Ihr Erfolgsrezept sind jede Menge Streicheleinheiten. Mit Zuwendung und Geduld hat Ida Schmidt ihre Kühe Gesa und Charly (beide zweieinhalb Jahre alt) zu ungewöhnlichen Höchstleistungen gebracht. Erst in diesem Juni wanderte die junge Frau aus Jevenstedt in fünf Tagen mit ihren beiden Rindern zu einer Freundin ins 65 Kilometer entfernte Winnert (Kreis Nordfriesland). Doch die zwei Kühe haben mehr drauf, als ihre Besitzerin bei langen Wanderungen zu begleiten.
Denn mit den beiden Rindern am Tau durch die Gegend zu ziehen, ist nur eine Fortbewegungsmöglichkeit von vielen. Schließlich kann Ida Schmidt beide Kühe auch reiten. „Meistens geht es im Schritt, aber wenn die Kühe Lust haben auch mal im Galopp“, so die 21-Jährige.
Ihr Wunsch, Kuhreiterin zu werden, entstand schon in der Kindheit. „Als ich fünf Jahre alt war, besuchten meine Eltern eine befreundete Familie in Winnert. Die Tochter - Wencke Clausen-Hansen - ritt schon damals auf einer Kuh. Für mich war nach dem Besuch klar: Ich wollte auch Kuhreiterin werden.“
Allerdings geriet der Wunsch in Vergessenheit, als Ida Schmidt ihre Liebe zu Ponys und Pferden entdeckte. Die waren zunächst Trumpf. Kontakt zu Rindern bestand dennoch. Nämlich über ihre beste Freundin Lea Schulz. Deren Vater Martin Schulz betreibt als Bauer einen Milchviehbetrieb. „Lea und ich haben uns immer die liebsten Kälber genommen und sind mit ihnen spazieren gegangen“, erinnert sich Ida Schmidt an gemeinsame Aktionen.
Und auch weil sie sich gern um Tiere mitkümmerte, bekam Ida Schmidt auf dem Schulz-Hof Familienanschluss. Entscheidend dafür, dass sie ihren Traum vom Kuhreiten doch noch verwirklichte, war das Schicksal ihres Pferds „Kassi“. Es musste 2020 nach einer Verletzung eingeschläfert werden. „Damals war mein Herz gebrochen und ich besann mich auf Rinder zurück“, sagt Ida Schmidt. Also fragte sie Martin Schulz 2020 im Scherz, ob er ihr nicht ein Kalb schenken wollte.
Umso größer war die Überraschung, als sie Martin Schulz am Heiligabend-Mittag 2020 zu sich in den Kuhstall holte und ihr ein Kalb schenkte. Das war die Schwarzbunte Gesa. Und bei ihr blieb es nicht. Denn immer, wenn Ida Schmidt etwas mit Gesa unternehmen wollte, gesellte sich ein Fleckviehkälbchen dazu. Da es von Gesa nicht zu trennen war, schenkte der Bauer Ida Schmidt auch dieses Kalb die heutige Kuh Charly. Beide Färsen (Kühe, die noch nicht gekalbt haben) hat Ida Schmidt jetzt bei Schulz in Gratis-Pension.
Das Wandern und das Reiten ist aber noch nicht alles, was die Kühe können. Zum Beispiel hat Charly ein besonderes Kunststück drauf. Sie kann einen Knicks machen. Gesa hat eine andere Spezialität. Sie wackelt mit den Ohren. Dazu hebt Ida Schmidt Arme und dreht die Hände über Gesas Kopf. Das motiviert Gesa zu Ohrenbewegungen.
„Gesa und Charly sind noch in der Ausbildung“, betont Ida Schmidt. Dazu gehört seit diesem Jahr auch das Laufen vor der Kutsche. „Das Kummet zum Anhängen des Geschirrs habe ich im Internet ersteigert“, berichtet Ida Schmidt. Derzeit zieht immer eine Kuh die Kutsche und die andere läuft hinterher.


Welche Pläne hat Ida Schmidt für ihre Kühe in der Zukunft? Noch keine bestimmten. „Ich teste aus, was geht“, so die junge Jevenstedterin. So denkt sie ans Muhen auf Kommando. Und auch als Zweiergespann sollen die zwei Kutsch-Kühe irgendwann vor den Wagen. Mit Tiererziehung kennt sich die gelernte und angestellte Pferdewirtin inzwischen auch von berufs wegen aus.
Für dieses Jahr gibt Ida Schmidt ihren Kühen gute Ausbildungsnoten. „Die Leistung von Gesa und Charly auf der fünftägigen Wanderung nach Winnert hat mich beeindruckt. Schließlich waren das im Durchschnitt 13 Kilometer pro Tag. Neu waren für sie Fahrten auf Fähren. Doch auch dabei gerieten sie nicht Panik“, berichtet sie über die Tour (26. Juni bis 1. Juli).
Der XXL-Spaziergang mit viel Medienbegleitung weckt den Ehrgeiz nach mehr. „Ich plane 2024 eine längere Tour in Schleswig-Holstein“, verkündet Ida Schmidt.
Die Strecke könnte entlang des Ochsenwegs führen oder rund um den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Damit das möglich ist, hat sie schon eine Zukunftsentscheidung für beide Kühe getroffen. „So lange ich mit ihnen unterwegs bin, werden beide keine Kälber bekommen.“ Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen befürchtet Ida Schmidt, dass sich mit der Mutterschaft der Charakter ihrer Rinder verändert. Außerdem würde ihr der Umgang mit den Tieren dann zu viel: „Ich würde auch die Kälber behalten. Aber Zeit, mich um vier Kühe zu kümmern, habe ich nicht.“
Rainer Krüger