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Promis auf Sylter Friedhöfen

Der Keitumer Friedhof - hier liegen viele Promis auf Sylt begraben. FOTOS: DEPPE

Politiker und Verleger, Schauspieler und Schriftsteller, ein Widerstandskämpfer und eine Prominenten-Wirtin: Auf den Friedhöfen der Insel offenbart so mancher Grabstein einen bekannten Namen. Prominente, die auf Sylt lebten, sind ebenso darunter wie illustre Sylt-Liebhaber, die hier ihre letzte Ruhestätte wählten.

Das Dies wird auf dem Keitumer Gottesacker besonders augenscheinlich. Hier ruht zum Beispiel Sylts bedeutendster Chronist, Christian Peter Hansen (1803-1879). Ohne ihn wäre ein guter Teil der Sylter Vergangenheit wohl für immer im Verborgenen geblieben: Der Lehrer trug in seiner Freizeit umfassendes Material zur Geschichte, Kultur und Volkskunde der Insel zusammen und führte unter anderem einen Briefwechsel mit dem bekannten Schriftsteller Theodor Storm.

Sie war die erste der Insel Sylt. Prominentenwirtin Künstler, Adlige, Politiker logierten in ihrem Gästehaus am Kampener Kliff. So empfing Clara Tiedemann (1891-1979) im Haus „Kliffende" unter anderem den Schriftsteller Thomas Mann, der ins Gästebuch schrieb: „An diesem erschütternden Meere habe ich tief gelebt." Auch der bekannte Maler Emil Nolde wohnte bei Clara Tiedemann und porträtierte sie. „Es war, als ob die freie Luft, der salzige Geschmack, die tosenden Wogen mich spornten und beglückten", erinnerte er sich später.

Er zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern Sylts: Boy Lornsen (1922-1995). Angeregt von den Spielen seiner Kinder verfasste er einst ein Buchmanuskript mit dem wunderlichen Titel „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt". Es wurde ein unglaublicher Erfolg. Mit „Jakobus Nimmersatt“ gelang Lornsen bereits ein Jahr später ein zweiter Coup. Lornsens Bücher erreichten Auflagen von bis zu 500.000 Exemplaren und wurden in 13 Sprachen übersetzt.

Auch auswärtige Prominenz ruht unter Keitumer Erde. So etwa der einstige Bundesinnenminister Gerhard Schröder (1910-1989), der sich 1960 in Kampen ein Haus bauen ließ, in dem er auch verstarb. Auf dem Friedhof liegt er nun ein paar Steinwürfe weit entfernt von einem bedeutenden Journalisten, der ihn anfangs als potentiellen Kanzlerkandidaten sah, doch das gute Verhältnis durch einen negativen Artikel über den aufstrebenden Politiker in seinem Magazin hoffnungslos zerrüttete.

„Wo ist denn das Grab von Rudolf Augstein?" - diese Frage hören die Friedhofsmitarbeiter nahezu täglich und dies auch gerne mehrfach. Wer die Ruhestätte am östlichen Rand des Friedhofs schließlich entdeckt, ist meist überrascht: Kein stattliches Monument, sondern ein kleiner Findling kündet von dem bekannten Verleger des Magazins ,,SPIEGEL".

Rudolf Augstein (1923-2002) hatte im benachbarten Archsum mehr als drei Jahrzehnte lang ein Ferienhaus besessen. „Unauffällig und natürlich war er - und wenn er mit seinem Hund durchs Dorf spazierte, grüßte er jeden höflich“, erinnern sich die Archsumer an ihn. Gelegentlich kam Rudolf Augstein zusammen mit „Stern"-Verleger Henri Nannen in den Dorfgasthof.

Dann wurde ausgiebig getafelt und gefachsimpelt. Und wenn Augstein daheim in Hamburg die Sehnsucht nach der Insel übermannte, rief er seinen Hausmeister in Archsum an: Er möge ihm doch bitte ein Paket mit frischen Eiern und hausgemachter Sylter Marmelade schicken.

Auch ein anderer bekannter Verleger ruht auf dem Keitumer Friedhof. „Alle Sinne sind im Augenblick des Betretens der Insel von dieser vollauf in Anspruch genommen. Sie ist nie die selbe und doch stets unverkennbar“, rühmte Peter Suhrkamp (1891-1959) dereinst Sylt. Sein Ferienhaus in Kampen diente häufig als Mußestätte für Schriftsteller wie Max Frisch, Ernst Penzoldt und Carl Zuckmayer.

Erst spät wurde er auf Sylt richtig heimisch: Schauspieler Uwe Dallmeier (1924-1985), der unter anderem in der einzigen plattdeutschen Folge der „Tatort“-Krimireihe als Kommissar agierte, heiratete 1981 eine Sylterin und zog auf die Insel. Über seine Beerdigung merkte die Presse indes verbittert an: „Von allen Stars, mit denen Dallmeier auf der Bühne und vor der Kamera stand, war niemand in die St.-Severin-Kirche gekommen."

Lauschig erstreckt sich rund um die Morsumer Kirche der Friedhof, auf dem vornehmlich Einheimische beerdigt werden. Eine der Ausnahmen bildet das Grab eines Mannes, der zu dem Kreis der Widerstandskämpfer gegen Hitler gehörte: Fabian von Schlabrendorff (19071980), der 1943 wagemutig eine Sprengstoffbombe in das Flugzeug Hitlers schmuggelte, die jedoch nicht explodierte. Nach dem Krieg arbeitete von Schlabrendorf zunächst als Rechtsanwalt und wurde später Richter am Bundesverfassungsgericht. Seine letzte Ruhestätte fand er in Morsum, wo eine seiner Töchter lebt.

Ein bekannter Schauspieler ruht auf dem idyllischen Wenningstedter Friedhof. Heinz Schubert (1925-1999), vor allem als Figur des „Ekel Alfred" aus der Fernsehserie ,,Ein Herz und eine Seele" bekannt. Lange Zeit in Hamburg ansässig, führte seine letzte Reise nach Sylt, wo seine Tochter wohnt.

Ganz im Norden der Insel schließlich findet sich das Grab eines Mannes, der mit einem ewigen Superlativ aus der Welt geschieden ist: Wolfgang von Gronau hob 1930 vor List mit einem Flugboot ab und landete 44 Stunden später im Hafen von New York. Im legendären Guinness-Buch der Rekorde ist diese kühne Tat als ,,Die erste Ost-West-Atlantiküberquerung mit einem Flugboot" dokumentiert.  Frank Deppe

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