Eine schwere Herzschwäche entsteht häufig infolge eines Herzinfarktes, bislang blieben trotz moderner Medikamente oft nur Herztransplantationen oder mechanische Herzunterstützungssysteme als letzte Behandlungsmöglichkeiten – beides schwere chirurgische Eingriffe mit hohem Risiko. Der Einsatz eines so genannten Herzpflasters ist deutlich weniger invasiv und zeigte in der Studie mit 20 Patientinnen und Patienten nun signifikante Behandlungserfolge.
Bei einem Herzpflaster werden im Labor Stammzellen genutzt, um daraus schlagendes Herzgewebe zu züchten. Das Herzpflaster wird dann auf die Außenseite des geschädigten Herzens genäht, um dort eine neue Herzmuskelschicht zu bilden. Diese soll die geschwächte Herzmuskulatur stabilisieren und langfristig unterstützen.

In der ersten Phase der Studie wurde die höchstmögliche Dosis von 800 Millionen Herzzellen identifiziert, die sicher transplantiert werden kann. Jetzt zeigt die Auswertung der ersten 16 Personen, die die höchste sichere Dosis erhalten hatten, dass drei Monate nach der Behandlung eine Verdickung der geschädigten Herzwand eintrat. Zudem verbesserte sich die Pumpfunktion des Herzens, und die Patientinnen und Patienten berichteten über eine bessere Lebensqualität. Auch in der mittlerweile mehr als vierjährigen Nachbeobachtung der behandelten Patienten zeigten sich erste Hinweise auf eine anhaltende Verbesserung der Herzfunktion.
„Nach vielen Jahren der Forschung konnten wir jetzt erstmals zeigen, dass sich aus Stammzellen gezüchtetes Herzmuskelgewebe sicher bei Patienten einsetzen lässt“, sagt der chirurgische Studienleiter Prof. Dr. Stephan Ensminger, einer der Leiter des Universitären Herzzentrums Lübeck am UKSH und Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am UKSH, Campus Lübeck.
Bereits vor zwei Jahren haben UMG und UKSH erfolgreich die vorklinischen Daten zum „Herzpflaster“ publiziert. Nun liegen erstmals systematische klinische Daten aus einer größeren Patientengruppe vor. Unterstützt wurde die Entwicklung durch das Göttinger Biotechnologieunternehmen Repairon GmbH.
Proband bekam Herzpflaster am UKSH in Lübeck
Ein Patient, der am UKSH in Lübeck an der Herzpflaster-Studie teilnimmt, ist der 56jährige Mario Reschke. Er erlitt vor siebzehneinhalb Jahren einen Herzinfarkt, seine Herzleistung blieb anschließend trotz Reha, Medikamenten und dem Einsatz eines Defibrillators äußerst schwach und lag bei 20 bis 22 Prozent. „Der Einschnitt war sehr gravierend und meine Lebensqualität erheblich geschmälert. Insgesamt viermal musste mich der eingesetzte Defibrillator ins Leben zurückholen“, sagt Reschke. „Ich habe gemerkt, dass es mit meiner Leistungsfähigkeit rapide bergab ging. Als ich dann im vergangenen Jahr von der Möglichkeit des Herzpflasters gehört habe, war dies ein Hoffnungsträger, den ich sofort ergriffen habe.“ Die mehrstündige Operation für das Einsetzen des Herzpflasters überstand Reschke gut, nach rund zwei Wochen im Herzzentrum des UKSH am Campus Lübeck konnte er wieder nach Hause. Seine Herzleistung ist mittlerweile angestiegen. Sechs Monate nach der OP berichtete er: „Jetzt habe ich wieder Lebensqualität und Lichtblicke in alltäglichen Momenten, was mich positiv nach vorn schauen lässt.“
Mehr Informationen: https://www.uksh.de/herzzentrum-luebeck
Text: UKSH