Michael Hoff prägt seit 28 Jahren die Veranstaltungen auf Amrum. Der Leiter der Veranstaltungsabteilung der Amrum Touristik verantwortet jährlich fast 60 Events für die Gäste.
Man merkt Michael Hoff an: Der Mann steht unter Dampf. Gerade ist der 60-jährige Leiter der Veranstaltungsabteilung der Amrum Touristik in den Büroräumen im Wittdüner Fährhafen angekommen. Die Veranstaltung mit Stefan Gwildis im Gemeindehaus in Norddorf musste vorbereitet werden. „Ein toller Künstler mit einer unglaublichen Ausstrahlung“, schwärmt Michael Hoff. Aber es ist eben ein arbeitsreicher Tag für den Mann, der seit nunmehr 28 Jahren die allermeisten Veranstaltungen auf Amrum verantwortet und umsetzt.
Die Insel kannte er da schon. „Ich bin der Freundin 1986 hinterhergefahren und habe dann jedes Jahr meinen Urlaub hier verbracht“, erinnert sich das Veranstaltungsurgestein Hoff. Und irgendwie verfängt – wie bei vielen anderen, die dann auf der Insel bleiben – der Inselmagnetismus von Amrum. Und so nimmt die Veranstaltungskarriere von Michael Hoff 1997 langsam Fahrt auf. „Da habe ich ein dreimonatiges Praktikum in der Kinderbetreuung gemacht“, erinnert sich der drahtige 60er. Um finanziell in dieser Zeit über die Runden zu kommen, entwickelt er kreative Energie.
„Ich habe Strandgymnastik für Urlauber angeboten“, erinnert sich Hoff. Bis zu 40 Leute seien gekommen. Und dann habe er im Inselkino in Norddorf abends noch die Kinokarten abgerissen. Praktischerweise befindet sich die Praktikantenunterkunft auch noch direkt über dem Kino. Diese Zähigkeit und auch der Wille durchzuhalten werden ein Stück weit ein Markenzeichen seiner Veranstaltertätigkeit auf der Insel. „Nach und nach habe ich die Veranstaltungsverantwortung übernommen und alte Zöpfe abgeschnitten“, sagt Hoff.
Alles, was es heute an Veranstaltungen rund um die Amrum Touristik gäbe, habe er selbst aufgebaut. Und dazu gehören auch einige Highlights und Marketingcoups. „,2001 haben wir es mit Hilfe des Hotels ,Seeblick' geschafft, das Trainingslager des FC St. Pauli auf die Insel zu bekommen“, erinnert sich Hoff. Vier bis fünf Tage bleiben die Kiezkicker auf der Insel. Der Medienauflauf ist enorm. „Mopo, Abendblatt, Bildzeitung - alle waren hier“, schwärmt Hoff von dem enormen Medienaufgebot.
„Selbst ein Freundschaftsspiel des TSV Amrum gegen St. Pauli bekommen die Insel-Organisatoren hin. Mit eindeutigem Ergebnis: 18:1 geht es für die Paulianer aus. „Und wer hat das Tor geschossen“, fragt Hoff lachend. Das Jubelfoto von ihm stehe heute noch bei ihm in der Stube. 2002 kommt St. Pauli erneut auf die Insel. Diesmal als Erstligist. Abermals setzt es eine 1:18-Niederlage für den TSV gegen die Hamburger. Inzwischen hat auch der andere Hamburger Bundesligist, der Hamburger Sportverein, von den erfolgreichen und medienwirksamen Ausflügen des ungeliebten Stadtrivalen Richtung der nordfriesischen Inseln Wind bekommen.
Und so reist 2003 der HSV zu einem Trainingslager nach Amrum. Vor 2500 Zuschauern gibt es ein Spiel gegen den TSV Amrum. Und der HSV-Coach Kurt Jara ist stinksauer, dass seine Mannschaft „nur“ 14 Treffer erzielt. Und lässt sich nicht erweichen, ein Ehrentor zuzulassen. „Selbst das japanische Fernsehen hatte ein Team geschickt. Takahara spielte ja damals beim HSV“, sagt Hoff. Doch nicht nur Fußballpokale darf sich Hoff in seine Trophäenwand für gelungene Veranstaltungen stellen. Auch echte Hochkultur verantwortet er auf Amrum.
Und das sind nicht wenige: Im vergangenen Jahr zählte die Insel im Wattenmeer 139.000 Besucher. Und da sind die Tagesgäste noch nicht mitgezählt. „In Volllast kommen wir auf fast 60 Veranstaltungen“, sagt Michael Hoff. Davon seien 30 bis 40 Fremdveranstaltungen. „Mein Auftrag ist die Bespaßung der Gäste“, umreißt Michael Hoff seine „Mission possible“. Er habe keinen Kulturauftrag. „Das ist nur das Tüpfelchen auf dem i“, erklärt er. Begonnen hat das, wie so oft im Leben und auch auf den Inseln - bescheiden und ziemlich klein. Als Hoff im August 1998 auf der Insel anfängt, da gibt es die Amrum Touristik in ihrer jetzigen Form noch gar nicht. „Formal war ich damals in Norddorf angestellt“, sagt der Diplom-Sportlehrer schmunzelnd. Erst ab 1999 sei er für Veranstaltungen auf der ganzen Insel zuständig gewesen.

Durch einen Kontakt zur Dresdner Semperoper kommen 2010 33 hochklassige Musiker auf die Insel. Das „Feuerwerk der Klassik“ findet auf dem Sportplatz Nebel statt. „Das war die tollste Veranstaltung. Über 500 Menschen kamen. Wir hatten riesige Boxentürme aufgebaut“, erinnert sich Hoff. Ebenfalls ein Renner waren bis zur Corona-Zeit die jährlichen Konzerte von Katja Ebstein, die lange Jahre auf der Insel eine Immobilie besaß, die inzwischen einer ihr nahestehenden Stiftung gehört. Und das Glenn-Miller-Orchester mit mobiler Bühne mitten auf dem Kniepsand. „Der inzwischen zusehends verkrautet“, bedauert Hoff.
Hoffs größter Flop: eine Operettenshow im Jahr 2000 mit 30 Aktiven, Orchester und Tänzerinnen. „Wir hatten Schafskälte, und die Tänzerinnen haben sich zitternd an die aufgestellten Heizpilze geklammert“, erinnert sich Hoff. Erzitternd auch die Bilanz: 56 zahlende Zuschauer und 5000 Euro Minus. Doch trotz eines solchen Ausrutschers ist Michael Hoff überzeugt: „Ich habe einen der tollsten Jobs der Welt.“ Und das soll bis Oktober 2032 auch so bleiben. So steht es im Rentenbescheid des langjährigen Veranstaltungschefs von Amrum. Jörg Brökel