Wenn eine Operation notwendig wird, wünschen sich die meisten Menschen einen möglichst schonenden Eingriff und eine schnelle Erholung. Genau hier setzt die roboterassistierte Chirurgie am UKSH an. Im Kurt-Semm-Zentrum kommen inzwischen drei „daVinci-Xi“-Systeme im gesamten Eingriffsspektrum im Bauch- und Brustbereich zum Einsatz. Mit fast 9.000 Eingriffen allein am Campus Kiel ist diese High-Tech-Chirurgie am UKSH zum fest etablierten Standard geworden.
„Für uns ist Robotik kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Eingriffe für unsere Patientinnen und Patienten so präzise und schonend wie möglich durchzuführen“, sagt Prof. Dr. Thomas Becker, Sprecher des Kurt-Semm-Zentrums und Direktor der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie.
Das Besondere in Kiel ist dabei nicht allein die Technik, sondern die enge Zusammenarbeit vieler Fachrichtungen. Das Kurt-Semm-Zentrum wurde 2015 auf Initiative von Prof. Klaus-Peter Jünemann gegründet – als erstes interdisziplinäres Robotikzentrum Deutschlands. Von Anfang an war das Ziel, robotische Chirurgie fachübergreifend weiterzuentwickeln. Im Kurt-Semm-Zentrum arbeiten unter anderem Urologie, Gynäkologie, Allgemein- und Kinderchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, HNO sowie Herz- und Gefäßchirurgie eng zusammen. Unterstützt werden sie dabei auch durch die Radiologie und die Klinische Anatomie der CAU.

Für Patientinnen und Patienten hat das konkrete Vorteile: Auch bei komplexen Erkrankungen wird das Wissen verschiedener Fachgebiete gebündelt. Erfahrungen werden geteilt und neue Methoden schneller in die Versorgung übertragen. So entstehen technisch ausgereifte Behandlungswege, die sich am Nutzen für die Betroffenen orientieren. „Gerade bei komplexen Eingriffen ist es ein großer Vorteil, wenn verschiedene Fachrichtungen ihre Erfahrung bündeln“, sagt Becker. „So können wir die bestmögliche Behandlung noch gezielter planen.“
In den vergangenen Jahren sind in Kiel zahlreiche neue Verfahren entstanden, die auch über das UKSH hinaus Beachtung gefunden haben. So wurden hier gemeinsame Eingriffsmethoden entwickelt, die inzwischen von anderen Kliniken übernommen wurden. Auch ungewöhnliche Anwendungen wurden erfolgreich umgesetzt, etwa mikrochirurgische Verfahren mit dem „Symani“-System in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
Inzwischen ist das Kurt-Semm-Zentrum mehr als ein klinisches Zentrum. Neben dem 2020 gegründeten Trainingszentrum KurtSemm-Akademie ist eine enge Forschungskollaboration mit verschiedenen Lehrstühlen der CAU entstanden, aus der die vom Land und der EU geförderten Projekte „OP der Zukunft“ und „TWIN-WIN“ hervorgingen. In einem Forschungslabor mit Vollausstattung für experimentelle Chirurgie beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit KI-bezogenen Forschungsfragenrund um die klinische Robotik.
Zugleich wird der Ausbau zu einem campusübergreifenden Zentrum vorangetrieben, das die Stärken der Standorte Kiel und Lübeck noch enger verbindet. Auch eine Erweiterung des robotischen Instrumentariums durch sogenannte Single-Port-Systeme und die „da-Vinci“-Systeme der neuesten Generation wird bereits ins Auge gefasst. „Unser Anspruch ist, innovative Chirurgie immer so weiterzuentwickeln, dass wir den Menschen in Schleswig-Holstein eine erstklassige Chirurgie auf höchstem technischem Stand anbieten“, sagt Becker. „Entscheidend sind schonende Verfahren, hohe Sicherheit und eine gute Erholung unserer Patientinnen und Patienten nach der Operation.“
Weitere Informationen: www.uksh.de/kurtsemmzentrum
Text + Fotos: UKSH