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Flensburg - Die Erotik-Stadt

Pionierin: Beate Rotermund, Gründerin der Beate Uhse AG, steht vor ihrem Privatjet. FOTO: WWW.IMAGO-IMAGES.DE

Vom Tabu zum Trend: Die Geschichte von Beate Uhse und der Aufstieg des Erotikhandels in Flensburg

Und plötzlich war Flensburg in aller Munde. Waren KBA, Norder☐tor oder Alexandra dafür verantwortlich? Weit gefehlt. Beate Uhse war es, die der Stadt zu neuem Glamour verhalf, indem sie Anfang der Fünfziger auf sexuellem Terrain so mutig wie öffentlichkeitswirksam mit allen geltenden Tabus dieser Zeit brach.
Bereits in den 40er Jahren hatte sie hier mit ihrem Ehemann Ernst-Walter Rotermund den ersten Kondomversand gegründet. Sie war gefragt als Ratgeberin zur Sexualität und Erotik. Durch sie also avancierte die Stadt zum Erotik-Hotspot der Republik. 

Unternehmen aus der Region

1962 eröffnete sie in der Angelburgerstraße ihr „Fachgeschäft für Ehehygiene“, den ersten Sexshop der Welt. Von der Gutenbergstraße aus, nicht weit entfernt von der Kfz-Zulassungsstelle, überzog sie später das Land mit Filialen, in denen Dessous, Erotik-Videos und passendes „Spielzeug“ für sie und ihn feilgeboten wurde. Viel ist davon nicht geblieben. Die Kunstflug-Pilotin und „Sex-Pionierin“ verschwand mit ihrem zwischenzeitlich blühenden Imperium in der Versenkung, der Aktienkurs rauschte in den Keller. Tote Hose, Flasche leer!
Im Sog der Uhse-Erfolgsstory war 1981 der Orion Versand entstanden, indem er aus der AG ausgegliedert wurde. Tatsächlich bestehen bis heute familiäre Verbindungen zur Familie Uhse. Als Beate Uhse 1981 beschloss, ihre Firma zu teilen, übernahmen Dirk Rotermund und sein Stiefbruder Klaus Uhse den Versandhandel des Konzerns und benannten ihn in Orion um.

Unternehmerin Beate Uhse in jüngeren Jahren mit einer Dessous-Kollektion. FOTO: IMAGO IMAGES/POND 5 IMAGES
Unternehmerin Beate Uhse in jüngeren Jahren mit einer Dessous-Kollektion. FOTO: IMAGO IMAGES/POND 5 IMAGES

Die endgültige Trennung erfolgte 1984, als Dirk Rotermund mit damals 100 Mitarbeitern in den Schäferweg umzog. Große rote Lettern künden davon, wenn Autofahrer über die B 199 die Innenstadt ansteuern.
Orion blickt heute auf eine über 40-jährige Firmengeschichte zurück. Am Hauptsitz in Flensburg arbeiten etwa 300 Mitarbeiter. Es sind 140 Fachgeschäfte in Deutschland entstanden, dazu rund 20 Filialen in Österreich und Dänemark. 

„Wir sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und gehören zu einem modernen Lifestyle“, sagt Unternehmenssprecherin Nadine Rose-Flohr. Vibratoren und andere Toys seien. für Frauen spätestens seit der Serie „Sex and the City“ salonfähig. Zusätzlich hätten Filmerfolge wie „Fifty Shades of Grey“ dazu beigetragen, dass zumindest der Soft-Fetisch-Bereich mittlerweile gesellschaftliche Akzeptanz findet. „Und auch Männer zeigen zunehmend Interesse an der Produktvielfalt von Sextoys, insbesondere wenn diese mit raffinierten technischen Features ausgestattet sind.“
Hat der Begriff „Flensburg als Erotikstadt“ noch Gültigkeit? „Die Begriffe Erotik und Flensburg gehören für uns definitiv zusammen“, meint Nadine Rose-Flohr. „Schließlich ist Erotik ein fester Bestandteil der Stadtgeschichte.“ 

Eine mutige Frau habe dafür den Grundstein gelegt. „Dies hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Thema Erotik heute weitestgehend enttabuisiert ist und zum Leben dazugehört.“ Der Gedanke der Aufklärung wird übrigens noch heute in Flensburg gelebt: Denn genauso wie Beate Uhse hat sich auch Orion dem Thema Aufklärung verschrieben - mit einer hauseigenen Sexologin, die über unsere Social-Media-Kanäle intime Fragen zur schönsten Nebensache der Welt beantwortet.
Wer das Thema weiter vertiefen möchte, dem sei eine prickelnde Stadtführung unter dem Motto „Flensburg - eine erotische Hafengeschichte“ ans Herz gelegt. Die Tourismus-Agentur Flensburger Förde verspricht eine spannende Einblicke auf den Spuren der ehemaligen „erotischen Eckpfeiler“ - von der „Roten Laterne“ bis zur alten Dirnenstraße, über die Norderstraße mit der Melody-Bar, bekannt für ihren Schönheitstanz, bis hin zu Beate Uhse. Ein Exkurs rund um das Szene-Viertel Norderstraße rundet die Tour ab: Die „hängenden Schuhe“, der „falsche Amtsarzt“ Dr. Dr. Bartholdy und Flensburgs einst bekanntester Tätowierer "Trödel Pit“.
Die anderthalbstündige Führung endet mit einem Schnaps in einer urigen Hafenkneipe. Fehlt nur noch das Erotik-Diplom!

// Gunnar Dommaschww

INFO

Stadtführung „Flensburg - eine erotische Hafengeschichte“:
Dauer: ca. 1,5 Stunden (ohne Schnaps).
Treffpunkt: Anker vor dem Schifffahrtsmuseum
Preis inkl. Schnaps: Erwachsene 16 Euro.
Termine:
Donnerstag, 25. Juli um 19 Uhr,
Donnerstag, 22. August um 19 Uhr,
Donnerstag, 26. September um 19 Uhr.


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