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Schleswig-Mittelholstein: Jede zweite Firma auf Chefsuche

Georg Schäfer über Chancen und Herausforderungen im Firmenkundengeschäft

Georg Schäfer verantwortet als Vorstand das Firmen- und Privatkundengeschäft in der Region Schleswig-Mittelholstein. Zudem leitet er die Bereiche Private Banking, Agrar und Erneuerbare Energien sowie Marketing und Kommunikation. 

Herr Schäfer, wie viele Firmen bei uns benötigen in absehbarer Zeit einen neuen Chef?
Schäfer: Etwa die Hälfte der Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg müssen in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen eine Nachfolge für sich finden. Zirka jeder Vierte hat das noch nicht geregelt. Wie wichtig das für unsere Wirtschaft ist, lässt folgende Zahl erahnen: 45 Prozent aller Chefs zum Beispiel in Handwerksbetrieben sind über 55 Jahre alt. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei ca. 20 Prozent.

Ist der Eindruck richtig, dass sich manche Firmeninhaber zu spät über ihre Nachfolge Gedanken machen?
 Schäfer:
Der Eindruck ist richtig. Meist wird zu spät mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Man muss bedenken, dass dieser Nachfolgeprozess immer mehrere Jahre dauert. Es geht um steuerliche, familiäre, rechtliche Aspekte. Das Unternehmen muss zum Beispiel betriebswirtschaftlich bewertet werden, um einen "Unternehmens-Preis" zu ermitteln. Ein wesentlicher Punkt ist auch: Die Chemie und das Vertrauen zwischen altem und neuem Chef müssen stimmen oder aufgebaut werden. Es gibt aber gerade in Familienbetrieben sehr positive Beispiele. Da werden der Sohn, die Tochter oder sogar beide sehr früh in das Familienunternehmen integriert und somit eine reibungslose Nachfolge sichergestellt.

Unternehmen aus der Region

Gibt es Branchen, die besonders betroffen sind in Bezug auf eine ungeklärte Nachfolge?
Schäfer:
Aus der Erfahrung sage ich, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe sicherlich ganz vorn mit dabei ist. Dies hängt sicherlich auch mit den Genehmigungsverfahren und Auflagen zusammen, die ein neuer Betreiber erfüllen muss. Frei von diesen Sorgen ist aber keine Branche. Schon jetzt schränken Betriebe ihre Öffnungszeiten oder ihre Produktpalette ein, da kein Nachfolger oder zu wenig Mitarbeiter vorhanden sind. 

Was sollte ein Firmenchef tun, um die Nachfolge zu regeln?
Schäfer:
Der wichtigste Rat lautet: bitte früh mit der Suche anfangen, also etwa mit Mitte 50. Dazu zählt, extern und intern für das Unternehmen zu werben, offen zu kommunizieren, Chancen und Risiken aufzuzeigen. Zudem sollten im Unternehmen Führungsstrukturen frühzeitig aufgebaut werden, durch die der Betrieb reibungslos weiterläuft, auch wenn der Chef mal nicht mehr voll operativ tätig ist bzw. sein kann. Ein Notfallplan muss in jedem Unternehmen etabliert sein.

Sitz der neuen Bank in Osterrönfeld.     FOTOS: MICHAEL RUFF
Sitz der neuen Bank in Osterrönfeld.     FOTOS: MICHAEL RUFF

Die meisten Menschen zeigen wenig Ambitionen,selbstständig zu werden. Warum?
Schäfer:
Das Wort "Selbstständig“ setzt sich aus „selbst“ und „ständig“ zusammen. Das ist hier im wahrsten Sinne wörtlich zu nehmen. Eine 40-Stunden-Woche gibt es in einer solchen Führungsrolle sicherlich nicht. Aber ein Unternehmer kann und darf hier auch Geld verdienen. Das Glück "muss" auch hier bei "dem Tüchtigen" sein. 

Wie kann die Bank bei diesem Prozess des Selbstständigwerdens unterstützen?
Schäfer:
Es gibt unter anderem eine Nachfolgebörse namens "Nexxt - Change“ von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hier kann ein Unternehmer mit der Industrie- und Handelskammer, seiner Bank oder seinem Steuerberater eine "Suchanzeige“ für sein Unternehmen erstellen. Das läuft alles sehr vertrauensvoll und diskret ab. Ferner haben wir Spezialisten bei unserer DZ BANK unter www.vr-nachfolgeberatung.de. 

Gibt es auch den umgekehrten Fall, also "Chef sucht Firma“?
Schäfer:
Ja, natürlich. Ich empfehle: Wer Unternehmer werden will, sollte auch etwas unternehmen, etwa seinen Chef konkret ansprechen und Interesse signalisieren oder den Kontakt zur IHK oder den Handwerkskammern suchen. Ein solches Anliegen trifft zur Zeit auf sehr fruchtbaren Boden. 

Was kostet es, eine Firma zu übernehmen?
Schäfer:
Hier ist der Bandbreite keine Grenze gesetzt. Der Kaufpreis eines Unternehmens wird sehr genau von Fachleuten bewertet/ermittelt. Wichtig ist dabei nicht nur, über welche Sachwerte die Firma verfügt, sondern auch, welchen Ertrag sie erwirtschaftet beziehungsweise wie sich die betriebswirtschaftliche Gesamtsituation darstellt. Auch eine große Kundendatei hat ihren Wert. Als Bank helfen wir bei all diesen Fragen. Dies ist unser Job.


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