Ob mit dem Schülerchor beim Sternsingen in der Kirche, die klassische Weihnachtsmusik der Eltern zur Bescherung oder die amerikanischen Festtagsevergreens, die pünktlich zum ersten Advent aus dem CD-Regal gepult werden - Musik spielte bei mir schon immer eine große Rolle zu Weihnachten, schürt sie doch Stimmung und Vorfreude. Einmal kamen allerdings Klänge in mein Leben, die so gar nicht feierlich waren, mich aber auf andere Art begeisterten.
Nun muss ich, Jahrgang 1971, vorausschicken, dass ich nicht immer so techniks-keptisch wie heute war. Ja, mein erstes Smartphone habe ich zwar im zarten Alter von 51 bekommen, und das auch nur unter Protest, aber als Kind war ich begeistert von elektronischen Dingen - sofern sie fix und fertig für den unbedarften Endverbraucher serviert wurden. Das betraf die ersten Spielekonsolen und Videorekorder genauso wie den sensationellen, senkrechten Plattenspieler mit zwei Tonabnehmern (vorne und hinten zum Abspielen in Dauerschleife). Und das betraf auch ein leuchtendes, blinkendes, piepsendes Dingsbums, das ich eines Heiligabends Anfang der 1980er Jahre erwartungsfroh auspackte: ein Mini-Senso.
Vielleicht erinnern sich manche noch an diesen Tastenteller mit je einer roten, blauen, gelben und grünen Fläche zum Drücken. Diese leuchteten nach dem Start in zufälliger Reihenfolge auf und machten dabei in verschiedenen Tonhöhen lieblich dröhnend „möht“ und „miep“. Sinn des Ganzen war, sich die Reihenfolge der kombinierten Töne und Leuchtimpulse zu merken und entsprechend durch Drücken zu wiederholen. Lange zögern war nicht drin, denn dann erklang das brummende Signal der Niederlage.
Waren es anfangs wenige Töne in langsamer Folge, steigerten sich mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad Menge und Geschwindigkeit. Da ich nicht die große Version für bis zu vier Spieler, sondern das handliche Mini-Modell für ein bis zwei Spieler bekommen hatte, zog ich mich gern damit zurück und brachte es mit etwas Übung zu beachtlichen Leistungen. Bald war mir keine Tonfolge zu lang oder zu schnell, sämtliche Kompositionen konnte ich fix und fehlerlos rekapitulieren. Das sorgte allerdings auch dafür, dass irgendwann Schluss war mit der Begeisterung. Das Ding konnte mir einfach nichts Neues bieten.
Zum Glück lag ein paar Weihnachten später eine Gitarre auf dem Gabentisch, und die bietet musikalisch unendliche Möglichkeiten Weihnachtszeit. - nicht nur zur
|| Birte Sieland