Bent Nicolaisen ist in der neuen Bank für das Firmen- und Privatkundengeschäft in der Region Westküste und Handewitt verantwortlich, außerdem für den Bereich Bauen und Wohnen sowie das Vertriebsmanagement.
Herr Nicolaisen, für junge Menschen ist der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses nicht mehr unbedingt Teil ihrer Lebensplanung - weil die Kosten so hoch sind und man heute häufiger den Arbeitsort wechselt. Was raten Sie jungen Leuten?
Nicolaisen: Ich rate jungen Menschen auf jeden Fall über einen Immobilienkauf nachzudenken. Aber ich würde nicht die klassische Herangehensweise empfehlen, dass man ein Haus oder eine Wohnung. fürs ganze Leben erwirbt. Denn nicht nur im Beruf lässt sich Karriere machen, sondern auch als Hauseigentümer. Warum also nicht klein anfangen und dann mit wachsendem Einkommen über eine Immobilie nachdenken, die noch besser zu den eigenen Wünschen passt? Das erste Haus oder die erste Wohnung muss nicht die ultimative Traumimmobilie sein.
Was müssten junge Leute für Summen kalkulieren, wenn es dann doch ein schickes Einfamilienhaus sein soll?
Nicolaisen: Das Budget für ein Einfamilienhaus liegt in unserem Geschäftsgebiet heute bei 500.000 bis 600.000 Euro. Das kann nicht jede Familie aufbringen. Immobilien sind heute einfach teurer geworden. Das liegt an den gestiegenen Zinsen, aber auch an höheren Anforderungen an die energetische und technische Ausstattung sowie an höheren Grundstückspreisen.
Deswegen gehe ich davon aus, dass das günstigere klassische Reihenhaus wieder an Bedeutung gewinnen wird. Das 170 Quadratmeter große Einfamilienhaus, das heute über eine halbe Million Euro kostet, ist für viele am Anfang ein zu großer Schritt. Aber die neue Arbeitswelt bietet auch neue Chancen. Mobiles Arbeiten macht ein Stück weit unabhängiger davon, wo sich der Arbeitgeber und Wohnort befinden. Man muss also nicht mehr zwingend in der Nähe seines Arbeitsortes wohnen, sondern kann sich dort eine Immobilie suchen, wo es das beste Angebot gibt.
In den Vereinigten Staaten wechselt man das eigene Haus beinahe so häufig wie hierzulande das Auto. Nähern wir uns diesen Verhältnissen an?
Nicolaisen: Die Umschlagshäufigkeit wird tendenziell steigen, trotzdem erwarte ich bei Immobilien keine amerikanischen Verhältnisse. In Deutschland ist es nicht üblich, ein Einfamilienhaus als Spekulationsobjekt zu sehen. Hier wird eine sehr sichere Finanzierung über zehn Jahre oder länger abgeschlossen. In Amerika hingegen sind die Zinsen oft variabel, was schon zu Immobilienkrisen geführt hat, als die Zinsen stiegen und die Schulden nicht mehr bezahlt werden konnten. Unsere Kunden haben das Ziel, dass die Immobilie bezahlt ist, wenn man in den Ruhestand geht. Die ersparte monatliche Rate verbessert dann die Altersversorgung. Das gibt es in Amerika so nicht.
Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um von Ihnen einen Kredit für den Bau eines Hauses zu bekommen?
Nicolaisen: Zunächst einmal braucht man viel Lust und Mut für das Projekt. Wichtig ist, dass eine Finanzierung nicht spitz auf Knopf kalkuliert wird. Wir achten. darauf, dass sie unsere Kunden nicht überfordert. Eine Finanzierung ist dann solide, wenn das Leben normal weitergeht und man sich auch mal einen Urlaub leisten kann. Wenn man es schon in der Zeit vor dem Kauf schafft, regelmäßig Geld beiseitezulegen, dann gewöhnt man sich an die höheren monatlichen Ausgaben. Die monatliche Rate plus die vorherige Sparrate sollten dann das Budget nicht sprengen.
Die Bauwirtschaft kritisiert, dass die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau in Deutschland potenzielle Käufer überfordern. Was können Bund und Land tun, um Familien den Kauf einer Immobilie zu erleichtern?
Nicolaisen: Die Politik hat immer höhere Klimaschutz-Anforderungen an neue Gebäude gestellt. Aber sie hat es versäumt, auch Möglichkeiten zu schaffen, diese Mehrkosten bewältigen zu können. Hier sollte man ansetzen. Man könnte über eine neue Eigenheimzulage nachdenken. Man sollte aber auch erwägen, erweiterte Abschreibungsoptionen für selbstgenutzte Immobilien einzuführen, um eine klimafreundliche Haustechnik zumindest teilweise gegenzufinanzieren.
Zusätzlich sollten wir überlegen, ob wir die Gebäudeanforderungen nicht etwas zurücknehmen. Ich glaube, dass sich viele Menschen auch in einem 30 Jahre alten Mehrfamilienhaus wohlfühlen würden, das noch nicht nach den heutigen Schallschutzanforderungen errichtet wurde.
Die Politik sollte dem Markt mehr Spielraum lassen. So kann ein Mieter entscheiden, ob er 16 Euro Miete für eine top-ausgestattete Wohnung zahlen will oder 10,50 Euro für eine Wohnung mit einfacherer Ausstattung.