Es sind die Bilder, die nach einem Feuerwehreinsatz noch lange in Erinnerungen bleiben. Die von Unfallopfern, der Schrecken in den Gesichtern der Betroffenen, das ausgebrannte Kinderzimmer. Manchmal brauchen auch unsere Helfer in der Not selbst Hilfe. Dann, wenn die Seele nicht hinterherkommt.
Nils Blöcker ist Teamleiter und Ansprechpartner der PSNV-E – der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte – beim Kreisfeuerwehrverband Pinneberg und selbst aktives Mitglied. „Unsere Aufgabe ist es, Kameraden nach belastenden Ereignissen aufzufangen und seelisch gesund aus dem Einsatz gehen zu lassen“, bringt er die Funktion auf den Punkt.
Wichtig ist ihm dabei die Unterscheidung: PSNV ist der Oberbegriff, geteilt wird in zwei Bereiche. Die Betreuung von Betroffenen und Angehörigen (PSNV-B) ist freiwillig und läuft im Kreis Pinneberg aktuell zum Beispiel über die Kirche.
Die Unterstützung der Einsatzkräfte (PSNV-E) dagegen ist Pflicht, da auch Feuerwehren in dem Moment wie ein Arbeitgeber behandelt werden. „Heißt, die Wehren müssen sich darum kümmern, dass ihre Leute nicht nur körperlich heil aus dem Einsatz kommen, sondern auch psychisch gesund bleiben“, sagt Nils Blöcker.
Die Arbeit des PSNV-ETeams passiert im Hintergrund. Zum einen entscheidet der Einsatzleiter direkt nach Einsätzen, ob Unterstützung benötigt wird. Auch später noch können sich Feuerwehrleute direkt melden. Beispielsweise dann, wenn ein Einsatz nicht mehr aus dem Kopf geht. „Selbst Jahre später kann noch etwas hochkommen“, weiß Nils Blöcker. Was viele überrascht: Es sind nicht nur die großen, offensichtlich schlimmen Fälle, die hängen bleiben, sondern manchmal reicht das Weinen eines Kindes, das in Erinnerung bleibt. „Man kann das nicht planen und nicht an einer Einsatzart festmachen.“
Das PSNV-E-Team ist die „Feuerwehr für die Feuerwehr“: Die Mitglieder kümmern sich um die erste Phase nach einem belastenden Ereignis. Dann geht es oft darum, das Chaos im Kopf zu sortieren. „Oft fehlen den Rettungskräften alle notwendigen Informationen im Nachhinein, damit der Kopf es verarbeiten kann,“ sagt Blöcker. Daher ist eine Abschlussbesprechung wichtig. Das nimmt Druck raus und verhindert Spekulationen. Nils Blöckers Kernsatz dazu: „Reden hilft.“
Das Hauptaugenmerk für die Feuerwehren liegt in der Prävention, ob jetzt bei Lehrgängen oder auch im Dienst werden die Einsatzkräfte darauf vorbereitet, dass traumatische Ereignisse passieren können. Das Team hat sich im Kreis Pinneberg immer weiterentwickelt, angefangen hat es mit drei Mitgliedern. „Wir sind jetzt insgesamt 17 Leute“, ergänzt Blöcker.
Die Ausbildung wird vom Land über die Landesfeuerwehrschule angeboten: drei Wochen Grundausbildung, danach alle zwei Jahre Fortbildungen.
Dass die Gruppe wächst, hat auch mit mehr Aufmerksamkeit in den Wehren zu tun. „Das Thema PSNV kommt inzwischen in der Ausbildung fast überall vor“, sagt Blöcker. Das sorgt für mehr Sensibilität, mehr Anfragen und auch für mehr Menschen, die sagen: Ich will da mitmachen.
Julia Voigt
Zahlen, Daten, Fakten
Die Mitgliederzahlen der Feuerwehren in der Region im Überblick
Im gesamten Zuständigkeitsbereich leisten aktuell 2739 aktive Mitglieder Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren, Werkfeuerwehren und Sondereinheiten. Davon sind 313 Frauen, was einem weiblichen Anteil von rund 11,4 Prozent entspricht. Die personelle Stärke verteilt sich dabei sehr unterschiedlich auf die einzelnen Ämter und selbstständigen Gemeinden.
Amt Elmshorn-Land:
Im Amt Elmshorn-Land stellt die Freiwillige Feuerwehr Klein Offenseth-Sparrieshoop mit 62 Aktiven die größte Mannschaft und verzeichnet mit 18 Feuerwehrfrauen auch den mit Abstand höchsten Frauenanteil im Amt. Es folgt die Freiwillige Feuerwehr Klein Nordende mit 58 aktiven Mitgliedern, davon sind 5 weiblich.
Die Wehren in Kölln-Reisiek und Seester zählen jeweils exakt 45 Aktive, wobei in Kölln-Reisiek 8 und in Seester 7 Frauen engagiert sind. Die Freiwillige Feuerwehr SeethEkholt kommt auf 47 Aktive (6 weiblich), die Freiwillige Feuerwehr Seestermühe auf 37 (3 weiblich) und das Schlusslicht bildet die Freiwillige Feuerwehr Raa-Besenbek mit 36 aktiven Mitgliedern, darunter 4 Frauen.
Amt Geest und Marsch Südholstein:
Die personell stärkste Wehr in diesem Amt ist die Freiwillige Feuerwehr Appen mit 70 aktiven Mitgliedern (10 weiblich). Jeweils 58 Aktive verzeichnen die Wehren in Heist (9 weiblich) und Moorrege (5 weiblich).
