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Feuerwehr Elmshorn: Du tust etwas, was Bedeutung hat

„Das wird für Jugendarbeit verwendet“, kündigt Kreiswehrführer Stefan Mohr an. 10 Prozent der Anzeigenerlöse dieser Beilage werden wieder für die Feuerwehrarbeit gespendet. Foto: Michael Ruff

Kreisbrandmeister Stefan Mohr fordert im Interview mehr Respekt für Retter, während die Jugendabteilungen im Kreis Pinneberg konstanten Nachwuchs entwickeln.

Stefan Mohr ist Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes und Kreisbrandmeister aus Elmshorn. Er ist feuerwehrtechnischer Berater der Landrätin sowie der Kommunen im Kreisgebiet und kümmert sich um die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren. Im Interview spricht Mohr über Perspektiven, Zukunft und Herzenswünsche.

Ein aktuelles Thema ist ja der starke Rückgang von Menschen im Ehrenamt. Gilt das auch für die Feuerwehr?

Ich kann das so nicht bestätigen, im Gegenteil. Wir haben regen Zulauf. Ich sehe das in meiner Heimatwehr in Elmshorn: Natürlich könnten einige Wehren personell noch ein bisschen nachlegen. Aber grundsätzlich funktioniert die Mitgliedergewinnung auch, weil die Feuerwehren viel machen. Tage der offenen Tür, Werbekampagnen, Präsenz in der Öffentlichkeit, das hilft. Am Ende ist es aber immer freiwillig. Man muss sich bewusst entscheiden, Zeit und Energie zu investieren.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Argumente, warum Menschen heute noch zur Feuerwehr wollen?

Häufig ist es tatsächlich eine familiäre Geschichte. Bei mir war das auch so: Wenn Verwandte in der Feuerwehr waren, dann kriegt man dieses Virus meistens mit. Das zieht sich oft über Generationen. Und dann gibt es zwei Dinge, die nach meinem Dafürhalten besonders ziehen. Das erste ist Kameradschaft. Bei der Feuerwehr erlebst du Dinge, die manchmal grenzwertig sind und du musst dich auf deinen Nebenmann verlassen können. Wir gehen zusammen durch einen Brand und wir wollen auch zusammen wieder rauskommen. Das ist eine Intensität, die viele anderswo so nicht erleben. Das zweite ist – ich sage das manchmal mit einem Augenzwinkern – Feuerwehrdienst ist das große Spielzeug für Erwachsene. Technik, Fahrzeuge, Geräte, Taktik. Wer technikaffin ist, findet da einen unglaublich spannenden Ausgleich. Ich war ja selbst eher Büromensch und Feuerwehr ist dann ein Kontrast. Und es ist sinnstiftend. Du tust etwas, was unmittelbar Bedeutung hat.

Feuerwehr nimmt man „mit fürs Leben“. Was meinen Sie damit?

Feuerwehrleute lernen unheimlich viel, auch Dinge, die man privat anwenden kann. Technikverständnis, Physik und Organisation. Auch strukturiertes Denken ist in der Feuerwehr zentral, gerade wenn man Verantwortung trägt. Je höher die Funktion ist, desto wichtiger ist es, Einsätze sauber zu planen, zu führen und zu dokumentieren. Das ist ein echtes Training fürs Leben.

Jugendfeuerwehr ist ein Stichwort. Welche Rolle spielt sie im Kreis Pinneberg?

Das ist eine der wichtigsten Säulen überhaupt. Ich habe damals, als ich Wehrführer wurde, als erste Amtshandlung eine Jugendfeuerwehr gegründet. Weil ich schon damals gesehen habe: Wenn du keine Jugendfeuerwehr hast, bekommst du später Probleme. Und wenn ich heute auf meine eigene Gemeinde, auf meine Stadt sehe: In der aktiven Wehr besteht heute etwa die Hälfte aus ehemaligen Jugendfeuerwehrmitgliedern.

