Zwischen Kiel und Brunsbüttel gibt es am Nord-Ostsee-Kanal allerhand zu sehen – auch abseits der klassischen Touristen-Hotspots. In dem Reiseführer „111 Orte am Nord-Ostsee-Kanal, die man gesehen haben muss“ von Jochen Reiss finden sich viele von ihnen wieder. Hier eine Auswahl.
98 Kilometer lang schlängelt sich der Nord-Ostsee-Kanal einmal quer durchs Land. Er verbindet Nord- und Ostsee und trennt den Norden des Landes vom Süden. Mit Kiel, Brunsbüttel und Rendsburg liegen drei große Städte an der künstlichen Wasserstraße. Doch auch abseits der städtischen Ausflugsziele gibt es am Kanal einiges zu erleben und zu sehen.
Der Autor Jochen Reiss aus Klein Wittensee hat „111 Orte am Nord-Ostsee-Kanal, die man gesehen haben muss“, herausgesucht und in dem gleichnamigen Buch veröffentlicht. Darunter sind Gedenksteine, Cafés und Museen, aber auch gewaltige Bauwerke, Tipps für Spaziergänge in der Natur und natürlich Plätze zum Schiffe gucken. Eine Auswahl:


Einheimische und Touristen wissen: Schleswig-Holstein ist platt. Viele Berge gibt es hier nicht, und waschechte Bayern würden zum Bungsberg, der höchsten Erhebung, auch eher Hügel sagen. Dafür findet sich im Norden Deutschlands der absolute Tiefpunkt. Dreieinhalb Meter unter null liegt er an der Straße von Neuendorf-Sachsenbande nach Burg, etwa 35 Meter von dem Parkplatz entfernt. Und wie von der Zugspitze, dem höchsten Punkt Deutschlands, haben Besucher auch hier einen weiten Blick – auf Windräder, auf die Feldmark und auf die Weise mit den Rindern.
Bei dem ganzen Wasser im Kanal könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass es zahlreiche Möglichkeiten entlang des Ufers gibt, ein erfrischendes Bad zu nehmen. Doch tatsächlich gibt es nur eine einzige offizielle Badestelle an der internationalen Wasserstraße. Sie wird Klein Westerland genannt. Viel hat sie mit dem Namensvetter der Insel Sylt nicht gemein, bis auf die hohe Qualität des Sandes. Dafür kann man im Wasser des Nord-Ostsee-Kanals planschen, während die riesigen Schiffe vorbeifahren. Der Strand ist ganzjährig geöffnet und liegt „Zur Holstenau“ in Hochdonn. Parkplätze sind hinter dem Campingplatz vorhanden.
Während auf dem Kanal zahlreiche Schiffe unterwegs sind, liegen auch an Land welche. Sie haben viele Jahre ihren Dienst getan und können nun als Wrack besichtigt werden. Am südlichen Kanalufer am Ende der Hauptstraße bei der Fährstation Fischerhütte ist zum Beispiel die gleichnamige Kettenfähre zu sehen. Sie ist 24 Meter lang und neun Meter breit. Bis 1992 war sie auf dem Kanal im Einsatz, konnte allerdings nicht frei im Gewässer manövrieren. Sie wurde an einer Kette geführt, die von Ufer zu Ufer verlief. Besucher können die „Fischerhütte“, die 1950 gebaut wurde, über eine Treppe besteigen.
Als 1887 mit dem Bau des Kanals begonnen wurde, wurde in Rendsburg die Ober- von der Untereider getrennt. Dadurch geriet der Wasserhaushalt des Flusses durcheinander, es kam zu Überschwemmungen. Seit 1937 ist daher die Giselau-Schleuse in Oldenbüttel im Einsatz. Noch heute wird sie regelmäßig von Seglern und Sportbootfahrern genutzt. Wer den Betrieb erleben möchte, sollte sich an die Schleusenzeiten halten: im Sommer von Montag bis Freitag von 8 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag von 8 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr.
Wer die Ausflugsziele besucht oder einfach so am Kanal unterwegs ist, egal ob mit dem Fahrrad oder zu Fuß, hat entlang der künstlichen Wasserstraße zahlreiche Möglichkeiten, sich zu stärken. In Brauers Aalkate gibt es frischen Fisch – entweder zur Weiterverwertung oder direkt zubereitet auf den Tisch. Geöffnet hat das Restaurant am Schirnauer See 5 in Rade bei Rendsburg von Mittwoch bis Sonntag von 11.30 bis 20 Uhr. Kaffee und Kuchen können sich die Kanalfreunde dann auf dem Himbeerhof Gut Steinwehr bei Bovenau schmecken lassen. Dabei kann auch gleich das Herrenhaus bestaunt werden. Das Café hat montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Christina Köhn
INFO
Der Reiseführer „111 Orte am Nord-Ostsee-Kanal, die man gesehen haben muss“ ist 2017 im Emons-Verlag erschienen und ein Jahr später aktualisiert worden. Autor und Journalist Jochen Reiss hat bereits mehrere Werke der Reihe, wie zu Kiel und Nordfriesland, veröffentlicht. Wie bei seinen anderen Reiseführern auch, musste er am Ende viele Orte, die er besucht und entdeckt hatte, wieder streichen. Natürlich schreibt der Autor über die Schleusen, die Eisenbahnhochbrücke, die Villa Hoheneck oder die knallgelben Rapsfelder, aber es gibt rechts und links des Kanals weit mehr spannende und faszinierende Orte. Der Kanal ist mehr als bloße Wasserstraße und so nimmt Reiss den Leser auf den rund 230 Seiten mit, um Unbekanntes und Geheimnisvolles zu entdecken. Dazu gibt es Informationen zu Adressen, Anfahrt und Öffnungszeiten sowie viele Fotos.