Gut aufgestellt präsentieren sich auch Heidgraben mit 50 Aktiven (5 weiblich) und Holm mit 49 Kräften (4 weiblich). Die Freiwillige Feuerwehr Haselau zählt 47 Aktive, meldet jedoch als einzige Wehr des Amtes keine weiblichen Mitglieder. In Neuendeich engagieren sich 40 Personen (8 weiblich), in Hetlingen sind es 39 (2 weiblich) und in Groß Nordende 33 Aktive (7 weiblich). Das Amt komplettiert die Freiwillige Feuerwehr Haseldorf mit 42 aktiven Mitgliedern, darunter eine Frau.
Amt Hörnerkirchen:
Das Amt Hörnerkirchen verfügt über drei Wehren. Die größte ist die Freiwillige Feuerwehr Brande-Hörnerkirchen/Osterhorn mit 51 Mitgliedern, von aktiven denen 9 weiblich sind. Deutlich kleiner sind die Freiwillige Feuerwehr Westerhorn mit 36 Aktiven und die Freiwillige Feuerwehr Bokel mit 29 Kräften; in beiden Wehren engagiert sich jeweils eine einzige Frau.
Amt Pinnau:
Im Amt Pinnau liegen die Mitgliederzahlen der fünf Wehren dicht beieinander. Die Spitzenplätze belegen die Freiwillige Feuerwehr Borstel-Hohenraden mit 59 Aktiven (davon 13 Frauen) und die Freiwillige Feuerwehr Prisdorf, ebenfalls mit 59 Aktiven (5 weiblich). In Kummerfeld sind es 56 Aktive (4 weiblich), dicht gefolgt von Tangstedt mit 54 Kräften (3 weiblich) und Ellerbek mit 51 aktiven Mitgliedern (7 weiblich).
Amt Rantzau:
Das Amt Rantzau zeichnet sich durch eine Vielzahl kleinerer Ortswehren aus. Die größte Wehr steht in Eller-hoop mit 44 Aktiven (3 weiblich), gefolgt von Hemdingen mit 42 Kräften (4 weiblich) und Lutzhorn mit 37 Mitgliedern (3 weiblich). Die Freiwillige Feuerwehr Bilsen zählt 34 Aktive (2 weiblich), während Bevern auf 33 Kräfte (1 weiblich) und Langeln auf 31 Aktive (3 weiblich) kommen. Die Freiwillige Feuerwehr Bokholt-Hanredder verfügt über 30 Aktive (3 weiblich) und Heede über 29 (3 weiblich). Die kleinsten Einheiten bilden die Wehren in Groß Offenseth-Aspern mit 26 Aktiven (5 Frauen) und Bullenkuhlen, ebenfalls mit 26 Kräften (3 weiblich).
Gemeinde Rellingen und weitere selbstständige Städte und Einheiten:
In der Gemeinde Rellingen verteilen sich die Kräfte auf die Freiwillige Feuerwehr mit 85 Aktiven (4 weiblich) und die Freiwillige Feuerwehr Egenbüttel mit 39 Mitgliedern (1 weiblich).
Spitzenreiter ist die Pinneberger Wehr
Die höchsten Mitgliederzahlen der gesamten Region finden sich erwartungsgemäß in den größeren Städten: Spitzenreiter ist die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg mit 116 Aktiven (12 weiblich), dicht gefolgt von der Freiwillige Feuerwehr Quickborn mit 112 Kräften (7 weiblich) und der Freiwillige Feuerwehr Wedel mit 101 Aktiven (13 weiblich). Die Freiwillige Feuerwehr Tornesch knapp dahinter zählt 98 Aktive (12 weiblich), die Freiwillige Feuerwehr Schenefeld kommt auf 91 Kräfte (10 weiblich) und Halstenbek meldet 85 Aktive (10 weiblich). Die Wehren in Uetersen (13 weiblich) und Barmstedt (6 weiblich) sind mit jeweils exakt 72 Aktiven gleich stark besetzt. In Bönningstedt engagieren sich 59 Aktive, hier ist der Frauenanteil mit 15 Feuerwehrfrauen prozentual besonders hoch. Die Freiwillige Feuerwehr Hasloh zählt 50 Aktive (6 weiblich), und auch auf Helgoland gibt es eine schlagkräftige Truppe von 38 Aktiven (10 weiblich).
Ergänzt wird die Liste durch spezielle Einheiten und den Katastrophenschutz: Der Katastrophenschutz (KatS) selbst listet 8 Aktive, davon beachtliche 7 Frauen. Die Technische Einsatzleitung (TEL) verfügt über 4 aktive Mitglieder (keine Frau), der ABC-Dienst über ein männliches Mitglied. Die Psychosoziale Unterstützung (PSU) verzeichnet derzeit keine aktiven Kräfte in dieser Statistik.
Schließlich tragen auch die Werkfeuerwehren zur Sicherheit bei: Die Werksfeuerwehr der Nordmark ist mit 22 Aktiven die größte von ihnen. Die Werksfeuerwehr der Altonaer Wellpappenfabrik zählt 7 Aktive (1 weiblich) und die Werksfeuerwehr der geschlossenen Feldmühle Uetersen wird noch mit 2 männlichen Aktiven geführt.
jvo/uh
Spendensumme
A. Beig-Verlag spendet – Erlös für den Nachwuchs
Auch in diesem Jahr spendet der A.Beig-Verlag 10 Prozent der Einnahmen aus dem Anzeigenverkauf. Der Erlös – 3333 Euro - werden dem Kreisfeuerwehrverband überwiesen. Die Summe soll laut Kreiswehrführer Stefan Mohr dem Nachwuchs zugute kommen.