfsmitteln: Milbenbezüge, Pollenschutzgitter, Nasenduschen?

Wenn eine Hausstaubmilbenallergie wirklich nachgewiesen ist, sind Encasings, also Milbenbezüge für Matratzen und Bettzeug, sehr wirksam und sinnvoll. Nasenduschen können unterstützend helfen, sind aber keine eigentliche Therapie. Filter, zum Beispiel im Auto, können ebenfalls unterstützen. Aber man sollte realistisch bleiben: Es sind Maßnahmen zur Erleichterung, nicht die Lösung für alles.

Sport und Asthma – lieber vermeiden oder gerade machen?

Sport ist grundsätzlich gut. Asthma ist keine Kontraindikation. Wenn Asthma gut eingestellt ist, können Betroffene in der Regel normal Sport treiben. Man muss nur Trigger beachten: bei einer Pollenallergie zum Beispiel nicht unbedingt in der Hochphase draußen joggen.

Kann Asthma die Lunge dauerhaft schädigen?

Asthma ist eine chronische Entzündung der Bronchien, nicht der Lungenbläschen. Wenn diese Entzündung lange unbehandelt bleibt, kann es zu Umbauprozessen kommen, und das Asthma kann teilweise irreversibel werden. Deshalb ist eine konsequente antientzündliche Therapie wichtig.

Kortison ist dabei oft das Reizwort. Wie begegnen Sie der Angst davor?

Man muss klar trennen: Inhalatives Kortison oder ein kortisonhaltiges Nasenspray wirken lokal und sind in den üblichen Dosen sehr gut verträglich. Das ist etwas anderes als eine wiederholte oder langfristige Einnahme von Kortison-Tabletten. Viele Ängste beruhen auf Erfahrungen aus früheren Zeiten, als Kortison systemisch und teils unkritisch eingesetzt wurde. Bei einer gut begründeten lokalen Therapie ist der Nutzen meist deutlich größer als das Risiko.

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In der Asthma-Therapie hat sich in den letzten Jahren viel getan, was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Fortschritt?

Für schwere Asthmaformen sind Biologika, also gezielte Antikörpertherapien, ein großer Fortschritt. Damit können wir bei bestimmten Patienten Exazerbationen reduzieren und vor allem den Bedarf an Kortison-Tabletten senken. Für die Mehrheit der Asthmatiker reicht aber weiterhin eine gut gesteuerte Inhalationstherapie.

Zum Schluss noch ein Thema, das immer häufiger auftaucht: Viele fragen erst Google oder eine KI. Wie sehen Sie „Dr. ChatGPT“?

Da ist eine Einordnung wichtig: Die Informationen sind nicht immer aktuell und nicht individuell auf den Menschen zugeschnitten. Zudem besteht die Gefahr, dass man sich verunsichern lässt oder Dinge falsch gewichtet. Am Ende braucht es Untersuchung, Anamnese und Erfahrung.
Interview: Julia Voigt


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