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Magische Bilder

FOTO: HANS JESSEL

Hans Jessel ist der bekannteste Landschaftsfotograf der Insel - nach 20 Jahren erscheint jetzt erstmals ein neuer Bildband

Das Hans Jessel ist ein zurückhaltender, fast scheuer Mensch. Er meidet große Auftritte, größere Menschenansammlungen bereiten ihm Unbehagen. Sein Metier ist die Natur. Sehr früh morgens streift er mit seiner Kamera durch die Sylter Landschaften - auf der Suche nach dem besonderen Moment und vor allem der Schönheit dieser ganz besonderen Natur. Damit ist der gebürtige Sylter zum bekanntesten Landschaftsfotografen der Insel geworden, unzählige Sylt-Kalender zeigen seine einzigartigen Aufnahmen, seine Bildbände sind ein Muss für die Abteilung ,,Sylt-Sehnsucht" im heimischen Bücherregal. 

Jetzt hat sich der 66-Jährige nach 20 Jahren erstmals wieder vom Verlag Ellert & Richter dazu hinreißen lassen, einen neuen Bildband „Sylt“ zu veröffentlichen. Auf 312 Seiten und in 225 Fotos lässt Jessel die kraftvolle Inselnatur sprechen und die Geschichte, Kultur und Tradition der Insel in Text und Bild Revue passieren.

Aber warum musste er sich dazu überreden lassen? ,,Ich wollte eigentlich keinen Bildband mehr veröffentlichen, weil es für mich ein innerer Widerstreit ist: Ich zeige einerseits mit meinen Bildern das Schöne, die einzigartige und unberührte Natur, die man findet, wenn man wie ich vor dem Morgengrauen losläuft, wenn noch kein Mensch unterwegs ist. Aber die Realität auf der Insel sieht inzwischen ganz anders aus, da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Und es gibt Leute, die mit meinen Bildern im Kopf nach Sylt gekommen sind und dann geschockt waren, als sie die Realität gesehen haben und gesagt haben: Das sieht hier ja ganz anders aus." Deshalb ist er vor 20 Jahren aus dem Bildband-Geschäft ausgestiegen.

Er selbst hingegen kann nicht anders, als das Schöne zu suchen und zu sehen. „Ich habe einen großen Hang zu dem Schönen, das die Natur uns liefert, und blicke mit Unbehagen auf alles, was diese Schönheit zerstört.“

Seine Zeit ist der ganz frühe Morgen, wenn die Insel noch schläft. Nur er, seine Kamera und die Natur. ,,Ich bin immer allein unterwegs, nehme auch fast nie jemanden mit. Ich kann mit einem anderen Menschen an der Seite, egal wie vertraut er mir ist, das nicht so erleben, wie ich es allein kann. Ich muss der Landschaft allein gegenüberstehen und die Stille in mir aufnehmen.“ Hans Jessel läuft und guckt so lange, bis er ein Traumbild“ vor sich hat. Die Fotografie ist dabei zweitrangig. „Es ist dieses großartige Erlebnis, dass man solche Stimmungen in einer urwüchsigen Landschaft erleben kann, wie es sie sonst in unserer zivilisierten Welt nicht mehr gibt. Das haben wir auf Sylt glücklicherweise noch.“ Auch die Bilder, die im neuen Bildband zu sehen sind, hat er nicht gezielt dafür fotografiert. ,,Ich mache einfach Bilder. Dann bin ich am stärksten." Es sind besondere Momente, die er im Laufe der vergangenen Jahre eingefangen hat. Manchmal sind es Augenblicke, die wahrscheinlich nie wieder erlebbar werden. Einen davon hat ihm Corona beschert: „Ein grandioses Erlebnis war, als ich an einem Sonntagmorgen um 11 Uhr in Westerland an den Strand gegangen bin und keine einzige Fußspur im Sand gesehen habe. Das ist totaler Wahnsinn, Bilder zu machen, die sonst nie möglich sind."

Aber, so der Naturfoto-Chronist von Sylt, es sei auch echt der Hammer", wie sich die Insel in den vergangenen 60 Jahren verändert habe, und wirkt dabei fast ärgerlich in seiner zurückgenommenen und ruhigen Art. Sicherlich, heute lebe man deutlich luxuriöser auf der Insel und nicht bei jedem Sturm falle der Strom komplett aus. Aber es sind ihm einfach zu viele Gäste und das pausenlos, weil es kein Saisonende mehr gibt. ,,Ich muss immer früher losziehen morgens, um überhaupt noch das zu finden, was ich suche. Und die Leute sind auch erheblich enthemmter geworden, was die Naturschutzgebiete anbelangt." Es ist enger geworden auf der Insel.

Seine Welt sind nicht Kampfgeist, zermürbende Gespräche und eine taube Politik. „Ich flüchte mich in die Landschaft. Ja, es ist eine Flucht“, sagt der Mann, der die Inselnatur früher auf Zelluloid und heute auf eine digitale kamerafestplatte bannt.

Und dann ist da trotzdem die Lust, seinen „Senf" als Künstler dazu abgeben zu wollen, in seiner Sprache, in seiner Form: „Wenn man Landschaft schützen will, muss man den Menschen auch die Schönheit dieser Landschaft vorführen. Sie dafür begeistern, berühren. Deshalb zeige ich die schönen unberührten Seiten der Insel." Jetzt wieder einmal in einem Bildband. Sylt leuchtet. Barbara Glosemeyer

Hans Jessel, ,,Sylt"
312 Seiten mit 225 Abbildungen
Format 23 x 28 cm, Hardcover
ISBN 978-3-8319-0831-8
50 Euro




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