Flensburg ist eine Stadt voller Besonderheiten. Als Grenzstadt zum Nachbarland Dänemark und dem Standort des berühmt berüchtigten Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), wo Millionen Menschen seit vielen Jahren fleißig Punkte aus dem Straßenverkehr sammeln, dürfte eigentlich jeder Deutsche die Fördestadt kennen.
Doch auch außerhalb Deutschlands hat sich die Stadt Flensburg bei vielen Menschen einen Namen gemacht. Das liegt mitunter auch daran, dass Flensburg jedes Jahr zum Ziel von zahlreichen Touristen wird, die nicht nur aus dem Süden Deutschlands, sondern auch aus ganz Europa, vorwiegend natürlich aus Skandinavien, kommen. Und weil Flensburg eben nicht nur aus dem KBA, der bekannten Brauerei oder dem Hafen besteht, haben wir für Einwohner, Reisewillige oder Auskenner fünf Fakten zusammengefasst, die man über die Fördestadt wissen sollte.
1. DIE FRAGE NACH DER HERKUNFT DES STADTNAMENS

Wer als Besucher der Fördestadt nach der namensgebenden Flensburg sucht, sucht fürs Erste vergeblich. Denn: In den historischen Quellen zur Stadt Flensburg kommt tatsächlich keine Burg vor. Es ist demnach bis heute nicht bekannt, ob eine solche Burg überhaupt existiert hat. Das ist auch die Erkenntnis von Historiker Stefan Magnussen, der viel mit Burgen in Schleswig-Holstein beschäftigt hat. „Es gibt diverse Spekulationen und Sagen über eine Burg in Flensburg. Für ihre Existenz gibt es aber leider keine wissenschaftlichen Beweise“, sagt Magnussen.
Was über den Mythos der Flensburg sonst noch bekannt ist, weiß allen voran die Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Vorstands-Mitglied Doreen Lutomski erklärt dazu: „Die Bedeutung des Stadtnamens verbirgt sich in der Schreibweise „Flensaaburgh“ aus dem Jahr der Stadtgründung 1284. Um die Bedeutung herauszufinden, muss man den Namen zunächst in die Silben ,fle', ‚ns', ,aa' und ,burgh' zerlegen, denn jede Silbe hat ihre eigene Bedeutung.“ Die Silbe „burgh“ weise dabei zwar auf eine Befestigung hin. Eine Lokalisierung gibt es dazu allerdings nicht.
Die Silbe „aa“ bedeutet unter anderem „Bach“, die Silben „fle“ und „ns“ stellen schließlich eine Verbindung der dänischen Wörter „flae“ (Schilf) und „naes“ (Landzunge) dar. „Damit ist also vermutlich eine mit Schilf bewachsene Landzunge gemeint“, sagt Lutomski. Fügt man nun die Bedeutung der einzelnen Silben zusammen, so ist der Name „Flensburg“ als „Burg an einem Bach auf einer mit Schilf bewachsenen Landzunge“ zu verstehen.
Doch auch die Gesellschaft zur Flensburger Stadtgeschichte muss festhalten: „Zu 100 Prozent kann man nicht aufklären, woher der Name kommt, weil dazu die historischen Quellen fehlen“, erklärt Lutomski.
2. ZENTRUM FÜR DIE DÄNISCHE MINDERHEIT IN DEUTSCHLAND
Dass die Stadt Flensburg aufgrund ihrer direkten Nähe zum Nachbarland Dänemark vor allem für die dänische Minderheit in Deutschland eine große Bedeutung hat, dürfte sicher niemanden überraschen.
Wie stark diese Verbundenheit zum Dänischen jedoch ist, zeigt sich nicht nur in der vielfältigen Kultur, sondern auch in der Stadtpolitik. Bei der Kommunalwahl 2023. erhielt der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), die Partei für die dänische Minderheit, in Flensburg die meisten Stimmen und stellt seitdem mit Susanne Schäfer-Quäck die Stadtpräsidentin.
Der hohe Zuspruch der Flensburger Bevölkerung für den SSW zeigt auch: Die Belange der dänischen Minderheit gehen viele Bürger der Stadt etwas an. Warum Flensburg für die Dänen so bedeutsam ist, erklärt SSW-Landesgeschäftsführer Martin Lorenzen so: „Flensburg ist als Grenzstadt und durch die lange deutsch-dänische Geschichte stark geprägt von der Kultur und Sprache der dänischen Minderheit, die ca. 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die vielen dänischen Einrichtungen der Stadt wie Schulen, Gymnasium, Kindergärten, Kinderkrippen, Gesundheitsdienst, Bibliothek oder Zeitung gehören ganz natürlich mit zu Flensburg.“
Auch in Sachen Kultur zeigt sich in Flensburg laut Lorenzen die besondere Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland. Die Fördestadt dient somit als Bindeglied zwischen zwei Ländern, die viel miteinander verbindet. „Besonders beim dänischen Jahrestreffen, dem „Årsmøde“, an dem tausende Mitglieder der Minderheit mit ihrem „Danebrog“ stolz durch Flensburg ziehen, zeigt sich die positive Entwicklung zwischen Deutschen und Dänen in unserer Stadt. Die dänische Minderheit trägt zu Flensburgs ganz besonderen Flair als südlichste Stadt Skandinaviens bei und zieht auch viele dänische Touristen an“, so Lorenzen.


3. SPITZENHANDBALL BEI DER SG FLENSBURG-HANDEWITT
Neben den vielen Touristen, die Flensburg besuchen, ist die Stadt vor allem auch für Sportfans zu einem Zielort geworden. Mit der SG Flensburg-Handewitt spielt in der Fördestadt eine der erfolgreichsten deutschen Handball-Mannschaften, die über mehrere nationale und auch internationale Titel blicken kann. Berühmt und berüchtigt ist allen voran die Stimmung der Fans in der Campushalle, die seit vielen Jahren von den Flensburgern und Handballfans aus Deutschland als „Hölle Nord“ bezeichnet wird.
