Flensburg gilt als wachsende Stadt. Doch jetzt ist die Einwohnerzahl wieder unter 99.000 gefallen.
Im November 2023 war Flensburg schon einmal ganz nah dran. Nur 185 Neubürger fehlten bis zur Marke von 100.000 Einwohnern. Das ist die magische Grenze, ab der eine Stadt als Großstadt gilt. So legt es jedenfalls eine bis heute gängige Definition der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 fest.
 99.815 Menschen waren Ende vergangenen Jahres in Flensburg registriert. Und die Entwicklung der Einwohnerzahl kannte bis dahin seit Jahren eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Ein Ende der Entwicklung schien nicht absehbar. Die Landesplanung im Kieler Innenministerium bezeichnete Flensburg als „zukünftig prozentual als stärkster Wachstumsraum in Schleswig-Holstein“. Die Stadt sei „wachsendes Oberzentrum mit anhaltender Zuwanderung“.Â
Doch in den vergangenen Monaten ist das Wachstum plötzlich ins Stocken geraten. Flensburg schrumpft sogar wieder. Seit März liegt die Einwohnerzahl sogar wieder unter 99.000. Ende Mai 2024 waren es 98.951 Menschen.
Die Gründe dürften vielfältig sein. Die Zahl der Geburten und Sterbefälle spielt statistisch nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass zuletzt deutlich mehr Menschen aus Flensburg weggezogen als zugezogen sind. Unter anderem sind weniger Menschen aus der Ukraine und anderen Kriegsregionen gekommen als noch 2022 und 2023. Auch die Zahl der Studierenden an der Europa-Universität und der Hochschule Flensburg war zuletzt rückläufig.
Hinzu kommt ein Mangel an Wohnraum. Neue Wohnquartiere wie zum Beispiel im Schwarzental in der Neustadt oder auf der Mumm'schen Koppel am Campus sind zwar in Bau, aber noch längst nicht fertig.Â
Gibt es wieder mehr Wohnungen, könnte es mit dem Titel Großstadt vielleicht doch noch klappen. Die Fachleute im Innenministerium jedenfalls gehen weiterhin davon aus, dass Flensburg zunehmend von seiner Rolle als Handelszentrum auch für das südliche Dänemark profitieren wird.
Bleibt noch die Skepsis der Statistiker: Nach dem Zensus 2011, der kleinen Volkszählung, ging das Statistikamt Nord davon aus, dass in der Stadt deutlich weniger Menschen leben, als im Einwohnermeldeamt registriert sind. Demnach soll Flensburg Ende 2023 nur 92.667 Einwohner gehabt haben.
Ob das stimmt, war von Anfang an strittig. Im Juni 2024 wurden die Ergebnisse des Zensus 2022 veröffentlicht. Darin war die Abweichung zu den Daten aus dem Melderegister nicht mehr ganz so groß, aber nach wie vor hat Flensburg laut Zensus rund 3500 Einwohner weniger, als es die Daten im Rathaus besagen.
Der Fall liegt weiterhin beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig zur Entscheidung. Denn die Daten des Statistikamtes sind unter anderem ausschlaggebend für die Höhe der Steuermittel, die der Stadt zugewiesen werden.
Ove Jensen