Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Gleichzeitig zählt er zu den wenigen Krebsarten, die sich durch konsequente Vorsorge oft verhindern oder in einem frühen, gut behandelbaren Stadium entdecken lassen. Gesetzlich Versicherte haben deshalb ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf Darmkrebsfrüherkennung - entweder durch Darmspiegelungen oder durch regelmäßige Stuhltests. Bei familiärer Vorbelastung oder anderen Risikofaktoren kann eine frühere Vorsorge sinnvoll sein. Auch Warnzeichen wie Blut im Stuhl, anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder ungewollter Gewichtsverlust sollten frühzeitig ärztlich abgeklärt werden.
Zugleich zeigen Daten der vergangenen Jahre, dass Darmkrebs auch bei jüngeren Erwachsenen häufiger auftritt. Während Vorsorgeprogramme bei älteren Menschen Wirkung zeigen, steigt die Zahl der Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr weltweit an. Für Betroffene und ihr Umfeld ist das oft besonders belastend, weil die Diagnose in eine Lebensphase fällt, in der viele mitten im Beruf und im Familienleben stehen. Gerade deshalb kommt es auf eine Versorgung an, die nicht nur die Therapie selbst in den Blick nimmt, sondern auch Früherkennung, persönliche Risikofaktoren und die Zeit nach der Behandlung. Im UCCSH des UKSH stehen Patientinnen und Patienten in Kiel und Lübeck dafür moderne und eng abgestimmte Behandlungswege zur Verfügung. Ziel ist es, Darmkrebs zu vermeiden oder möglichst früh zu erkennen, Therapien individuell auszurichten und die Nachsorge so zu gestalten, dass sie sich am tatsächlichen Bedarf der Betroffenen orientiert.
Ein besonderer Fokus liegt auf Darmkrebs, der bereits in jungem Lebensalter auftritt, dem sogenannten Early-Onset Colorectal Cancer. Forschende wollen besser verstehen, warum diese Erkrankung häufiger wird und welche Rolle genetische Faktoren, Lebensstil, Ernährung oder Veränderungen im Mikrobiom spielen. Langfristig soll dieses Wissen helfen, Risiken früher zu erkennen und Vorsorge sowie Behandlung genauer auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen.
Für Betroffene endet die Herausforderung jedoch nicht mit der eigentlichen Therapie. Auch die Nachsorge ist entscheidend: Bleibt die Erkrankung dauerhaft überstanden? Gibt es Spätfolgen? Und wie lässt sich die Lebensqualität erhalten? Genau hier setzen Forschungsprojekte an, die im Umfeld des UKSH entwickelt werden und die Versorgung weiter verbessern sollen. So untersucht das Projekt OUTLIVE, wie Rückfälle bei jüngeren Darmkrebspatientinnen und -patienten möglichst früh erkannt oder im besten Fall verhindert werden können. Dabei geht es unter anderem um den Einfluss der Ernährung und neuartige Bluttests, die in der Nachsorge und zur Früherkennung von Rückfällen eingesetzt werden können. Das Projekt PROSURV richtet den Blick auf Langzeit- und Spätfolgen nach einer Darmkrebserkrankung, damit sich die Nachsorge künftig stärker daran orientieren kann, was einzelne Betroffene wirklich brauchen. Besonders wichtig ist dabei, dass auch die Perspektive der Patientinnen und Patienten selbst einbezogen wird.
Im UCCSH fließen Erkenntnisse aus Forschung und klinischer Praxis standortübergreifend in Behandlung und Nachsorge ein. Für Patientinnen und Patienten in Schleswig-Holstein bedeutet das: wohnortnahe Betreuung auf hohem Niveau und zugleich Zugang zu einer individualisierten Krebsmedizin, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Deutsche Krebshilfe hat das UCCSH und das Universitäre Cancer Center Hamburg nach einer umfangreichen Begutachtung als Onkologische Spitzenzentren anerkannt. Durch den Zusammenschluss beider Zentren als CCC Nord wird die Krebsforschung und -versorgung im Norden weiter gestärkt. Damit wird ein Einzugsgebiet mit sieben bis acht Millionen Einwohnern erreicht.
Weitere Informationen: www.uksh.de/uccsh
Text + Foto: UKSH