Die „Hölle Nord“ ist dabei vor allem für eines bekannt: die Nordtribüne. Die Tribüne ist mit 1500 Plätzen die größte Stehplatztribüne in der deutschen Handball-Bundesliga. Von dort aus sorgen die Fans der SG für eine ganz besondere Atmosphäre bei den Spielen. Richtig stimmungsvoll wird es dabei vor allem beim Derby. Wenn der deutsche Rekordmeister vom THW Kiel in die Campushalle kommt, sind die Fans auf den Rängen in der Regel nochmal ein bisschen lauter als in den anderen Spielen der Saison.
Die aktuelle Spielzeit hat die SG in der Handball-Bundesliga auf dem dritten Platz beendet - zu wenig für die Ansprüche der Flensburger. „Ein dritter Platz in der Liga reicht nicht. Wir wollten um die Meisterschaft mitspielen, haben aber zu viele einfache Punkte liegen gelassen“, sagte unter anderem Spieler Johannes Golla nach der Saison. Einen Titel konnten die Flensburger in dieser Saison aber trotzdem feiern. Die Mannen vom dänischen Trainer Nicolej Krickau gewannen die EHF European League und holten damit den ersten Titel seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft und des DHB-Supercups im Jahr 2019.
4. EIN BIER, DAS WEIT ÜBER DIE STADTGRENZE HINAUS BEKANNT IST
Die Überleitung von der SG Flensburg-Handewitt zum nächsten Punkt im kleinen Flensburg-Einmaleins fällt nun besonders leicht. Denn es geht um das Bier, das für viele Fans beim Besuch der Campushalle nicht fehlen darf und in Flensburg ebenfalls eine ganz besondere Geschichte hat. Seit 1888 wird in der Brauerei am Munketoft das Flensburger Pilsener, wie das als „Flens“ bekannte Bier heißt, gebraut.
Besonders bekannt ist vor allem das markante „Plop“-Geräusch der Flensburger Bierflasche, das dem Bier in Deutschland und auch im Ausland eine gewisse Bekanntheit beschert hat. Das kann die Brauerei sogar mit Zahlen belegen: „Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung erkennt die Produkte der Flensburger Brauerei am charakteristischen ,Plop', das beim Öffnen der Bügelverschlussflaschen zu hören ist“, sagt Unternehmenssprecherin Susanne Hand.
Mit 270 Mitarbeitern und einem Jahresausstoß von etwa 60 Millionen Litern Bier spielt die Brauerei auch eine bedeutende Rolle in der lokalen Wirtschaft. „Die Flensburger Brauerei ist ein Traditionsunternehmen, das nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus eine hohe Verantwortung trägt. Ein zentraler Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der Regionalität bei der Auswahl der Partner und Zulieferer und auf der Nachhaltigkeit bei den technischen Prozessen“, sagt Hand.
Darüber hinaus ist die Flensburger Brauerei auch ein beliebtes Ziel für Besucher. Laut Susanne Hand kommen für die Betriebsbesichtigungen jährlich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen, was die Brauerei auch zu einem wichtigen touristischen Anziehungspunkt in Flensburg macht.
5. EIN KULT-FISCHBRÖTCHEN UND DIE VIELFÄLTIGE GASTRONOMIE
Wie das Bier zur Gastronomie, so gehört vermutlich auch die Gastronomie zur Stadt Flensburg. An vielen Ecken können Einheimische und Touristen die vielfältige Kulinarik der Fördestadt genießen. Beliebt sind dabei die gastronomischen Angebote in der Innenstadt oder am Hafen mit direktem Blick auf die Förde.
Was in einer norddeutschen Stadt wie Flensburg natürlich nicht fehlen darf, ist ein gutes Fischbrötchen. Und das scheint man vor allem in Ben's Fischhütte am Museumshafen zu bekommen. Seit Jahren ist der Betrieb von Inhaber Ben Heinrich eine Institution in der Stadt. „Die Leute kommen aus ganz Deutschland hierher und machen auf ihren Durchreisen häufig in Flensburg halt, nur um hier ein Fischbrötchen zu essen“, sagt Ben Heinrich.
Er betreibt seine „Fischhütte“ bereits seit 15 Jahren. Als Inspiration für die Eröffnung seines eigenen Restaurants diente dabei eine kleine Bude in Dagebüll, bei der Heinrich sich während seiner Ausbildungszeit regelmäßig ein Fischbrötchen holte. „Das war wirklich sensationell. Da wurden die Brötchen noch selbst gebacken. Als ich nach meiner Ausbildung dann nach Flensburg kam und als Restaurantleiter gearbeitet habe, habe ich nirgends wirklich gute Fischbrötchen bekommen. Daher kam die Idee auf, so etwas zu machen, wie ich es damals aus Dagebüll kannte“, so Heinrich.
Seine Fischhütte ist bei den Flensburgern und auch bei vielen Gästen von außerhalb sofort gut angekommen. Durch die große Beliebtheit sind lange Warteschlangen vor dem Lokal inzwischen keine Seltenheit mehr. „Es tut uns natürlich leid, wenn Kunden mal etwas länger auf ihr Fischbrötchen warten müssen. Aber wir wollen es auch immer mit der nötigen Sorgfalt machen und haben in unserer Hütte ja auch nur einen Arbeitsraum von etwa acht Quadratmetern zur Verfügung. Meistens ist es für die Kunden dann auch kein Problem, wenn sie mal ein paar Minuten in der Schlange stehen müssen.“ // Marcel Nass