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Bericht des Landesamtes für Umwelt zur Luftverschmutzung beim Nord-Ostsee-Kanal: Dreckschleudern ade 

Früher zogen viele Schiffe eine schwarze Rußwolke hinter sich her. Dank moderner Abgastechnik und strenger Vorschriften für die Treibstoff-Qualität hat sich die Luftbelastung verringert. FOTO: IMAGO/FREDERICK DÖRSCHEM

Die Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal haben einst viele Spuren hinterlassen. Schadstoffe aus den Schloten verschmutzten die Luft und setzten sich nahezu überall ab. Inzwischen hat sich die Lage sehr gebessert. Perfekt ist sie nicht.

Wer mit Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal lebt, hat wohl einen der schönsten Ausblicke in der Region. Doch immer wieder klagen Anwohner über die Abgaswolken der Schiffe, auch über gesundheitlichen Auswirkungen durch die Schadstoffe gibt es regelmäßig Spekulationen. Wie belastet ist die Luft am Kanal wirklich? 

Die gute Nachricht: Regelmäßige Messungen geben keinen Anlass zur Sorge und liegen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Wie schmutzig Luft sein darf, kontrolliert das Landesamt für Umwelt (LfU) mit Sitz in Flintbek, genauer die Lufthygienische Überwachung in der Abteilung technischer Umweltschutz. Die Behörde überwacht und beurteilt die Luftqualität im Land, seit 2010 auf Grundlage der 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Darin sind Messverfahren, Ziele und Grenzwerte für bestimmte Luftschadstoffe wie Blei, Nickel oder Stickstoffoxide festgelegt.

Wie viele Schadstoffe in der Luft herumschweben dürfen, ist also genau festgelegt, ebenso die Anzahl der zulässigen jährlichen Überschreitungen. So liegt der Immissionsgrenzwert für Schwefeldioxid etwa bei 125 Mikrogramm je Kubikmeter Luft als Tagesmittelwert. An drei Tagen im Jahr darf dieser Wert überschritten werden. Bei Stickstoffdioxid gilt etwa ein Stundenmittelwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter als Stundenmittelwert bei 18 zugelassenen Überschreitungen pro Jahr.

Einer, der seit fast 40 Jahren nahe dem NOK wohnt, ist Torsten Jürgens-Wichmann, Bürgermeister von Sehestedt. Die Belastungen durch den Schiffsverkehr schätzt er als überschaubar ein. „Ein Problem haben wir mit den Abgasen nicht“, sagt der Gemeindechef. Früher habe sich der Ausstoß der Containerriesen zwar an den Fenstern abgesetzt, doch das sei mittlerweile erheblich weniger geworden. Der Schiffsverkehr habe jedoch andere Folgen für die Anwohner: „Die Vibrationen sind deutlich zu spüren. Wenn ein Schiff vorbeifährt, klirren die Trinkgläser im Schrank.“ Wegen Problemen mit schlechter Luft habe sich aber noch niemand bei ihm gemeldet.

Um genau herauszufinden, wie viele Schadstoffe sich in der Luft am Kanal befinden, messen die Experten des LfU seit 2008 mit einer automatisierten Messstation. Die Station steht an der westlichen Einfahrt in den Kanal, in unmittelbarer Nähe der Schleuse in Brunsbüttel. „Es ist an diesem Standort davon auszugehen, dass durch den Schleusenbetrieb erhöhte Emissionen auftreten und damit die Luftqualität deutlich stärker beeinflusst wird als bei der Durchfahrt der Schiffe durch den Nord-Ostsee-Kanal“, sagt LfU-Pressesprecher Martin Schmidt. Soll heißen: Weil sich der Schiffsverkehr an der Schleuse ballt und die wartenden sowie an- und ablegenden Schiffe auf kleinem Raum viele Abgase absondern, dürfte die Belastung bei der Durchfahrt geringer ausfallen. Die gemessenen Werte sind laut LfU also die Spitzenwerte am NOK.

Trotzdem kommt es auch entlang des Kanals zu Spekulationen über eine mögliche Gesundheitsgefahr durch die Abgase. So schreibt ein Anwohner an den sh:z, dass sich sein Asthma mit dem Umzug an den NOK verschlechtert hätte. Er führe dies auf die Abgase zurück, die an „,windarmen Tagen stundenlang im Viertel hängen“.

Doch seit Einrichtung der Messstation lassen die Werte auch für Rendsburg und die Region ein positives Fazit zu. In den vergangenen 15 Jahren habe das LfU keine Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte feststellen können. Und die Luftqualität am NOK verbessere sich demnach sogar. „Allgemein gehen die festgestellten Konzentrationswerte zurück.“ Das bestätigen auch weitere Messungen, die die Umweltbehörde an weiteren Punkten unter anderem in Kiel und Brunsbüttel durchgeführt hat. Die Ergebnisse auch hier: Alle Grenzwerte werden eingehalten.

Thomas Krabbes, Stadtpräsident von Rendsburg, wohnt direkt am Kanal und erinnert sich, dass seine Großmutter Ärger mit der Luft am Kanal hatte. „Sie hat draußen nie weiße Wäsche zum Trocknen aufgehängt, weil die danach immer dunkel war“, sagt Krabbes. „Wir haben heute allerdings keine Probleme damit.“ In den vergangenen Jahren habe er keine Beschwerden über die Luft am NOK erhalten.„Es besteht auch keine Dauerbelastung.“ Je nach Windrichtung und -intensität würde der „Dieselmief“ manchmal ins Dachfenster ziehen. „Aber das ist die absolute Ausnahme und vielleicht bei einem Prozent der Schiffe zu riechen“, sagt der Stadtpräsident.

Dass die Belastung der Luft durch Abgase fühl- und messbar sinkt, ist unter anderem auf die schärferen Regeln für die Schiffstreibstoffe zurückzuführen. Die Containerschiffe müssen seit 2020 schwefelarme Treibstoffe verwenden und Abgasreinigungssysteme installieren. Das verringert auch den Ausstoß an Schadstoffen während der NOK-Passage. Ob die Reedereien sich an die Vorgaben halten, überprüft das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das seinen Sitz in Hamburg hat.

Seit April 2018 wird an der Einfahrt in den NOK in Kiel rund um die Uhr kontrolliert. Die Überprüfung erfolgt mittels automatisierter Messungen der Abgasfahnen der Schiffe. Dazu wird die Wolke, die aus den Schornsteinen kommt, mit hochsensiblen Luftqualitätsmessgeräten gemessen. Stellt das Messgerät eine auffällige Zusammensetzung der Abgase fest, bekommt die Wasserschutzpolizei eine Meldung und überprüft an Bord, ob ein Verstoß vorliegt. Doch auch weit vor der Einfahrt in den Kanal kann das BSH prüfen, ob Reeder den korrekten Treibstoff verwenden: Mit einer Drohne kontrolliert die Behörde die Abgase aus der Luft.

Doch wie viele Treibstoffsünder gibt es am östlichen NOK-Eingang? Nach Angaben des BSH liegt die Quote der auffälligen Schiffe seit Beginn der Messungen bei weit unter einem Prozent, 2022 sogar nur bei 0,07 Prozent. „Das bedeutet also, dass sich nahezu alle Schiffe an die geltenden Gesetze bezüglich Schwefel-Emissionen halten“, sagt die stellvertretende BSH-Sprecherin Merle Mansfeld.

Lutz Timm

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