Seine Anziehungskraft ist seit 75 Jahren tierisch gut. Erst vor wenigen Wochen feierte der Tierpark Neumünster Jubiläum. Eröffnet wurde er am 1. Juli 1951 – damals noch unter dem Namen „Heimattiergarten“. Bereits am ersten Tag strömten 6000 Gäste aus dem ganzen Land in die Park- und Grünanlage an der Geerdtsstraßee. „Es ist kein Zoo im üblichen Sinne, sondern auf (...) dem Gelände im Nordwesten der Stadt sind über 400 Tiere der Heimat in rund 80 verschiedenen Arten zu sehen“, hieß es in den 1960er-Jahren in der Veröffentlichung „Neumünster – 20 Jahre Aufbau“ von Karl-Ernst Jipp. In einer Neumünster-Broschüre der Stadt wurde ebenfalls in dieser Zeit das Areal als Naherholungsraum hervorgehoben: „Der Heimattiergarten ist ein Anziehungspunkt besonderer Art. In glücklicher Kombination sind Tiergehege, Vogelschutzgebiet und Kindertummelplatz vereinigt“, hieß es.
In der 1980er-Jahren wurde die Beschränkung auf in Mitteleuropa heimische Arten gelockert. Hinzu kamen nach und nach Eisbären, Berberaffen oder Humboldt-Pinguine – und ein neuer Name: Aus dem Heimattiergarten wurde der Tierpark.
Erfolge in der Zucht von Europäischen Wisenten
Mittlerweile ist das 24 Hektar große Waldgelände des Zoos, der in den Jahrzehnten seines Bestehens ständig erweitert und modernisiert wurde, Lebensraum für über 700 Tiere aus hundert verschiedenen Säugetier-, Vogel- und Reptilienarten. Vor allem in Fachkreisen ist die Einrichtung bekannt für ihre Erfolge in der Zucht und Haltung von Europäischen Wisenten. Seit vielen Jahren beteiligt sich der Tierpark sehr erfolgreich an Auswilderungsprogrammen für in Neumünster geborene Wisente.

Ende 2006 erhielt der Tierpark Neumünster weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit, nachdem im Zoologischen Garten Berlin nach mehr als 30 Jahren erstmals wieder ein Eisbär geboren worden war. Der kleine Knut gehörte laut Vertrag als „erstgeborenes und überlebendes Junges“ allerdings dem Tierpark Neumünster, aus dem Vater Lars stammte. Nach einem Rechtsstreit zahlten die Berliner 430.000 Euro an den Tierpark Neumünster. Dafür wurde Knut ein Berliner. Er starb im März 2011 in der Hauptstadt.

Mittlerweile gibt es an der Geerdtsstraße nur noch einen Eisbären. Am 7. Juli 2026 musste Eisbärin „Larissa“ im bemerkenswerten Alter von 36 Jahren eingeschläfert werden. Sie war schwer erkrankt. Ihr Weggefährte „Vitus“ ist seitdem allein im Gehege. Er gilt als größter und ältester Eisbär Europas mit 26 Jahren und 3,60 Metern im Stand. Im Jahr 2000 wurde „Vitus“ im Zoo Rostock geboren und zog mit einem Jahr nach Karlsruhe um. „Larissa“ lebte von 2003 bis 2017 im Zoo Karlsruhe. Im Jahr 2017 kamen beide zusammen nach Neumünster.“
Die Idee, einen Heimattiergarten ins Leben zu rufen, gab es bereits in den 1930er-Jahren. 1950 erfolgte dann die Gründung der Tiergartenvereinigung. Ihrer zielstrebigen Arbeit und ihrem Engagement ist zu verdanken, dass bereits im Juli 1951 die Anlage ihre Tore öffnen konnte. Besonders verdient gemacht um den Tierpark, der heute mit dem angrenzenden Stadtwald zum „Naturerlebnisraum Schleswig-Holstein“ gehört, hat sich der frühere Bürgermeister Max Kupfer (Amtszeit von 1948 bis 1962).