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50 Jahre Parkcenter

FOTO: ROLF ZIEHM

Vom Shopping-Tempel zum Lost Place in Neumünster

Eröffnung am 4. November 1976

Heute bietet das Parkcenter in Neumünster einen traurigen Anblick. Das ehemalige Einkaufszentrum in zentraler Innenstadtlage steht seit 2023 komplett leer und ist als Lost Place dem Verfall preisgegeben. Über Jahre zog sich der Einzelhandel immer mehr aus dem Komplex zurück, die Leerstände nahmen zu. Der endgültige Fangschuss war ein schwerer Wasserschaden, der zur Schließung des Parkhotels und damit der letzten verbliebenen Hauptnutzung führte. Um dem Verfall entgegenzuwirken und den städtbaulichen Missstand in der Innenstadt zu beseitigen, kaufte die Stadt Neumünster das Parkcenter im Dezember 2024 und sucht seitdem Investoren für die Neuentwicklung der Immobilie. Im Jahr 2026 startete die Stadt dafür ein Interessenbekundungsverfahren. Wir blicken zurück.

Erste Pläne 1972

Die Planungen des Kieler Architektenbüros Schnittger und der Bauhansa Grundstücksgesellschaft (beide Kiel) für das schließlich 46 Millionen Mark teure Parkcenter hatten im Jahr 1972 begonnen. Für das „multifunktionale“ Gebäude mussten die frühere Polizeiwache an der Christianstraße 18 und die Tuchfabrik Rowedder weichen. Im Mai 1975 wurde mit den Rohbauarbeiten begonnen.

Blick nach Norden auf die Großbaustelle für das Parkcenter.
Blick nach Norden auf die Großbaustelle für das Parkcenter.

Riesensause zur Eröffnung

Bei der Eröffnung am 4. November 1976 feierte Neumünster das Parkcenter mit einer große Party und wähnte sich fast auf Augenhöhe „zu den Nachbargroßstädten Hamburg und Kiel“, wie es damals im Holsteinischen Courier hieß. Die Schlagzeile „Parkcenter: Das Kaufen soll Spaß machen!“ zeugte von ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Der „großstädtische Zuschnitt“ sichere dem Parkcenter auf Dauer den Statuts einer Kundenattraktion.

Auf 14.500 Quadratmetern Nutzfläche gab es 56 Geschäfte, Läden und Büros, ein Hotel mit 80 Betten, ein Kino und eine Bowlingbahn sowie eine Tiefgarage für 300 Fahrzeuge. Zur Eröffnung verteilte der Courier eine eigens produzierte Sonderausgabe „Parkcenter“. Vertreten war neben der Stadtgesellschaft auch Prominenz aus dem Sport, etwa die HSV-Profifußballer Buffy Ettmeyer und Willy Reimann. Der Grund: HSV-Profi Klaus „Jonny“ Winkler hatte im Parkcenter sein Geschäft Sport Libero Jonny Winkler eröffnet.

Polizeirevier und Erstaufnahme für minderjährige Flüchtlinge

In einem an das Parkcenter angrenzenden Trakt mit der Adresse Parkstraße 27 befanden sich bis zum Frühjahr 2011 das 2. Polizeirevier und die Kriminalpolizei. Beide zogen wegen eines massiven Schimmelpilzbefalls aus. Seit der Eröffnung hatte es immer wieder Probleme gegeben, die Experten auf Baumängel zurückführten. Im Herbst 2015 wurde im Gebäude des ehemaligen Polizeireviers nach Umbauarbeiten (Einbau sanitärer Anlagen, Brandschutztüren, zweiter Rettungsweg über eine Außentreppe) eine Erstaufnahme beziehungsweise Übergangsunterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. Sie war als befristete Lösung für den Spitzenbedarf der sogenannten Flüchtlingskrise konzipiert und wurde dann wieder geschlossen. 2021 verkaufte das Land Schleswig-Holstein die Immobilie.
Rolf Ziehm

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