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Warm werden am Montagmorgen

FOTO: SVETLANA_CHERRUTY - STOCK.ADOBE.COM

Wenn man zu spät zum Unterricht kommen darf

Mir hat die Musik in der Adventszeit immer ein paar Minuten Schulunterricht erspart. Dies hing mit einer besonderen Tradition zusammen: Als Blockflöte spielender Musikschüler hatte ich in der Vorweihnachtszeit zahlreiche Termine - als erste Flöte im Weihnachtskonzert in der Kirche, beim Vorspiel während diverser Seniorennachmittage oder eben auch in der eigenen Schule.

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Denn immer am Montag nach einem Adventssonntag hieß es für mich und rund zehn weitere Schüler morgens nicht etwa, schnellstmöglich an den eigenen Platz im Klassenzimmer zu gelangen, um fix noch die Hausaufgaben des Nachbarn abzuschreiben. Nein, wir trafen uns, bepackt mit Schultasche und Instrument, frühzeitig in der Eingangshalle des Gymnasiums, klappten dort unsere Notenständer auseinander, stellten sie im Halbkreis auf und drapierten auf ihnen die Noten zu Stücken wie „Es ist ein Ros“ entsprungen“ oder „In dulci jubilo“. Anschließend sorgten wir dafür, dass unsere Instrumente warm wurden und miteinander harmonierten. Was bei Holzblasinstrumenten gar nicht so einfach ist.

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GRUNDSÄTZLICH EINE GUTE ÜBUNG

Währenddessen versammelte sich auch das Publikum in gebührendem Abstand, bestehend aus Schülern und Lehrkräften. Im Nachhinein war das Ganze eine gute Übung für das mündliche Abitur: Zeigen, was man gelernt hat und zum richtigen Zeitpunkt abliefern. Beim Blockflöte spielen ist mir das ganz gut gelungen. Über meine Abschlussprüfung lege ich an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens.

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Wir haben als kleines Blockflöten-Ensemble also abgeliefert. Die größte Herausforderung bei jedem gemeinsamen Musizieren war aber letztlich nicht, die gemeinsame Harmonie zu finden. Dafür hatten wir einfach schon zu viel Erfahrung gesammelt über die Jahre. Nein, der größte Nervenkitzel war das Umblättern der losen Notenblätter. Schließlich musste man dafür eine Hand vom Instrument nehmen und in Windeseile nur das obere Blatt zu fassen bekommen, um es dann umgedreht wieder auf dem Notenständer abzulegen - während man das Instrument spielte.

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NICHT IMMER GANZ FEHLERFREI

Eigentlich hätten wir darauf bedacht sein sollen, diese kleine unumgängliche Geschicklichkeitsübung jedes Mal zu bewältigen. Gerade beim Vorspielen vor den eigenen Mitschülern war meine Motivation jedoch besonders groß, ohne Patzer durchzukommen.

Und wenn ich jetzt so über die gesamten Schulkonzerte nachdenke, mag mir nicht eine Situation einfallen, in der ein einzelnes Notenblatt vom Notenständer glitt, sich mit leicht schwingenden Bewegungen selbstständig machte und nach einer gefühlten Ewigkeit auf dem Fußboden niederließ. Genau in der Mitte zwischen Musikern und Zuhörern. Nicht eine solche Situation mag mir dazu gerade einfallen. Kurios.

Das Ende des morgendlichen Adventskonzertes war übrigens nicht mit dem Ende eines bestimmten Liedes erreicht, sondern mit dem Klingeln zur ersten Stunde. Dann erhob sich ein Lärm unter den zuhörenden Schülern und Lehrern, die sich umgehend auf den Weg in ihre Klassenzimmer machten. Innerhalb weniger Sekunden war die Eingangshalle wieder verwaist, abgesehen von uns Blockflötenspielern. Und während im gesamten Gebäude überall der Unterricht zur ersten Stunde begann, hatten wir auf einmal viel Zeit.

Da war es plötzlich gar nicht mehr so einfach, die Notenblätter als geordneten Stapel zurück in die Mappe zu legen, das kleine Köfferchen mit dem Instrument in der eigenen Schultasche zu verstauen oder in dem Moment ganz besonders den Notenständer in der - kompliziert richtigen Reihenfolge wieder zusammenzuklappen. Ganz zu schweigen vom Weg zurück ins Klassenzimmer. Der zog sich an solchen Tagen immer ganz besonders.

DEN MORGEN GUT GETARNT BEGINNEN

Und wenn ich es dann doch bis zum Unterrichtsraum geschafft hatte und ihn möglichst geräuschlos betrat, waren meine Mitschüler und der Lehrer bereits in den Lehrstoff vertieft. Die verspätete Rückkehr des Blockflöte spielenden Mitschülers fiel da kaum auf. Weihnachtsmusik kann eben manchmal auch ziemlich nützlich sein, wenn man erst mal mit so einem trüben Schulmontagmorgen warm werden muss.
// Armin Struve


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