Wir sind der einzige Kreis im Land, in dem wirklich jede Feuerwehr eine Jugendabteilung hat. Das ist einmalig. Es gibt bei uns keine Feuerwehr ohne Jugendabteilung. Das ist ein riesiger Vorteil, weil du damit konstant Nachwuchs entwickelst. Wir hatten gerade Pfingsten ein Zeltlager mit rund 800 Jugendlichen. Wenn du sie dann siehst, wie sie gemeinsam zur Begrüßung einlaufen, das ist ein beeindruckendes Bild. Da geht einem das Herz auf, weil man sieht: Da wächst etwas nach.

Welche Werte vermittelt die Jugendfeuerwehr aus Ihrer Sicht?

Die Feuerwehr hat Vorbilder und vermittelt Sozialkompetenz, Teamgeist, aber setzt auch Leitplanken. In der Jugendfeuerwehr lernst du früh: Du bist nicht allein. Du hast Verantwortung, du musst dich auf andere verlassen und andere auf dich. Das prägt.

Sie haben im Vorgespräch auch das Projekt „Jugendfeuerwehr meets Handwerk“ angesprochen. Was steckt dahinter?

Wir haben das vor drei Jahren schon einmal gemacht und planen das wieder. Die Idee ist eine Winwin-Situation: Handwerksbetriebe suchen Auszubildende, die technikaffin sind und Sozialkompetenz mitbringen. Genau das entwickeln Jugendliche in der Jugendfeuerwehr von klein auf und wir helfen unseren Jugendlichen auf der Suche nach Ausbildungsplätzen.

Was sind die großen Themen, die Sie aktuell beschäftigen, auch mit Blick auf das nächste Jahr?

Wir haben gerade den sogenannten „Operationsplan Deutschland“ auf der Agenda. Aber wir wissen noch nicht genau, was das praktisch für uns bedeutet. Wir sind im Katastrophenschutz tätig. Und wir merken: Themen wie Klimawandel, Wald- und Flächenbrände, Extremwetterlagen, darauf müssen wir vorbereitet sein. Wir passen zum Beispiel unsere Einsatzschutzkleidung teilweise an Wald- und Flächenbrände an. Da kann man nicht einfach mit der Kleidung arbeiten, die man für Wohnungsbrände oder Innenangriffe nutzt. Das ist ein anderes Szenario, andere Belastung, anderes Material. Dafür braucht es neues Equipment. Und dann gibt es das Thema Zivilschutz: Eigentlich ist das nicht unser unmittelbarer Zuständigkeitsbereich. Aber der Zivilschutz greift auf die Strukturen des Katastrophenschutzes zurück, also sind wir am Ende doch wieder im Spiel. Und wir alle wissen gerade nicht, was auf uns zukommt. Diese Unsicherheit spürt man auch gesellschaftlich.

Ein weiterer Punkt ist das Geld. Wie stark trifft die wirtschaftliche Lage im Land die Feuerwehren?

Was wir wirklich massiv merken, ist die Preissteigerung – bei Fahrzeugen, Geräten, Ausstattung. Ich bin seit 44 Jahren in der Feuerwehr. Wir haben vor 25 Jahren ein Löschfahrzeug gekauft, das kostete umgerechnet rund 480.000 Euro. Wenn wir heute ein vergleichbares Fahrzeug kaufen, liegen wir bei 840.000 Euro. Drehleitern kosteten früher mal eine halbe Million, heute sind es bis zu 1,3 Millionen Euro. Auch im Betrieb steigen die Kosten, das fängt beim Tanken schon an. Trotzdem: Im Großen und Ganzen sind wir im Kreis gut ausgestattet.

Zur Tagesverfügbarkeit: Welche konkreten Lösungen gibt es – gerade in Städten?

In größeren Städten wie Elmshorn, Pinneberg, Wedel oder Quickborn hat man die Zahl der hauptamtlichen Gerätewarte hochgefahren. Ich kann es aus Elmshorn konkret sagen: Da sitzen tagsüber rund 13 Leute, die tagsüber das Tagesgeschäft übernehmen, also die kleineren Einsätze. Bei hohen Einsatzzahlen wären das sonst ständig Alarmierungen, bei denen man Ehrenamtliche von der Arbeit holen müsste: Notfalltür, Ölspur, Mülleimerbrand und so weiter. Das lässt sich so besser abfangen. Aber: Das funktioniert erst ab einer gewissen Größe. In kleineren Wehren läuft es häufig über Kooperation: Alarmpläne werden angepasst, Nachbarwehren werden mitalarmiert und dann klappt es auch.

Wie tolerant sind Arbeitgeber in der Praxis?

Es gibt grundsätzlich die gesetzliche Verpflichtung, dass Arbeitgeber freistellen müssen. Aber Theorie und Praxis sind natürlich nicht identisch. Wenn du Zahnarzt bist und gerade eine OP läuft, kannst du nicht einfach gehen. Wenn du Gasmonteur bist und eine Leitung ist offen, kannst du auch nicht weg. Aber in der Breite ist die Erfahrung: Arbeitgeber haben viel Verständnis. Denn jeder kann plötzlich selbst betroffen sein.

Viele Arbeitgeber stellen frei und können den Lohnausfall bei der Stadt beantragen, was die meisten aber nicht tun. Bei uns im Kreis haben wir Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in diesem Ehrenamt sehr gut unterstützen.

Wie läuft die Zusammenarbeit im Kreis, mit Kommunen, Bauhöfen, Energieversorgern, Leitstellen, Polizei, Bundeswehr, THW?

Super. Wir sitzen regelmäßig zusammen. Der Kreis Pinneberg hat eine Ansprechgruppe Katastrophenschutz, in der wir uns austauschen. Da sind Polizei, Bundeswehr, Energieversorger, Stadtwerke, THW, Feuerwehr und weitere Akteure dabei. Wir treffen uns etwa alle vier Wochen und besprechen Pläne und Notfallkonzepte – zum Beispiel Energiemangellage, Blackoutlage oder Binnenhochwasser. Das wird vom Kreis vorbereitet, und alle relevanten Spieler sitzen an einem Tisch. Auch auf Leitungsebene gibt es regelmäßigen Austausch.

In eigener Sache: 10 Prozent der Anzeigenerlöse dieser Beilage werden für die Feuerwehrarbeit gespendet. 2014 waren es 3172 Euro. Was wird damit gemacht?

Diese Gelder gehen an die Jugendfeuerwehr. Dort gibt es regelmäßig Beschaffungen, Zeltlager, Veranstaltungen wie den Kreisjugendfeuerwehrtag oder Wettkämpfe. Das wird für Jugendarbeit verwendet, und das ist wertvolles Geld. Wir sind darauf angewiesen und sind sehr dankbar, dass das Pinneberger Tageblatt uns unterstützt.

Was wünschen Sie sich persönlich, was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Zwei Dinge. Das erste ist mehr Respekt für Retter. Dass Einsatzkräfte nicht angegriffen oder bepöbelt werden. Dass Leute nicht im Weg stehen, dass Gaffer keine Verletzten fotografieren. Da muss ein Bewusstsein entstehen, da braucht es einen Ruck durch die Gesellschaft. Und ich finde: Wir müssen wieder vernünftig miteinander reden und nicht übereinander herziehen auf Instagram oder Facebook.

Das zweite ist eine solide Ausstattung durch die Kommunen: vernünftige Feuerwehrhäuser, in denen man sich angemessen umziehen und aufhalten kann. Dass Investitionen verlässlich freigehalten werden: für Fahrzeuge, Material und vor allem für die persönliche Schutzausrüstung. Die ist unsere zweite Haut, die auch uns Helfer schützt.

Julia Voigt

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